1. Bundesliga 16/17
| 07.16 Uhr

Guardiola und Lahm
Das ideale Paar

Bayern feiern das Double auf dem Rathaus-Balkon
Bayern feiern das Double auf dem Rathaus-Balkon FOTO: dpa, shp nic
Berlin. Pep Guardiola verabschiedet sich mit dem Pokalsieg von Bayern München. Überschwänglich bedankt sich der Trainer danach bei Kapitän Philipp Lahm und adelt ihn. Von Robert Peters

Vermutlich werden bald dicke Wälzer über den Einfluss von Pep Guardiola auf den deutschen Fußball geschrieben. Beim DFB-Pokalfinale in Berlin gibt es dazu ein paar schöne Bilder. Sie stammen aus der Pause zur Verlängerung und aus der kleinen Pause vor dem Seitenwechsel in der Verlängerung. Auf den Rängen wird über das torlose Spiel zwischen Bayern und Borussia Dortmund diskutiert, da versammelt Bayerns Trainer seine Mannschaft in einem festen Kreis um sich. Alle stehen sie da, Spieler, Physiotherapeuten, Lauf-, Torwart- und sonstige Trainer, man kann nicht genau erkennen, ob auch der Busfahrer dabei ist. Aber wahrscheinlich ist es. In der Mitte springt, fuchtelt, hampelt der Coach herum. Am Ende klatschen alle und gehen mit festem Blick wieder an ihre Aufgabe.

15 Minuten später, beim Seitenwechsel, lässt Dortmunds Trainer Thomas Tuchel genau so einen Kreis bilden. Als alle artig um ihn herumstehen, springt, fuchelt, hampelt er in der Mitte herum. Auch seine Spieler haben danach diesen entschlossenen Blick.

Vor dem Elfmeterschießen, das den Münchnern das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg bringen wird, ruft zunächst Guardiola die Seinen zu sich. Wieder steht er mitten im Kreis, diesmal sehr ruhig, ohne Hampeln, ohne Fuchteln. Als seine Spieler längst in die Spielfeldmitte gegangen sind, hat Tuchel sein Team noch immer um sich geschart. Auch er hat in den Ruhe-Modus geschaltet. Aber seine Ansprache dauert lang, zu lang für die Bayern-Fans, die bereits pfeifen. Und vielleicht zu lang für seine Jungs, die erkennbar nervös in die entscheidende Phase dieses heftig umkämpften Finales gehen, körperlich ausgelaugt, ohne die Selbstsicherheit der Bayern. "Es ist mir nicht gelungen, beruhigend einzuwirken", sagt Tuchel, "darüber ärgere ich mich."

Die Schuld für das verlorene Elfmeterschießen nimmt er auf sich. Seine Innenverteidiger Sokratis und Sven Bender, die im Spiel Großes geleistet haben, versagen am Punkt. Bayern leistet sich nur einen Fehlschuss, als Joshua Kimmich im letzten Moment das Grübeln befällt, wohin er schießen will. Douglas Costa macht mit seinem Tor zum 4:3 den Pokalsieg perfekt. Und Münchens Nationalstürmer Thomas Müller sagt: "Elfmeterschießen ist grausam, aber heute ist der verdiente Sieger Bayern München." Dem werden nicht einmal viele Dortmunder widersprechen, auch wenn der BVB kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit die Siegchance hat. Nach einem Konter bedient Marco Reus seinen Sturmpartner Pierre-Emerick Aubameyang, der unkonzentriert übers Tor schießt.

Den Rhythmus bestimmen allerdings die Bayern. Ihre Abwehr steht bis auf kleine Ausnahmen zwar gewohnt hoch, aber sehr sicher. Und in der Zentrale sortiert Arturo Vidal die Aktionen. Dass auch die Bayern nicht gerade ein Hochamt erstklassiger Chancen auf den Rasen bringen, liegt an der Dortmunder Innenverteidigung und hier vor allem an Sokratis. Der Grieche gewinnt Zweikampf um Zweikampf, läuft der Prominenz im Bayern-Angriff die Bälle ab und wird zur zentralen Figur des Widerstands gegen eine fußballerisch bessere Mannschaft.

Lahm macht einfach keine Fehler

Gekrönt wird dieser Widerstand nicht, weil die Münchner klarer bleiben in ihrem Auftreten und weil sie mit dem Selbstbewusstsein des Seriensiegers zum Punkt gehen. Sie leben nicht nur von der ordnenden Kraft Vidals, sondern wieder mal von Philipp Lahms unerschütterlicher Fehlerfreiheit. Ihm windet Guardiola die buntesten Kränze. "Ich danke ihm, er hat mir so viel geholfen", erklärt der Coach, "er macht nie Fehler, er prägt unser Spiel als rechter Verteidiger. Ich weiß nicht, warum Philipp nicht immer zum besten Spieler der Bundesliga gewählt wird. Er ist eine absolute Legende, so wie Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, er ist der richtige Kapitän." Der Katalane kriegt sich gar nicht mehr ein.

Aber er vergisst zum Abschied aus München, wo er in drei Jahren drei Meisterschaften und zwei Pokalsiege feierte, natürlich auch nicht den Hinweis auf die eigene Klasse. "In sieben Jahren 21 Titel, das sind drei pro Jahr – das ist nicht schlecht", findet er. Dann fährt er sich mit der rechten Hand noch mal über die gut polierte Glatze, schaut aus dunklen Augen von unten über sein Publikum hinweg und hebt zur großen Dankesrede an. "Große Gratulation an das ganze Bayern München, die Spieler, die Mannschaft, den Vorstand, die Zuschauer, vor allem die Zuschauer", sagt Guardiola, "es war eine Riesenehre für mich, diesen Riesenverein zu trainieren." Es hört sich ehrlich begeistert an.

Nun zieht er weiter, dem nächsten Verein entgegen, der zunächst mal ein riesig reicher Verein ist. Ob das Niveau bei Manchester City dem von Bayern entspreche, wird der Trainer gefragt. Seine Antwort: "Wir werden einmal trainieren, zweimal, dreimal, dann werde ich schauen, wie unser Niveau ist." "Unser Niveau", sagt er.

So schnell geht das.

Quelle: RP
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