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Athen
Syriza ist unzufrieden, aber ohne Tsipras geht es nicht

Athen. Die Stimmung könnte besser sein, wenn sich heute in Athen rund 3000 Delegierte des griechischen Linksbündnisses Syriza versammeln. Es ist der erste Parteitag, seit Syriza Ende Januar 2015 die Regierungsverantwortung übernahm. Die von Alexis Tsipras geführte Koalition aus Links- und Rechtspopulisten steckt im Stimmungstief - zu viele Wahlversprechen blieben unerfüllt, der von Tsipras beschworene Wirtschaftsaufschwung lässt auf sich warten.

Tsipras dürfte deshalb Kritik zu hören bekommen. Seine Führungsrolle wird aber niemand offen in Zweifel ziehen. Denn die Genossen wissen: Ohne das Zugpferd Tsipras ist Syriza nichts. Zwar musste Tsipras im Sommer 2015 ein drittes Spar- und Reformprogramm unterschreiben, um dringend benötigte Hilfskredite zu sichern. Daran wäre Syriza fast zerbrochen. Dennoch gewann Tsipras die vorgezogene Wahl im September 2015. Damit festigte er seine Führungsrolle.

Und Tsipras bestimmt, wohin es mit Syriza geht - nämlich Richtung Mitte. Allerdings gehen nicht alle Mitglieder diesen Weg mit. Das 2004 aus stalinistischen, trotzkistischen, maoistischen und linkssozialistischen Gruppen zusammengewürfelte Wahlbündnis ist immer noch keine Partei im europäischen Sinn. Die einzelnen Zirkel führen ein politisches Eigenleben. Das wird sich auch auf dem Parteitag zeigen. Einstweilen ist es vor allem Tsipras, der Syriza zusammenhält.

(höh)
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