1. Bundesliga 16/17
| 20.10 Uhr

Ingolstadt wütet nach Niederlage
Tuchel fordert den Videobeweis

Schiedsrichter rettet Hummels vor Eigentor
Schiedsrichter rettet Hummels vor Eigentor FOTO: Screenshot Sky
Dortmund. Der FC Ingolstadt fühlt sich nach seiner 0:2-Niederlage in Dortmund betrogen. Sogar BVB-Trainer Thomas Tuchel hält ein Plädoyer für den Videobeweis.

Pierre-Emerick Aubameyang bekam nicht mit, dass neben ihm die Vulkane ausbrachen. Mit dem breitesten Lächeln der Bundesliga kommentierte der Matchwinner seine Tore zum 2:0 (0:0) von Borussia Dortmund gegen den FC Ingolstadt - dabei brodelte es nur zwei Meter weiter links ungeheuer. Stinksauer zeterten Marvin Matip und Ramazan Özcan gegen Schiedsrichter Guido Winkmann, sie sprachen von "Betrug" und "Verarschung", auch das Wort "Beschiss" fiel.

Ihr Trainer war kaum zu beruhigen. "Das ist verrückt, ein Wahnsinn! Unfassbar. Ich verstehe die Welt nicht mehr", sagte Ralph Hasenhüttl. "Wir sind bei drei Entscheidungen von enormer Tragweite klar benachteiligt worden. Wie soll ich das meinen Spielern erklären?"

Einen vermeintlichen Elfmeter inklusive Roter Karte gegen Mats Hummels hatte der Polizist aus dem 85 Kilometer von Dortmund entfernten Kerken nicht gegeben (29.), einem spektakulären 25-m-Eigentor des BVB-Kapitäns zudem höchst umstritten die Anerkennung verweigert (67.). Die "Krönung" (Hasenhüttl) aus Ingolstädter Sicht aber war Aubameyangs 1:0 (77.) aus Abseitsposition.

Dabei hätte der FCI dieses Gegentor einfach hingenommen, hätte nicht die Stadionregie den Fehler begangen, das Tor auf der Videoleinwand einzuspielen. Das sahen Matip ("Wie kann Dortmund so dumm sein?") und seine Kollegen - und angeblich auch Winkmann. "Er hat gesagt: Ja, wir haben gesehen, dass es Abseits war. Und dass er das Tor nicht zurücknehmen kann - denn das wäre ein Videobeweis", berichtete Torhüter Ramazan Özcan. Benjamin Hübner fühlte sich "verarscht" und via Anzeigetafel "auch noch verhöhnt".

Das veranlasste sogar BVB-Trainer Thomas Tuchel, ein Plädoyer für den TV-Beweis zu halten. "Es kann nicht sein, dass die vier Schiedsrichter es nicht wissen, aber jeder im Stadion mit einem Smartphone weiß es zehn Sekunden später", sagte er: "Ich bin glühender Verfechter davon, jedes Tor zu überprüfen."

Winkmann zeigte sich einsichtig. "Fakt ist, es ist abseits. Fakt ist, es ist spielentscheidend. Fakt ist auch: Wir diskutieren über zwei weitere Szenen. Dann trifft es dreimal Ingolstadt", räumte er ein. Aber: "Selbst wenn ich das Abseitstor auf der Leinwand gesehen hätte, hätte ich es nicht zurücknehmen dürfen." Das stand im Widerspruch zu den Aussagen Ingolstädter Spieler, er habe schon auf dem Platz seinen Fehler eingestanden.

Hasenhüttl sah weniger den Videobeweis als Thema - für ihn war Winkmann ein Hasenfuß, der vor den 80.000 BVB-Fans kniff. "Wenn wir einen Schiri gehabt hätten, der nur halb so mutig gewesen wäre, hätten wir etwas holen können", betonte er. Seine These, untermauert von Matip: "Das Eigentor nimmt er zurück, weil ein Weltmeister sich aufregt."

Hummels hätte andernfalls erneut eine Diskussion über sein Spiel erwartet - so konnte er die Szene gelassen betrachten. "Ein ganz klares Foul", sagte er, kein Grund zur Aufregung. Dario Leczano hatte ihn vor seinem Lupfer ins eigene Tor bedrängt und - vielleicht - auch getroffen.

Winkmann erklärte, sein Assistent habe sofort "Foul, Foul, Foul!" gerufen. Im Nachhinein aber sei es eine sehr, sehr enge Entscheidung gewesen.

Diese Einschätzung half Ingolstadt auch nicht mehr. "Herr Winkmann hat uns schon gegen Stuttgart auf die Verliererstraße gebracht", sagte Hasenhüttl. Und: "Am Ende steht die Null. Das kotzt mich an."

(old/sid)
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