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Borussia Mönchengladbach
Vestergaard: "Man muss immer hellwach sein"

Borussia Mönchengladbach: Jannik Vestergaard: "Man muss immer hellwach sein"
Zweikampf-Ballett: Der Ex-Borusse Karim Matmour bekommt es mit dem Neu-Gladbacher Jannik Verstergaard zu tun während des Testspiels zwischen Gladbach und 1860 München in Rottach-Egern. FOTO: imago
Mönchengladbach. Der Abwehrmann spricht über seine Vorfreude auf die Zeit in Gladbach, den Umgang mit Stress und das Spezielle an Borussias Spiel.

Herr Vestergaard, Ihr erstes Pflichtspiel für Gladbach ist gleich ein Play-off zur Champions League. Ist das einer der Gründe, warum Sie sich entschieden haben, von Bremen zu Borussia zu wechseln?

Jannik Vestergaard In erster Linie bin ich hierhergekommen, weil ich denke, dass ich den nächsten Schritt in meiner Karriere machen musste, um mich weiterzuentwickeln. Dazu gehört auch der andere Druck, den es hier in Gladbach gibt: Der Druck, öfter in der Favoritenrolle zu sein. Hinzu kommen internationale Spiele. Ich freue mich riesig auf die beiden Play-offs gegen Bern, es werden auf Vereinsebene meine ersten internationalen Spiele sein. Hoffentlich können wir sie auch erfolgreich gestalten.

Kurios ist, dass es schon in der Vorbereitung ein Spiel gegen Bern gab. Und plötzlich ist das der Gegner auf dem Weg in die Champions League. Schrumpft das Ganze dadurch etwas?

Vestergaard Es ist trotzdem ein wichtiges Spiel. Das Testspiel ist was ganz anderes, es wurde viel gewechselt. Es wird nun eine ganz andere Atmosphäre sein.

Sie haben eben vom Druck gesprochen. Sie sind stresserprobt: Mit Hoffenheim haben Sie die Relegation gemeistert und in Bremen erfolgreich gegen den Abstieg gespielt. Sie können also mit Stress umgehen?

Vestergaard Ich würde schon sagen, dass ich das eine oder andere schon erlebt habe und dass ich mental daher gut aufgestellt bin. Sicher sind das Phasen, die man lieber nicht haben würde, wenn man drinsteckt, aber im Nachhinein bringt einen so etwas weiter und hilft. Ich hoffe, dass ich meine Erfahrungen jetzt hier bei Borussia gut einsetzen kann - natürlich in ganz anderen Drucksituationen als früher.

Die Erlebnisse, von denen Sie gesprochen haben, sind auch in Gladbach bekannt. Vor wenigen Jahren war der Druck hier auch noch ein ganz anderer. Ist es so, dass man in Kenntnis dieses Gefühls, einen Klub wie Gladbach noch anders zu schätzen weiß?

Vestergaard Definitiv. Ich weiß, dass es ein sehr weiter Weg ist, von dem, wo der Verein früher selbst war. Da muss schon vieles richtig laufen. Eine Saison kann mal gut laufen, aber dass sich Gladbach jetzt so stabil in der oberen Tabellenzone gefunden hat, das ist schon bemerkenswert. Es ist darum ein Privileg, bei so einem Verein spielen zu dürfen.

Genau genommen hätten Sie schon viel früher hier landen müssen: Sie haben Familie in Krefeld, waren in der Jugend oft hier. Gab es da nie Ambitionen?

Vestergaard Damals, als ich gewechselt bin, war es eigentlich gar kein Thema, ins Ausland zu gehen. Plötzlich war das Interesse da und ich habe es mir lange überlegt. Am Ende habe ich mich dann für Hoffenheim entschieden. Das war sehr wichtig für mich. Ich musste plötzlich auf eigenen Beinen stehen, musste früher erwachsen werden. Ich bin gereift durch diesen Schritt. Dass es Hoffenheim war, lag am großen Interesse der Hoffenheimer. Gladbach war da gar kein Thema. Wie es gewesen wäre, wenn Borussia auch Interesse gezeigt hätte, ob ich mich dann tatsächlich für die Nähe zur Familie entschieden hätte, weil es doch sicher hilfreich gewesen wäre, weiß ich nicht. Aber so wie es gelaufen ist, bin ich sehr zufrieden. Und jetzt bin ich ja da, wo die Familie ist.

