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WM-Qualifikation
Buchhalter und Barkeeper fordern den Weltmeister

Diese Jobs üben die Nationalspieler San Marinos aus
Diese Jobs üben die Nationalspieler San Marinos aus
Seravalle. San Marino liegt auf Platz 201 der Weltrangliste. Gegen den Weltmeister Deutschland geht es für die Buchhalter und Studenten nur um Schadensbegrenzung.

Andy Selva hat schon viel erlebt. Der Stürmer stand beim historischen 1:0-Erfolg San Marinos gegen Liechtenstein im April 2004 ebenso auf dem Platz wie beim 0:13 gegen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im September 2006. Wenn der europäische Zwergstaat am Freitag (20.45 Uhr/Live-Ticker) im Stadio Olimpico in Serravalle in der WM-Qualifikation erneut auf Weltmeister Deutschland trifft, wird der 40-Jährige sein Team wieder als Kapitän auf den Platz führen.

Die Wünsche des Rekordtorschützen und Rekordnationalspielers seines Landes sind vor dem Duell mit dem übermächtigen Gegner bescheiden. Man wolle sich so teuer wie möglich verkaufen, so Selva: "Und nicht so viele Gegentore bekommen." Was Selva nicht erwähnt: Liebend gerne würde er sein neuntes Tor im Nationaltrikot gegen die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erzielen.

Doch das scheint utopisch, auch wenn Manuel Neuer nicht dabei ist. In der Weltrangliste liegt San Marino auf Platz 201 - hinter den Turks- und Caicos-Inseln, knapp vor der Mongolei. In 138 Länderspielen (vier Unentschieden) gelang lediglich der Sieg vor mehr als zwölf Jahren gegen Liechtenstein. Torschütze damals? Natürlich Selva.

Der Stürmer ist auch einer der wenigen Spieler seines Landes, die ihr Geld zwischenzeitlich mal als Profi verdient haben. Ansonsten stehen im Team von Trainer Pierangelo Manzaroli Buchhalter und Studenten. Sie spielen entweder bei den Klubs ihrer Heimat oder in den unterklassigen italienischen Ligen. Ex-Nationalspieler Manzaroli hat die Nationalmannschaft des 30.000-Einwohner-Landes vor zwei Jahren übernommen. Seitdem ist ein leichter Aufwärtstrend zu spüren.

In den bisherigen Spielen auf dem Weg zur WM 2018 in Russland schlug sich der Außenseiter tapfer. Gegen Aserbaidschan gab es eine knappe 0:1-Heimniederlage, in Nordirland hieß es am Ende 0:4. Höhepunkt der bisherigen Qualifikation war die 1:4-Niederlage im Oktober in Norwegen. Der Treffer von Mattia Stefanelli zum zwischenzeitlichen Ausgleich war San Marinos erstes Auswärtstor in der WM-Qualifikation seit 15 Jahren.

Nach seiner historischen Tat wurde Stefanelli unter einer Jubeltraube begraben. Spieler, Trainer und Offizielle feierten das Tor wie den Gewinn der Weltmeisterschaft. "Das hat unglaublich viel Gefühle ausgelöst. Es war für mich und die ganze Nation etwas ganz Besonderes", sagte Stefanelli. Im san-marinesischen Fernsehen RTV hieß es: "Dieser Treffer sollte jedem zeigen, was es für Amateure aus einem kleinen Land heißt, auf der höchsten internationalen Ebene zu spielen." Am Freitag dürfen sie sich wieder auf allerhöchster Ebene präsentieren.

(sid)
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