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Rainer Bonhof im Interview
"Nun alles in Frage zu stellen, ist übertrieben"

Borussia Mönchengladbach: Rainer Bonhof vor Köln-Derby im Interview
Rainer Bonhof war Spieler und Trainer bei Borussia, nun ist er Vize-Präsident. FOTO: imago sportfotodienst
Mönchengladbach. Borussias Vize-Präsident spricht vor dem Derby gegen Köln über die Wichtigkeit des Spiels, Trainer André Schubert und Kölns Höhenflug.

Rainer Bonhof ist der Experte für das rheinische Derby schlechthin. Er spielte in der Bundesliga sowohl für Borussia als auch für den 1. FC Köln. Vor dem Treffen der beiden Erzrivalen am Samstag sprach Borussias Vize-Präsident über die Situation bei den Gladbachern und den Höhenflug der Kölner.

Herr Bonhof, Borussia hat die letzten fünf Bundesligaspiele nicht gewonnen und kein Tor erzielt. Wie wichtig ist vor dem Hintergrund das Derby gegen Köln?

Bonhof Derbys sind immer wichtig. Es ist ganz egal, zu welchem Zeitpunkt sie stattfinden, sie haben für den Verein, die Mannschaft, das Umfeld eine besondere Bedeutung. Darum freuen wir uns darauf und hoffen, dass die negativ Verrückten zu Hause bleiben. Es soll ein friedliches Derby werden.

Sie haben das Derby von beiden Seiten erlebt. Was ist das Außergewöhnliche an dem Spiel?

1980 bis Ende 1982 trug er das Trikot des 1. FC Köln. FOTO: Imago (2), Horstmüller

Bonhof Es ist die Geschichte, die dahinter steht. Die Geschichte vom Kölner Trainer, der in den 60er und 70er Jahren Borussia trainiert hat - so war für uns damals viel Feuer im Spiel, weil wir diesen Trainer, Hennes Weisweiler, bei Laune halten mussten. Wenn das nicht gelang, war es nicht ganz so angenehm. Damals ging es nur um die eine Person und vielleicht noch um die Städte, die Fans haben sich da noch gut verstanden. Das ist heute leider anders. Das kann ich nicht verstehen.

Geht es in diesem Spiel gerade für Borussia um mehr als drei Punkte, nämlich das Gefühl, mit einem Sieg einen Schub zu bekommen für die kommenden Wochen?

Bonhof Wir sprechen über eine Situation, in der wir nicht gerade die Punktzahl haben, die wir hätten haben können. Trotzdem sind wir noch in der Spur. Allerdings kann uns ein Derby-Sieg nach vorn bringen. Jeder Sieg bringt etwas.

Die erste Phase dieser Saison war sehr erfolgreich, alle Ziel wurden erledigt. In der zweiten war es gerade in der Bundesliga doch sehr schleppend. Was muss die Gladbacher Mannschaft anders machen, um wieder erfolgreich zu sein?

Bonhof Ich sehe das etwas anders. Ich denke, dass die Verletztenliste dazu beigetragen hat, dass es nicht so richtig rund lief. Wir konnten nicht mehr durchwechseln wie vorher und irgendwann waren dann bei dem einen oder anderen ganz einfach die Akkus leer. Ich denke da nur an André Hahn, der sehr viel investiert hat und dann seinen Tribut zollen musste. Jetzt, da viele Spieler aus dem Krankenstand zurückgekehrt sind, haben wir wieder eine andere Auswahl zur Verfügung. Ich denke, das werden wir am Samstag auch sehen.

Trainer André Schubert hat nach dem 0:3 in Berlin gesagt: "Wenn wir alle Kräfte und alle Spieler beisammen haben, können wir jeden Gegner besiegen."

Bonhof Ich will ihm da nicht widersprechen. Wir haben in der vergangenen Saison gesehen, was wir bewerkstelligen können, wenn wir einen Lauf haben. Allerdings ist uns das Selbstverständnis, das wir in der vergangenen Saison hatten, etwas abhandengekommen. Doch das kommt zurück. Man kann allerdings nicht auf einen Knopf drücken und es ist wieder da. Man muss sich Selbstvertrauen erarbeiten und das geht nur auf dem Platz. Darum ist jedes Spiel, das wir bis zur Winterpause haben, wichtig.

Nach dem Spiel in Berlin wurde der Ansatz von Trainer André Schubert stellenweise harsch diskutiert, vor allem die Dreierkette ist für viele Fans ein Stein des Anstoßes. Können Sie das nachvollziehen?

Bonhof Nein, das kann ich nicht. Aber es gibt immer Situationen, in denen Leute mit gewissen Dingen nicht einverstanden sind und das auch kundtun. Wenn es läuft, kommt da nichts. Aber entscheidend ist: Wir wissen, woran wir sind und was wir haben. Darum sind solche Diskussionen für uns kein Thema. In der vergangenen Saison hat sich doch unabhängig davon, ob wir mit einer Dreier-, Vierer- oder Fünferkette gespielt haben, gezeigt, dass man mit Selbstvertrauen und einem Lauf viel erreichen kann. Nun alles in Frage zu stellen, halte ich für sehr übertrieben und finde es nicht gut.

Schubert setzt auf viel Flexibilität bei der Kreation der Aufstellungen. Gefällt Ihnen das?

Bonhof Wir haben einen Kader, der das hergibt - wenn alle Spieler dabei sind. Es gab auch Spiele, wie das gegen den Hamburger SV, in dem wir bekanntlich zwei Elfmeter nicht genutzt haben, in denen mehr drin war, aber die nötige Effektivität fehlte. Wir wissen aber, dass wir gut aufgestellt sind, und werden wieder angreifen.

Glauben Sie, dass die Tatsache, dass der 1. FC Köln seit langem wieder vor Borussia steht, die Stimmung beeinflusst?

Bonhof Wir sollten grundsätzlich auf uns schauen, damit sind wir in den vergangenen Jahren gut gefahren. Dass Köln gerade über uns steht, ist einfach so. Dort wird ganz einfach gute Arbeit gemacht, und die zahlt sich jetzt aus. Nun werden wir uns mit den Kölnern sportlich auseinandersetzen, dann sehen wir, wo wir stehen.

Köln und Hoffenheim geben den "Gladbacher Weg" als eine Art Vorbild an. Schmeichelt das?

Bonhof Es ist natürlich schön zu hören, dass man offenbar in den vergangenen Jahren etwas richtig gemacht hat. Aber als wir vor einigen Jahren unten drin steckten, haben wir gesagt: Wir schauen auf uns und machen das, was für uns machbar und gut für uns ist. Man kann sicherlich auf andere schauen, aber grundsätzlich sollte man seine eigenen Hausaufgaben machen und daraus eigene Schlüsse ziehen. Bei uns hat es gut funktioniert - mit unseren und nicht mit den Ideen anderer.

Was darf man von der letzten Phase der Hinrunde erwarten? Ist sie wegweisend? Was wird am Ende unter Borussias Weihnachtsbaum liegen?

Bonhof (grinst) Für mich ist es erst einmal eine vorweihnachtliche Phase: Es ist kalt geworden und herbstlich. Ich bin mir aber sehr sicher, dass wir hier im Borussia-Park eine schöne Weihnachtsfeier haben werden.

Quelle: RP
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