1. Bundesliga 17/18
| 14.19 Uhr

Anschlag auf BVB-Bus
Anklage wegen Versuch des 28-fachen Mordes

April 2017: Explosionen an BVB-Mannschaftsbus
April 2017: Explosionen an BVB-Mannschaftsbus FOTO: rtr, gb
Düsseldorf. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat gegen den 28-jährigen Sergej W. Anklage wegen des Versuchs des 28-fachen Mordes erlassen. Ihm droht eine lebenslange Freiheitsstrafe. 

Am Freitag hat die Staatsanwaltschaft Details aus der Anklage bekannt gegeben. Demnach wird dem Tatverdächtigen aus Habgier, heimtückisch und mit gemeingefährlichen Mitteln begangener versuchter 28-facher Mord sowie das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen vorgeworfen.

Er wird beschuldigt, den Sprengstoffanschlag auf die Insassen des Mannschaftsbusses des Fußballvereins BV Borussia 09 Dortmund am Abend des 11. April 2017 in Dortmund begangen zu haben.

Der Angeschuldigte soll in der Zeit vom 9. April bis in die frühen Abendstunden des 11. April nahe des Hotels "L‘Arrivee" in Dortmund drei von ihm angefertigte Sprengsätze deponiert und gezündet haben, schreibt die Staatsanwaltschaft. Diese sollen über eine Länge von ungefähr 12 Metern in einer Hecke in einem Abstand von fünf bis sechs Metern entlang der Fahrstrecke in Richtung des Busses positioniert worden sein.

Pressestimmen zum Anschlag auf BVB-Bus FOTO: rtr, gb/KV

Die fernzündbaren Sprengsätze sollen jeweils mit maximal einem Kilogramm einer Wasserstoffperoxid- Brennstoff-Mischung gefüllt gewesen sein. Es waren Splitterbomben, die laut Staatsanwaltschaft mit "mindestens 65 in Epoxidharz eingeschlossenen Metallbolzen" gefüllt waren. Diese Splitter hatten einen Durchmesser von sechs Millimetern und eine Länge von 74 Millimetern und waren jeweils 16 Gramm schwer.

Als der Bus am Tattag um 19.16 Uhr die Anschlagstelle erreichte, soll der Sergej W. die Bomben ferngezündet haben. "Zu diesem Zeitpunkt befanden sich neben dem Busfahrer 18 Lizenzspieler des BVB sowie acht Personen aus dem Trainer- und Betreuerstab in dem Bus", schreibt die Staatsanwaltschaft. Der vordere und der hintere Sprengsatz detonierten und trafen den Bus. Einige der Metallbolzen durchschlugen die Scheiben. Der mittlere Sprengsatz entfaltete laut der Ermittlungsbehörde seine Wirkung nicht voll, da er zu hoch angebracht worden sein soll.

"Keine Bombe kriegt uns klein" FOTO: dpa, frg vge

"Ein Lizenzspieler (Marc Bartra, Anm. d. Red.), der sich im hinteren Bereich des Busses befand, erlitt durch die Wucht der Detonation an seinem rechten Unterarm eine zweitgradig offene distale Radiusfraktur mit Fremdkörpereinsprengung. In die Kopfstütze seines Sitzes drang einer der in den Sprengsätzen verbauten Metallstifte ein. Ferner erlitt ein dem Bus auf einem Motorrad vorausfahrender Polizeibeamter ein sog. Knalltrauma", schreibt die Staatsanwaltschaft.

Einige Tage vor der Tat soll der Angeschuldigte kreditfinanziert mehrere hochrisikobehaftete Finanzgeschäfte (96.000 Put-Optionen, 36.600 Short-CFD-Kontrakte und 1000 Knock-out-Optionsscheine) im Volumen von insgesamt 44.300 Euro getätigt haben. Dabei soll er auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie gewettet haben.

Wenn es zu einem Kursverlust der Aktie durch die Sprengstoffexplosion gekommen wäre, hätte er ein Vielfaches seines Einsatzes erzielen können. Die Staatsanwaltschaft geht von einem maximal möglichen Gewinn von 506.275 Euro aus. Der Angeschuldigte soll die Finanzprodukte im Verlaufe der Tage nach der Tat verkauft und insgesamt einen Gewinn von 5.872,05 Euro erzielt haben.

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