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EM-Kolumne
Darum ist Mario Götze nach wie vor wertvoll

EM 2016: Darum ist Mario Götze nach wie vor wertvoll
RP-Kolumnist Berti Vogts. FOTO: RP
Düsseldorf. Berti Vogts schreibt für die RP über die EM in Frankreich. Der ehemalige Bundestrainer meint, dass die EM ab dem Achtelfinale erst richtig los geht – und das dann die Stunde von Mario Götze, Thomas Müller und Mario Gomez schlägt. Von Berti Vogts

Ich bleibe ganz entspannt, denn ich weiß, dass die EM bald Fahrt aufnimmt. Ab dem Achtelfinale reicht ein 0:0 nicht mehr, dann wird offensiver und risikofreudiger gespielt. Und dann schlägt die Stunde von Götze, Gomez und Müller.

Sind wir mal ehrlich: Eigentlich fängt die Europameisterschaft erst in den K.o.-Spielen richtig an. In der Gruppenphase gab es doch viele Spiele, die gezeigt haben, dass die Mannschaften noch nicht mit vollem Risiko spielen, weil schon ein Punkt reichen kann, um weiterzukommen. So war es auch beim 0:0 der deutschen Mannschaft gegen Polen. Die Polen haben sehr tief gestanden, da war es schwer für das Team von Joachim Löw, Lücken zu finden.

EM-Taktik: Deutschland gegen Nordirland

Sicherlich wird es auch heute Abend gegen Nordirland ein Spiel werden, in dem der Gegner Außenseiter ist und weit hinten wartet. Unsere Mannschaft wird fast alleine das Spiel machen müssen. Aber ich bin mir sicher, dass die Deutschen die nötigen Punkte holen werden - und dann werden wir ab dem Achtelfinale das wahre Gesicht dieser Mannschaft sehen.

Dann wird auch Mario Götze anders dastehen. Er wird im Moment sehr stark kritisiert und hat sicherlich auch noch nicht so richtig überzeugend gespielt. Aber er ist und bleibt ein Spieler, der immer für die entscheidende Situation gut sein kann. Seine Kritiker sollten nicht vergessen, dass er vor zwei Jahren da war, als es nötig war, und das Siegtor im WM-Finale erzielt hat. Damit hat er sich seinen Platz in der deutschen Fußballgeschichte gesichert. Daran sollten wir uns erinnern, wenn wir ihn beurteilen.

Im Moment geht Mario allerdings die große Leichtigkeit, die er 2014 noch hatte, vielleicht ein wenig ab. Das hat sicher auch mit seiner nicht ganz so leichten Situation beim FC Bayern zu tun. Aber Mario ist ein positiver Typ - und ich glaube fest daran, dass er für die Mannschaft noch wichtig sein wird bei dieser EM. Gleiches gilt für Mario Gomez. Er ist natürlich immer eine Alternative für das Sturmzentrum, und es ist gut für Joachim Löw, einen ganz anderen Spielertyp für diese Position zu haben. Leider haben ihn seine Mitspieler gegen Polen, als er ins Spiel kam, nicht optimal eingesetzt, er braucht Bälle im Strafraum. Dieses Umschalten auf den anderen Stürmertyp muss besser klappen, um diese Option auch nutzen zu können.

Wer von beiden gegen Nordirland und danach spielt, hängt auch vom Gesamtgefüge ab - in das muss sich jeder einfügen und auch akzeptieren, wenn er nicht spielt. Es geht um das große Ziel, nicht um einzelne Spieler, und um das zu erreichen, wird jeder gebraucht.

Dass Angreifer manchmal etwas brauchen, um in ein Turnier zu kommen, ist ein bekanntes Phänomen. Ich erinnere mich da nur an 1996 und Oliver Bierhoff. Er gehörte auch nicht zur Startformation bei der EM in England, aber ich war als Trainer immer froh zu wissen, dass ich einen Mann wie ihn in der Hinterhand habe. Im Finale gegen Tschechien erzielte er das 2:1 und war dann der große EM-Held.

Eine solche Geschichte kann jeder unserer Stürmer nun auch in Frankreich schreiben. Götze, Gomez - und ganz sicher auch Thomas Müller. Er ist ein absoluter Weltklassemann und wird, wie die anderen auch, von der Situation in den K.o.-Spielen profitieren. Da reicht den deutschen Gegnern, die vor allem gegen den Weltmeister gut aussehen wollen, kein 0:0 oder ein knappes 0:1, da zählt nur Gewinnen oder Verlieren. Darum geht es ab dem Achtelfinale nicht mehr ohne Risiko - und unser Team wird dann die Räume bekommen, die es braucht, und sie nutzen. Ob es dann Götze, Gomez, Müller oder ein anderer macht, ist egal.

Quelle: RP
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