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Borussia Mönchengladbach
Schweizer Achse macht Gladbach stark

Borussia Mönchengladbach: Schweizer Achse macht Gladbach stark
Der Schweizer Einfluss bei der Borussia wird immer größer. FOTO: Martin Ferl
Mönchengladbach. Trainer Lucien Favre, Torwart Yann Sommer und Taktgeber Granit Xhaka spielen schon Hauptrollen beim Fußball-Bundesligisten. Stürmer Josip Drmic soll mithelfen, Borussias Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Von Karsten Kellermann

Jörg Stiel war die Nummer eins am Bökelberg. Von 2001 bis 2004 stand er im Tor von Borussia Mönchengladbach. Vor allem aber war er der erste Schweizer, der für Gladbach spielte. "Eine Kugel, die reinpasst", so beschrieb Stiel sein Verhältnis zum Klub am Niederrhein. Er war Führungsspieler und Kultfigur für die Fans. Die schwenkten für Stiel auch Schweizer Fahnen.

Jörg Stiel ist schon lange weg, aber die Fahnen mit dem weißen Kreuz auf rotem Grund sind geblieben. Aus gutem Grund: War Stiel damals ein Novum, haben 14 Jahre später Schweizer einen wesentlichen Anteil an der jüngsten Mönchengladbacher Erfolgsgeschichte.

Porträt: Josip Drmic: Schafft er es noch bei Borussia? FOTO: Dieter Wiechmann

Lucien Favre, der Trainer aus dem Örtchen Saint-Barthélemy im Kanton Waadt in der Westschweiz, ist der Vordenker und Architekt der neuen Mönchengladbacher Borussia.

Torhüter Yann Sommer, geboren in Morges in der Westschweiz, war in der vergangenen Saison wesentlich dafür verantwortlich, dass die Gladbacher erstmals die Qualifikation für die Champions League schafften. Mit nur zehn Gegentreffern in der Rückrunde stellte er in seiner ersten Saison in Deutschland sogar gleich einen Bundesligarekord auf.

Granit Xhaka, der Basler mit albanischen Wurzeln, ist im zentralen Mittelfeld zum Antreiber und Taktgeber des Gladbacher Kollektivs gereift. Er und Sommer sind Lieblinge der Fans. Trainer Favre, der in Anlehnung an Borussias Meistertrainer der 1970er Jahre, Weisweiler, "Hennes genannt wird, hat sich in Gladbach bereits Kultstatus erarbeitet.

Saison 14/15: Das Zeugnis der Borussia-Spieler FOTO: dpa, fg nic

Nun wird, auch wenn es noch nicht offiziell bestätigt ist, Stürmer Josip Drmic - geboren in Bäch (Kanton Schwyz), doch mit Schweizer und kroatischem Pass ausgestattet - die eidgenössische Achse am Niederrhein bald vervollständigen.

Der 22-Jährige wird für zehn Millionen Euro vom Ligarivalen Bayer Leverkusen zu den Borussen wechseln. Dass die Borussen den zum VfL Wolfsburg entschwundenen Nationalspieler Max Kruse durch einen Schweizer ersetzen, war nicht überraschend. Neben Drmic waren seine Landsmänner Haris Seferovic und Admir Mehmedi, der nun von Bundesliga-Absteiger Freiburg zu Leverkusen geht, ein Thema in Gladbach.

Drmic' Zukunft als Borusse dürfte derzeit auch ein Thema sein bei der "Nati", wie die Schweizer ihre nationale Fußballauswahl nennen. Die bestritt gestern das EM-Qualifikationsspiel in Litauen. Beim 2:1-Erfolg erzielte Angreifer Drmic den Ausgleich. Sommer, Xhaka und Drmic, der nach seiner Länderspielreise wohl in Gladbach unterschreiben wird, gehören zum Aufgebot von Trainer Vladimir Petkovic. Sie spielen alle eine gute Rolle im Schweizer Team: Sommer als spielender Torwart, Xhaka als Antreiber und Taktgeber in der Zentrale, und Drmic, der spielende Mittelstürmer, als Torjäger und Adressat für Xhakas Zuspiele aus der Tiefe. Ganz so soll es künftig auch in Gladbach funktionieren - ein eingespielter Block schadet sicher nicht.

Schweizer Fußballer gelten in der Bundesliga zudem längst als gern genommenes Importprodukt. Fast 20 Eidgenossen spielten in der vergangenen Saison in Deutschlands erster Klasse. Die Ausbildung wird im Nachbarland systematisch betrieben. Seit zehn Jahren kooperieren der Schweizer Verband und die 13 Hauptvereine, die Klubs werden bei der Nachwuchsarbeit finanziell unterstützt. Das fruchtet. Die Spieler sind taktisch gut ausgebildet, fußballerisch beschlagen und teamfähig.

Bei der WM 2009 holte die U17-Auswahl den Titel. Bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien kam das A-Team bis ins Achtelfinale. Dort scheiterte es am späteren Vizeweltmeister Argentinien, für den Angel di Maria zwei Minuten vor Ende der Verlängerung zum glücklichen 1:0 traf.

"Wir haben viele Talente. Das zeigt, dass bei uns gute Arbeit gemacht wird", sagte Xhaka. In Mönchengladbach weiß man die Wertarbeit aus der Schweiz zu schätzen. Sie steht für den Aufschwung der vergangenen vier Jahre. Und nun soll sie ein Garant für eine schöne Zukunft sein.

Quelle: RP
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