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Ausstellung über Rekordchampion
Michael Schumacher fehlt – und ist doch omnipräsent

Michael Schumacher fehlt bei Marburg-Ausstellung – und ist doch omnipräsent
In einer Ausstellung in Marburg wird die eindrucksvolle Formel-1-Karriere von Michael Schumacher gewürdigt. FOTO: dpa, nic
Marburg. In Marburg ist am Montag die Ausstellung "Michael Schumacher - der Rekordweltmeister" eröffnet worden. Sie erinnert an eine einzigartige Karriere und ist eine beeindruckende Verbeugung vor dem König der Rennfahrer.

Gina Maria lacht, die langen dunklen Haare wehen ihr immer wieder ins Gesicht, sie zückt ihr pinkfarbenes Smartphone, als wenige Meter vor ihr der blau-grüne Benetton aufröhrt. "Cool, oder?", sagt sie und sieht erwartungsvoll ihren Bruder an. Der blonde Junge neben ihr nickt, Mick Schumacher hat die Hände in den Taschen seines braun-karierten Wollsakkos vergraben, ein hellblonder Schlaks, wenige Wochen vor seinem 17. Geburtstag. "Ja, schon", sagt er, und dann huscht auch über sein schmales Jungengesicht ein scheues Lächeln.

Der König der Rennfahrer

Michael Schumacher: Stationen seiner Karriere FOTO: AP

Der Vater von Gina Maria und Mick Schumacher steht an diesem wolkenverhangenen Wintertag in Marburg im Mittelpunkt. Michael Schumacher, der König der Rennfahrer, der siebenmalige Weltmeister, der die Formel 1 und sich selbst mit seinem unbändigen Ehrgeiz, seinem Können, seinem unbeugsamen Willen in neue Dimensionen führte, der in den fauchenden PS-Monstern von Benetton, Ferrari und Mercedes eine unwiederbringliche Geschichte schrieb. Ihm zu Ehren hat sein langjähriger Partner, die Deutsche Vermögensberatung, in enger Zusammenarbeit mit der Familie Schumacher eine Ausstellung geschaffen, die ebenso einzigartig ist wie der Mann, dem sie gewidmet ist.

Seit seinem folgenschweren Ski-Unfall am 29. Dezember 2013 ist Michael Schumacher nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetaucht, doch an diesem Montag in Marburg ist er omnipräsent. Seine lachenden blauen Augen schauen aus dem Visier des feuerroten Helms, Michael Schumacher und Ferraris "Rote Göttin", Michael Schumacher beim Benefiz-Fußball, Michael Schumacher auf dem Roten Teppich - und immer wieder Michael Schumacher in Siegerpose.

Das Datum der Eröffnung war mit Bedacht gewählt. Am 15. Februar 1996, also auf den Tag genau 20 Jahre zuvor, war jener Ferrari 310 präsentiert worden, mit dem der damals bereits zweimalige Weltmeister Schumacher seine erste WM-Saison bei den Roten fuhr. Es dauerte dann bekanntlich fast fünf Jahre, ehe aus der Verbindung von deutscher Gründlichkeit und italienischem Dolce Vita eine Erfolgsehe wurde, Ende 2000 war Michael Schumacher zum ersten Mal Weltmeister mit Ferrari - vier weitere Titel kamen dazu, ehe er sich Ende 2006 in den Ruhestand verabschiedete.

Die wichtigsten Formel-1-Rekorde FOTO: AFP

Aus diesem holte ihn Norbert Haug zurück, am Montag einer von 200 geladenen Gästen und damals Motorsportchef bei Mercedes. Er überredete Schumacher 2010 zum Comeback im Silberpfeil, er war über all die Jahre hinweg einer der engsten Vertrauten und Wegbegleiter des ewigen Kerpeners. "Wir sind", sagte Schumachers Managerin Sabine Kehm, die für die Familie sprach, "sehr glücklich, dass Norbert hier bei uns ist".

Wie alle anderen sah Haug eine bemerkenswerte Ausstellung, die auf kleinstem Raum ein ganzes Rennfahrerleben Revue passieren lässt. Die Ausstellung bietet interaktives Erlebnis, der Betrachter kann sich am Boxenstopp versuchen, er kann auf der Tribüne sitzen und dem einzigartigen Klang des feuerroten Boliden lauschen, der aus dem Bild herauszufliegen scheint, er kann sich in einen Original-Benetton aus jenen längst vergangenen Tagen fallen lassen oder versuchen, jenen unvorstellbaren Fliehkräften standzuhalten, die auf Kopf und Nacken der Fahrer einwirken.

Sieben Sterne auf der Kappe

Und überall immer wieder Michael Schumacher. Im blauen, roten, silbernen Overall, lachend, angespannt, nachdenklich, konzentriert, freudig. Michael Schumacher mit zwei, drei, vier, am Ende mit sieben Sternen auf der Kappe, auf der seit 20 Jahren immer auch der Name seines Sponsors stand. "Es ist nicht nur eine Geschäftsbeziehung", sagt Sabine Kehm, "es sind echte, tiefe Freundschaften entstanden." Im Hintergrund dröhnt Freddie Mercury aus den Lautsprechern: "Friends will be Friends."

Doch nicht nur Schwermut und wehmütiges Erinnern sind angesagt. Als einer der Gäste erzählt, dass Michael Schumacher auch beim Kartfahren mit Freunden immer der Schnellste war, sagt Vater Rolf augenzwinkernd: "Er saß ja auch immer im schnellsten Kart."

Wie es Michael Schumacher heute geht, weiß bis auf seine engsten Vertrauten niemand. "Er wäre sehr gerne hier dabei gewesen", sagt Sabine Kehm, und mit zitternder Stimme blickt sie auf Corinna Schumacher, die neben ihren beiden Kindern in der ersten Reihe sitzt: "Aber uns allen bleibt nur das geduldige Hoffen, dass er es irgendwann wieder kann."

(odl/sid)
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