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Borussia Mönchengladbach
Trainingslager-Serientäter am Tegernsee

Zum sechsten Mal im Trainingslager am Tegernsee
Zum sechsten Mal im Trainingslager am Tegernsee FOTO: Dirk Päffgen
Dieter Hecking ist zum ersten Mal mit Borussia am Tegernsee. Die Woche im Süden ist aber längst Tradition – auch wenn die Mannschaft ein kulturelles Highlight verpasst hat. Von Karsten Kellermann, Rottach-Egern

Es gibt tatsächlich ein Alternativprogramm zu Borussia in Rottach-Egern. Den Tegernsee natürlich, der idyllisch herumliegt und im Sonnenschein glitzert: Bötchen fahren, paddeln, schwimmen, einfach den Blick genießen, was auch immer. Und Wanderrouten gibt es reichlich rund um den mondänen Ort, wo zur Currywurst (übrigens schwer zu finden hier in der Gegend) gern Champagner bestellt wird.

Auch die bayerische Lebensart wird gepflegt in dieser Woche. Nicht beim legendären Seefest, das war schon am vergangenen Donnerstag, das hat der Borussen-Tross, der seit Montag am Tegernsee weilt, verpasst. In Kreuth indes ist das 28. Internationale Musikfest, es beginnt am Dienstag, zudem gibt es an dem Tag im Seepavillon in Rottach-Egern Blasmusik, Mittwoch beginnt der Nachtmarkt in Bad Wiessee, am Donnerstag ist im Gasthof Alpenwildpark bayerische Musik zu hören und auf dem Wallberg ist ein bayerischer Abend.

Wiedersehen mit Lucien Favre

An Donnerstag jedoch wird garantiert keiner der fast 1000 Borussen-Fans, die während der Woche in und um Rottach-Egern residieren, woanders sein als am Sportplatz Birkenmoos, wo die Gladbacher nun täglich üben. Denn da ist dann das Testspiel gegen OGC Nizza und Trainer von Nizza ist Lucien Favre, der Trainer, der den Borussen in seiner Amtszeit so viel Schönes beschert hat. Das ist ein Pflichttermin für die Fans vor Ort: Donnerstag, 18 Uhr, Borussia und Favre gucken am Sportplatz in Rottach-Egern. Es dürfte Volksfeststimmung herrschen beim ersten Treffen mit Favre seit dessen Rücktritt im September 2015.

Am frühen Montagnachmittag jedoch war es noch ganz ruhig am Birkenmoos. Ein Mann von der Stadt tuckerte mit seinem Reinigungsfahrzeug über die Tartanbahn, das Absperrband flatterte im Wind, der Rasenplatz wartete frisch geschoren auf die Fußballer, das Betreten der Rasenfläche war per Schild verboten. Doch die Raute war schon all überall, auf Fahnen, Plakaten, Bannern – es war angerichtet für das erste Training, das für 17 Uhr angesetzt ist.

Gegen 12.45 Uhr rollte der Borussen-Bus am Teamhotel "Überfahrt" am Seeufer vor. Co-Trainer Frank Geideck stieg als erster aus dem Vehikel, gefolgt vom Rest der Reisegruppe. 27 Spieler sind dabei, um sich in Rottach-Egern auf die Saison vorzubereiten und sich für die zu vergebenden Stammplätze zu empfehlen. Die Bedingungen sind optimal: 24 Grad, leichter Wind, Sonnenschein. Allerdings sind für die nächsten Tage immer wieder Wärmegewitter angesagt.

Dienstag, Mittwoch und Samstag wird jeweils um 10.15 und 16.30 Uhr trainiert, Donnerstag ist das Spiel gegen Nizza und zuvor das gegen Leeds United (14 Uhr, in österreichischen Schwaz). Zwei Testspiele an einem Tag sind während der Trainingslager üblich geworden bei den Borussen. "So haben alle Spieler am selben Tag dieselbe Belastung. Daher kann man die Trainingsintensität davor für alle gleich steuern", sagt Teammanager Steffen Korell, der das Trainingslager organisiert hat, vor Ort aber durch Sören Lühr von der Agentur "Match IQ", mit der die Borussen zusammenarbeiten, vertreten wird. Freitag ist nur morgens um 10.15 Uhr Training. Sonntag auf der Heimreise nach Gladbach ist das dritte Testspiel des "Lagers" beim 1. FC Nürnberg.

Borussia ist zum sechsten Mal seit 2012 in Rottach-Egern. Das hat Spuren hinterlassen. "Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass sich wirklich alle in Rottach-Egern auf Borussia freuen. Es sind sogar richtig Freundschaften entstanden. Es ist viel Herzlichkeit von beiden Seiten", wird Hanni Hirschmüller, Wirtin des Vereinsheims des FC Rottach-Egern, im Heft "Fohlenelf am Tegernsee" zitiert. Unter anderem hat sie regelmäßig Kontakt zu den Borussen-Fans Stefan und Gisela Kungel. "Wir fühlen uns sehr wohl am Tegernsee", sagen die beiden.

Immer einstellig nach Trainingslager am Tegernsee

Auch Borussias Manager Max Eberl, bekanntlich ein gebürtiger Bayer, erklärt in dem Heft, warum die Gladbacher zu Tegernsee-Serientätern geworden sind. "Es gibt hier alles, was wir uns für ein gelungenes Trainingslager wünschen: Die Möglichkeit des konzentrierten Arbeitens für Trainer Dieter Hecking und sein Team, aber eben auch die Luftveränderung, die man braucht, um sich zu einer schlagkräftigen Mannschaft zusammenzufinden. Von Routine kann höchstens bei einigen Abläufen und in der Organisation des Trainingslagers die Rede sein. Neue Reize werden auf dem Trainingsplatz gesetzt", sagt  Eberl.

Bislang brachte diese Vorbereitungs-Location auch sportlich durchaus Glück: Nach Trainingslagern am Tegernsee gab es in der folgenden Spielzeiten stets einen einstelligen Tabellenplatz. Drei schaffte es Borussia sogar nach Europa (2014, 2015 und 2016), einmal wurde es Rang acht (2013) und zuletzt Platz neun. In der anstehenden Saison soll es wieder mehr werden als das. Verteidiger Oscar Wendt, der bislang alle Trainingslager am Tegernsee mitgemacht hat, hat gesagt, dass Borussia "unter die ersten Sechs der Bundesliga gehört". Eine klare Ansage des Schweden.

Der ist auch einer der härtesten Borussen. Denn Wendt gehört zu den Früh-Wasserspringern, zu denen, die den Tag mit einem Bad im See beginnen – bei zuweilen morgendlichen Tiefst-Wassertemperaturen. Rituale wie diese haben sich eingebürgert im Lauf der Jahre. Es ist für die meisten Borussen immer eine Art Nachhause-Kommen in Rottach-Egern. "Wir sind froh wieder hier zu sein", sagte dann auch Raffael. Dass man sich auf die Geschichte von Borussia und Rottach-Egern einen guten Reim machen kann, zeigt auch der Slogan des Trainingslagers: "BMG am Tegernsee."

 
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