Sind Sie ein familiärer Typ?

Vestergaard Ich habe zu meiner Familie ein sehr enges Verhältnis. Wir haben fast jeden Tag Kontakt. Aber trotzdem kann ich auch ganz gut allein sein. Jetzt ist ja meine Freundin mit hier, aber auch sie war am Anfang nicht da. Meine Familie ist mir sehr wichtig, aber wenn ich nicht ohne sie sein könnte, hätte es nicht klappen können mit dem Traum vom Profifußball. Man muss schon auch allein sein können in dem Job, anders geht es nicht.

Borussia ist nach Hoffenheim und Bremen der dritte Verein in Deutschland. Fällt es Ihnen leicht, immer wieder neu anzufangen, sich auf die Weise auch ein bisschen selbst zu entwurzeln?

Vestergaard Für mich gehört es dazu. Früher gab es sicher seltener Wechsel. Es ist aber nichts Schlechtes, immer wieder neue Herausforderungen zu suchen. Der Fußball ist heute sehr schnelllebig. Da hast einen Kollegen, mit dem Du sehr eng bist, und in der nächsten Wechselperiode spielt er auf einem anderen Kontinent. Wichtig ist, eine Basis zu haben - und zu akzeptieren, dass man einfach ab und zu allein ist. Wenn man neu in einem Klub ist, kann das schon mal sein. Aber hier bei Borussia ist es doch sehr leicht, anzukommen. Ich kannte natürlich auch schon Andreas Christensen vom Nationalteam und Tobi Strobl, Fabi Johnson und Jonas Hofmann aus Hoffenheim. Deswegen war es wirklich komplett problemlos.

Sie sagten anfangs, Gladbach sei ein Verein, der meist in der Favoritenrolle ist. Sportdirektor Max Eberl wird das nicht so gern hören.

Vestergaard (grinst) Ich meine die Grundeinstellung vor einem Spiel. Natürlich, wenn man gegen die Bayern oder Dortmund, wie jetzt zum Start, zu Hause gegen Leverkusen spielt, sind das schwierige Spiele. Aber der erste Gedanke ist einfach, das Spiel zu gewinnen und guten Fußball zu zeigen. Das ist für mich etwas Neues. In Hoffenheim und Bremen wollten wir auch jedes Spiel gewinnen, natürlich, aber wir waren uns schon bewusst, welche Spiele wichtig waren und in welchen wir Glück haben mussten, um zu punkten. Das ist bei Borussia ein bisschen anders. Der Druck ist anders, wenn man zum Beispiel ins Spiel geht und weiß: Es ist schlecht, wenn wir das Heimspiel nicht gewinnen. Es ist eine mentale Sache, die mich sehr reizt.

In den Play-offs gegen Bern ist der Druck da, weiterzukommen. Borussia ist Favorit.

Vestergaard Ob es so ist, weiß ich nicht, aber es spielt auch keine Rolle. Wir müssen das Spiel annehmen und wollen es gewinnen, um in die Champions League zu kommen. Der Verein hat in den vergangenen Jahren Herausragendes geleistet - vor dem Hintergrund dessen, was wir eben besprochen haben, ganz besonders und wenn man sich überlegt, dass wir so oder so bis Weihnachten im internationalen Geschäft sein werden.

Waren Sie als Kind Gladbach-Fan? Sie waren ja öfter hier, wie gesagt.

Vestergaard Nein, in der Richtung bin ich nicht geprägt worden. Ich war früher Fan vom FC Kopenhagen in Dänemark. Später bin ich zum Rivalen Bröndby gewechselt. Ich habe viel Sympathie für beide Klubs. Ich fand auch Real Madrid gut - aber in Deutschland hatte ich keinen Verein.

Dabei sind Dänen doch sehr Gladbach-affin. Sie sind der 17. Däne hier.

Vestergaard Ich weiß, dass Borussia in Dänemark ein großer Verein mit viel Präsenz ist, durch die vielen Dänen, die schon hier waren. Borussia wird in Dänemark als sehr großer Verein wahrgenommen.

Es heißt, wer nach Gladbach kommt, muss sich erst mal an das Spiel hier gewöhnen. Ist es wirklich so anders?

