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Olympia-Tagebuch
Die Mücken gehen mir aus dem Weg

Olympia 2016: Die Mücken gehen mir aus dem Weg
RP-Redakteur Stefan Klüttermann berichtet von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. FOTO: privat
Am Ende einer Woche Brasilien wächst die Überzeugung, dass die chemische Keule eine größere Gefahr für die Gesundheit darstellt als das Insekt.

Ja, ja, werden manche denken, der Klüttermann schreibt hier an dieser Stelle immer über Busfahren, Schlange stehen und W-Lan-Probleme, aber er soll doch lieber mal verraten, was denn nun wirklich geworden ist aus dem großen Thema im Vorfeld der Olympischen Spiele: ZIKA!

Also gut, schreibe ich über Zika und über die Mücken, wobei ich - Stand heute, und wahrscheinlich fühlen sich die örtlichen Moskitos durch diesen Text jetzt nachhaltig provoziert - sagen muss, dass die Mücken und ich uns hier komplett aus dem Weg gehen. Wir mögen uns anscheinend nicht. Ich sie sowieso nicht, aber sie mich anscheinend auch nicht. Jedenfalls habe ich noch keine gesehen, und gestochen hat mich dementsprechend auch keine. Das ist schön.

Es ist nun aber offensichtlich auch nicht so, dass die Mücken stattdessen andere Kollegen umso mehr heimsuchen. Einer erzählte mal was von einem Summen beim Einschlafen, eine andere zeigte mir einen kleinen Stich am Ringfinger, aber bettlägrig sahen beide wahrlich nicht aus. Nach einer Woche in Brasilien wächst bei mir dann auch die Vermutung, dass die chemische Keule, mit der hier gegen die Moskitos vorgegangen wird, am Ende vielleicht die größere Gesundheitsgefährdung darstellt. Und dass hier mächtig chemisch gekeult wird, das steht außer Frage.

Ich selbst sprühe mich ja auch packungsbeilagengemäß zwei- bis dreimal am Tag ein, und das Spray riecht so, dass ich als Mücke allein deswegen schon das Weite suchen würde. Die Kollegen auf den Pressetribünen gucken mich immer etwas mitleidig an, wenn ich spraye. Außer mir ertappe ich nämlich niemanden beim Einsprühen. Egal, ich habe nun mal drei Spraydosen dabei, und viel hilft viel, sagt man am Niederrhein. Das Bemerkenswerte an meinem Spray ist, dass es Plastik anlaufen lässt. Meine Sonnenbrille wird jeden Tag ein kleines bisschen schlanker, wahrscheinlich löst sie sich am Ende der Spiele auf.

Mein persönlicher Kampf gegen die Mücken ist allerdings nichts im Vergleich zum Kampf der Olympia-Gastgeber. Überall rund um die Sportstätten und auch in den Hotels liegt permanent ein penetranter Geruch in der Luft, der an eine Mischung aus 4711 und Desinfektionsspray erinnert. Selbst auf den massenhaft frequentierten Toiletten im Medienzentrum riecht es nicht nach Toilette, sondern nach Anti-Mücke. Es ist die totale nasale Verwirrung.

Weil ich meine Nase komplett zur Aufgabe nötigen will, schmiere ich mich zusätzlich noch mit Sonnencreme ein. Schutzfaktor 50, ich bin nicht so der mediterrane Hauttyp. Eher Hauttyp Grönland. Und außerdem habe ich davon auch drei Tuben im Koffer mitgeschleppt. Viel hilft eben viel.

Quelle: RP
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