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Referendum in Katalonien
Piqué weint und bietet Rücktritt aus Nationalteam an

Referendum in Katalonien: Gerard Piqué weint und bietet Rücktritt aus Nationalteam an
Gerard Piqué macht sich vor dem Spiel in den katalanischen Farben warm. FOTO: afp
Barcelona. Das Referendum zur Unabhängigkeit Kataloniens hat auch beim FC Barcelona Spuren hinterlassen. Verteidiger Gerard Pique wurde zur Symbolfigur, Pep Guardiola war erschüttert über die Gewalt.

Gerard Pique standen die Tränen in den Augen, als er im Bauch des Nou Camp über die erschütternden Ereignisse dieses denkwürdigen Sonntags sprach. "Ich bin und ich fühle mich katalanisch, und heute bin ich mehr denn je stolz auf das katalanische Volk", sagte der Verteidiger des FC Barcelona, der im Lichte der Eskalationen rund um das Referendum zur Unabhängigkeit Kataloniens quasi zu einer Symbolgestalt geworden ist.

Pique hatte sich von Kameras begleiten lassen, als er am Vormittag seine Stimme abgab - und er verlieh später nach all den erschreckenden Bildern seinen Gefühlen in bemerkenswerter Weise Ausdruck. Ja, das Referendum war nicht verfassungskonform, das Einschreiten der Behörden aber völlig überzogen. "Es gab keine Gewalttaten, und die nationale Polizei und der Zivilschutz kamen hierher, um das zu tun, was sie getan haben", sagte Pique mit bewegter Stimme.

Als Pique fassungslos über die Ereignisse mit mehr als 800 Verletzten sprach, hatte Barca gerade das Meisterschaftsspiel gegen UD Las Palmas 3:0 gewonnen, es war aus Sicherheitsgründen ohne Zuschauer ausgetragen worden. Die spanische Liga hatte einer kurzfristigen Verschiebung nicht zugestimmt und Barca bei einer Weigerung mit Niederlage am Grünen Tisch, Punktabzug sowie empfindlicher Geldstrafe gedroht.

Auch das rief in England Pep Guardiola auf den Plan, der seit Jahren als Verfechter der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung bekannt ist. Barcas Ex-Coach zeigte sich ebenfalls erschüttert von den staatlich orchestrierten Gewaltexzessen. "Sie unterstützen Polizisten, die Menschen attackieren, die zur Wahl gehen wollen. Das sind doch keine Bankräuber. Menschen sind mit Gummigeschossen verletzt worden, die sind in Katalonien illegal", sagte Guardiola bei Catalunya Radio.

Und er kritisierte die Umstände, in denen das Spiel stattfand. "Ich hätte es gar nicht ausgetragen, aber wenn man sich dafür entscheidet, dann mit Zuschauern und allen möglichen Konsequenzen", befand der Teammanager von Manchester City. Guardiola war zumindest froh darüber, dass die Welt wahrnahm, wie mit den Bürgern umgegangen wurde: "Spanien wird seine Realität verbergen, aber der Rest der Welt wird sie zeigen."

Es ging Guardiola wie Pique vordergründig nicht darum, ob die Wahl letztlich zur Abspaltung Kataloniens von Spanien führt, es ging ihnen vor allem darum, dass es die Menschen selbst entscheiden können. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy jedoch nannte die Abstimmung einen "Angriff auf den Rechtsstaat". Pique, der sogar seine Nationalmannschaftskarriere infrage stellte, hielt dem entgegen: "In den vielen Jahren unter Francos Diktatur konnten wir nicht wählen, und ich denke, das ist ein Recht, das wir mit jedem möglichen Gesetz verteidigen müssen."

Wie Guardiola bekräftigte Pique, die Bestrebungen Kataloniens hätten keineswegs etwas mit grundsätzlicher Antipathie gegen Spanien zu tun. Aber sollte er nicht mehr erwünscht sein, dann bitte: "Wenn ein Trainer oder ein Funktionär des Verbandes meint, ich sei ein Problem oder störend, dann habe ich kein Problem damit, zurückzutreten und die Nationalmannschaft vor 2018 zu verlassen."

(ems/sid)
 
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