Verstergaard Der größte Unterschied ist, dass wir hier Spiele mehr über den Ballbesitz dominieren wollen. Da muss man als Abwehrspieler viel teilnehmen. Das ist eine Umstellung. Die größte ist aber, dass man den kühlen Kopf bewahrt und nicht wild nach vorn läuft. Das kann zu gefährlichen Kontern führen, die wir natürlich nicht zulassen dürfen. Wir hatten das ein paar Mal in der Vorbereitung, haben das nach und nach aber besser im Griff gehabt, auch wenn immer mal wieder einer den Ball durchsteckt. Man muss immer hellwach sein - dem stelle ich mich.

Sie haben in der Vorbereitung mal rechts, mal links, mal in der Mitte gespielt in der Dreierkette. Haben Sie eine bevorzugte Position?

Vestergaard Letzten Endes ist es nicht so entscheidend. In der Nationalmannschaft habe ich auf der linken Position gespielt, in der Bundesliga habe ich auch die meisten Spiele halblinks in der Viererkette gemacht. Ich fühle mich daher links ganz wohl. Aber wie gesagt: Ich spiele auch in der Mitte oder rechts.

Sie sind auch für die Aufbaupässe von hinten mit zuständig. Vorher hat sich dafür oft Granit Xhaka zurückfallen lassen.

Vestergaard Es ist einfach so, dass ich ab und zu den Diagonalpass für möglich gehalten und gespielt habe. Grundsätzlich wollen wir den Ball flach nach vorn bringen, das weiß der Gegner natürlich und versucht entsprechend die Räume eng zu machen. Da ist die Verlagerung mit langen Bällen natürlich ein wichtiges Mittel, das wir auch nutzen müssen, um die Lücke zu nutzen, die der Gegner aufmacht, wenn er versucht, unser Passspiel zu unterbinden. Wer dann den langen Ball spielt, ist am Ende aber nicht so wichtig. Wichtig, dass er kommt, wenn es nötig ist.

Was Sie mitbringen, ist auch Torgefahr bei Standards - in der vergangenen Saison haben Sie unter anderem zwei Tore gegen Gladbach gemacht. Dürfen sich die Fans darauf freuen?

Vestergaard (grinst) Darauf, dass ich Tore gegen Borussia mache?

Nun, eher umgekehrt: für Gladbach.

Verstergaard Auf jeden Fall ist es ein Ziel von mir, torgefährlich zu werden und meine Größe dahingehend auszunutzen.

Es gab noch keinen größeren Borussen. Sie haben Wolfgang Kneib mit seinen 1,96 Meter um drei Zentimeter überholt.

Vestergaard Sehen Sie, da sind wir beim Druck (grinst). Aber Spaß beiseite: Ich will meine Körperlänge auch nutzen, um Tore für Gladbach zu machen.

Am Samstag gegen Lazio Rom feiern Sie Ihr Debüt als Borusse im Borussia-Park. Freuen Sie sich darauf? Oder ist da eher das erste Heim-Pflichtspiel gegen Bern im Fokus?

Verstergaard Natürlich, ich freue mich sehr darauf, vor dieser tollen Kulisse zu spielen. Aber wenn dann die Flutlichter an sind und wir das Rückspiel um die Champions League haben, ist das sicher noch mal eine andere Nummer. Aber sicherlich wird das Spiel am Samstag auch ein schönes Erlebnis werden.

Ist das Spiel gegen Lazio Rom der richtige Abschluss der Vorbereitung?

Verstergaard Es ist gut, dass uns jetzt alles abverlangt wird. Wir müssen nun bei 100 Prozent sein, um die wichtigen Spiele, die anstehen, gut bestreiten zu können.

Wie groß ist die Vorfreude auf die Saison?

Verstergaard Ich freue mich sehr aufs Ganze. Auf die vielen Spiele, auf die Erlebnisse, die auf uns alle warten, auf die Stimmung, darauf, hoffentlich ein paar Erfolge zu feiern und darauf, hoffentlich ein paar Mal die Champions-League-Hymne zu hören. Und ich freue mich darauf, jeden Tag mit dem Team arbeiten zu dürfen, das macht wirklich Spaß. Es wird schon geil hier, glaube ich.

Quelle: RP
 
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