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Formkrise bei Usain Bolt
Der schnellste Fuß der Welt gibt Rätsel auf

Bilder: Usain Bolt weit von seiner Bestform entfernt
Bilder: Usain Bolt weit von seiner Bestform entfernt FOTO: afp, dre/ljm
Düsseldorf. Usain Bolt sieht das Ziel seiner Karriere. Der filmische Nachruf auf die Laufbahn des schnellsten Manns der Welt wird gerade vorbereitet. Die Produzenten der britischen Firma "Fulwell 73", die auch schon die "Klasse von 92" mit David Beckham und anderen Stars des Fußball-Klubs Manchester United gedreht haben, begleiten den Jamaikaner bei dessen Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele 2016 und bei seinem Rücktritt im Jahr danach. So haben sie es angekündigt. Von M. Beils

Bolts Fahrplan bis zum Karriereende nach der WM 2017 in London steht. 31 Jahre wird er dann alt sein. Höhepunkt in dieser Saison sollen die Weltmeisterschaften im Pekinger Vogelnest-Stadion sein. Dort, wo er 2008 die ersten drei seiner sechs olympischen Goldmedaillen gewann, wo er mit offenem Schuh das Rennen über 200 Meter gewann.

Doch Bolt kommt in diesem Sommer nicht in Schwung. Für Irritationen sorgte er, als er den Start bei der WM-Qualifikation seines Landes in Kingston absagte. Bolts Manager Ricky Simms: "Es wurde nie bestätigt, dass er bei den Trials läuft. Er hatte nur gemeldet, um eine Option mehr zu haben." Er muss dort nicht starten. Als Titelverteidiger darf er bei der WM ohnehin auf beiden Sprintstrecken antreten. Der Verzicht auf die Rennen in Kingston sorgt aber vor allem deshalb für Rätselraten, weil der Weltrekordler in diesem Jahr noch keine Klassezeit zu bieten hat. Über 100 Meter steht er mit 10,12 Sekunden auf Platz 54 der Weltjahresbestenliste, gelaufen im April in Rio de Janeiro. Das ist nur eine Hundertstelsekunde schneller als Sven Knipphals, der beste Deutsche, und mehr als eine halbe Sekunde langsamer als seine sechs Jahre alte Bestmarke von 9,58 Sekunden.

Seit gut zwei Wochen ist von dem früher so kommunikativen und in den sozialen Netzwerken aktiven Bolt nichts mehr zu hören. Nach seinem Sieg über 200 Meter in New York in vergleichsweise schwachen 20,29 Sekunden hatte er von einem der "schwächsten Rennen meiner Karriere" gesprochen. Er wirkte ratlos, als er sagte: "Ich muss herausbekommen, was bei mir falsch läuft." Sein nächster Start ist für Samstag kommender Woche angekündigt. Dann will er in Paris antreten. In Frankreich mehren sich allerdings die Zweifel, ob er kommt. Vielleicht, so argwöhnen die Ersten, bricht er die Saison ab.

Zuletzt hatte Bolt noch getönt, dass er keine Angst vor seinem US-Rivalen Justin Gatlin habe. "Fürchten? Wenn die Leute so etwas sagen, da lache ich", sagte der Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordler vor dem Rennen in New York laut BBC "Ich betreibe meinen Sport viele Jahre, und ich habe niemals jemanden getäuscht", versicherte der 28-Jährige und spielte auf Gatlins zwei Dopingsperren 2001 und 2006 an, "wenn es darauf ankam, war ich immer voll da und habe bewiesen, dass ich der Beste bin."

Zu einem Duell mit Gatlin wird es wohl erst bei den Weltmeisterschaften Ende August kommen. So schnell wie der bereits 33 Jahre alte Gatlin war in dieser Saison noch kein Sprinter: 9,75 Sekunden über 100 Meter und 19,68 Sekunden über die doppelte Distanz hat der Olympiasieger von Athen 2004 vorgelegt. "Gatlin hat viel geredet, er hat eine Menge Sachen gesagt", meinte Bolt, der aber auch Respekt vor seinem Rivalen hat. "Er hat bewiesen, dass er schnelle Zeiten rennen kann und dass er bereit ist." Von sieben 100-Meter-Duellen mit Gatlin hat Bolt seit 2011 sechs gewonnen, nur vor zwei Jahren in Rom setzte sich der US-Amerikaner einmal durch. Bolt: "Ich freue mich auf Wettkämpfe mit Leuten, die vorher viel reden. Denn wenn die das dann nicht unter Beweis stellen können, sehen sie ziemlich dumm aus." Es könnte sein, dass Bolt demnächst als der Dumme dasteht.

Quelle: RP
 
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