1. Bundesliga 16/17
| 07.07 Uhr

Debüt mit Hoffenheim in Köln
Opa Stevens hat den Durchblick

Opa Huub Stevens hat bei der TSG 1899 Hoffenheim den Durchblick
Nach 161 Tagen Abstinenz ist Huub Stevens in die Bundesliga zurückgekehrt. FOTO: dpa, ve hpl
Köln. Huub Stevens hat weniger Zeit, um mit den Enkeln zu spielen, seit er bei Hoffenheim angeheuert hat. Das 0:0 in Köln war ein gelungener Einstand. Von Martin Beils

Huub Stevens kann es sich leisten, persönliche Prioritäten zu setzen. Deshalb stieg er nicht gleich ins Auto, als ihn vor zehn Tagen zur Sportschau-Zeit das Angebot erreichte, bei der TSG Hoffenheim wieder in den Bundesligabetrieb einzusteigen. Stevens gönnte sich zu Beginn der Woche erst noch einen Tag mit seinen Enkeln, bevor er seinen Dienst bei den vom Abstieg bedrohten Kraichgauern antrat. Nun müssen die jüngsten Familienmitglieder wieder häufiger als in den vergangenen Monaten auf den Opa verzichten.

Dutzende Kameras waren auf ihn gerichtet, als er am Samstag kurz vor 15.30 Uhr seinen Platz auf der Hoffenheimer Trainerbank einnahm. Gut gebräunt, sichtlich erholt und durchaus zufrieden zeigte sich der 61-jährige Niederländer nach dem Spiel beim 1. FC Köln. Er genoss es, wieder im Mittelpunkt zu stehen. "Mir macht die Arbeit noch immer Spaß, das ist das Wichtigste", sagte er. Grauer Trainingsanzug, eine Plastikflasche mit Mineralwasser in der Hand - es wirkte, als sei Stevens nie weggewesen.

Mit dem 0:0 in Müngersdorf hatte er gleich ein typisches Stevens-Resultat geliefert. Auf Deutsch und Niederländisch und wie immer mit heiserer Stimme dozierte er nach seiner Rückkehr. Spitzfindig unterschied er zwischen der Defensive, für die er in den Medien angeblich immer nur stehe, von "Organisation" und seiner Strategie, eine neue Mannschaft "von hinten heraus aufzubauen".

Die Aufgabe in Hoffenheim betrachtet er als Projekt. Sie ist auf den schnellen Erfolg, nicht auf Langfristigkeit angelegt. So war es auch schon bei seinen beiden Rettungseinsätzen beim VfB Stuttgart. Nach länger angelegten Aufgaben stehe ihm angeblich gar nicht der Sinn. Dabei verwies er auf sein Alter. "Ein Jahr kann ich überschauen, mehr will ich gar nicht", sagte er.

Stevens pries die aus der Abstiegsnot geborene Strategie, mit ihm die nächsten sechs Monate bestehen zu wollen und dann mit dem 28-jährigen Julius Nagelsmann weiterzumachen ("Das finde ich super").

Bei seinen neuen Spielern will er die "Blockade wegkriegen", ihnen Vertrauen in die eigenen Qualitäten zurückgeben und ein Gefühl für das Machbare geben. "Das Beste auf diesem Weg sind Punkte", sagte er im Wissen darum, dass das wie eine leere Phrase klingt, aber dennoch den Kern der Sache trifft. Und dann sieht Bundesliga auch schon einmal so aus wie in der zweiten Halbzeit. Huub Stevens und 48.000 weitere Zuschauer sahen "viel Kampf, wenig Fußball". Mit Schiedsrichterentscheidungen hatten die Hoffenheimer auch noch etwas Glück (siehe nebenstehender Text). Und dass der ehemalige Hoffenheimer Anthony Modeste bei einem halben Dutzend Schussversuchen das Tor nicht traf, spielte den Gästen in die Karten. Der Trainer, der unter anderem auf Schalke, in Stuttgart, beim Hamburger SV, in Berlin und beim 1. FC Köln gearbeitet hat, verfolgt eine Politik der kleinen Schritte. ("Wir haben noch viele Schritte zu gehen").

Zur Not greift Stevens dabei auf rustikale Methoden zurück. Kölns Torwarttrainer Alexander Bade erinnerte sich in einem Beitrag fürs "Geißbockecho" daran, wie Stevens die ganze Kölner Mannschaft nach einer Niederlage im Zweitligaspiel in Burghausen auf einen Aschenplatz beorderte und sie 90 Minuten lang sprinten ließ, bis alle Mann völlig fertig waren. Die Folge: Der FC schaffte noch den Aufstieg, und Stevens bekam als Abschiedsgeschenk eine mit Asche gefüllte Vase.

Quelle: RP
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