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Erster Etappensieg für südafrikanisches Team
MTN-Qhubeka schreibt an Mandela-Tag Geschichte

Cummings holt ersten Etappensieg für südafrikanisches Team
Cummings holt ersten Etappensieg für südafrikanisches Team FOTO: dpa, yv mr
Es hätte keinen besseren Zeitpunkt geben können: Am Nelson-Mandela-Tag hat das südafrikanische Team MTN-Qhubeka erstmals eine Etappe bei der Tour de France gewonnen.

Die ganz große Sause muss warten. Ein bisschen Schampus gab es zwar schon, aber nach dem historischen Etappensieg des Briten Stephen Cummings beschränkte sich das südafrikanische Team MTN-Qhubeka im Mannschaftshotel in Anglards-de-Saint-Flour auf einen doch eher bescheidenen Umtrunk. Schließlich ist die Tour de France noch nicht vorbei und dieser Erfolg idealerweise nicht der letzte gewesen.

Dafür aber war die Freude im Ziel in Mende regelrecht ekstatisch. "Wir schreiben unsere Geschichte auf der Überholspur der Autobahn", sagte MTN-Sportdirektor Jens Zemke überwältigt, während Teamchef Douglas Ryder die Freudentränen nicht zurückhalten konnte, als Cummings die Franzosen Thibaut Pinot und Romain Bardet taktisch vorführte. Der Tageserfolg beim Tour-Debüt war fraglos der vorläufige Höhepunkt eines afrikanischen Radsport-Märchens.

Mit Ciolek fing alles an

Der Frankfurter Zemke ist einer der Väter des rasanten Aufstiegs; wenn man so will, hat er den afrikanischen Radsport nach Europa gebracht. Zemke baute die Infrastruktur auf und führte das Team seit der Gründung vor vier Jahren sukzessive an das Top-Niveau heran. Erstmals hatte Qhubeka ja im Frühjahr 2013 für großes internationales Aufsehen gesorgt, als der Kölner Radprofi Gerald Ciolek für das Team einen epischen Sieg bei Mailand-Sanremo herausfuhr.

Zemke kann selbst kaum begreifen, in welch atemberaubender Geschwindigkeit der Aufschwung vor sich geht. Es sei, betonte der 48-Jährige, alleine die erstmalige Tour-Einladung schon ein Traum gewesen. "Uns standen die Tränen in den Augen – und jetzt dieser Erfolg an diesem besonderen Tag."

Denn Cummings wählte für seinen Coup nicht irgendeinen Zeitpunkt, sondern den internationalen Nelson-Mandela-Day, den Geburtstag des populärsten afrikanischen Freiheitskämpfers im zurückliegenden Jahrhundert. Dieses Datum steht gerade in Mandelas Heimatland Südafrika ganz im Zeichen des Engagements für Hilfsbedürftige. "Jeder sollte an diesem Tag 67 Minuten soziale Arbeit leisten oder etwas Nützliches tun", erzählte Zemke. Die Zahl steht dabei auch symbolisch für die 67 Lebensjahre, die sich Mandela seinem Kampf um eine bessere Welt verschrieben hatte.

Qhubeka hilf Kindern

MTN-Qhubeka habe diese Zeit auf dem Weg durch das Zentralmassiv etwas ausgeweitet, wie Zemke mit einem Lächeln sagte. Seine Mannschaft befindet sich ja grundsätzlich auch auf einer sozialen Mission. "Qhubeka", zu deutsch "voranbringen", ist eine gemeinnützige Stiftung. 5000 Fahrräder will das Team allein während der Frankreich-Rundfahrt sammeln für Kinder und Jugendliche in ländlichen Regionen Südafrikas. "Die Kinder laufen teilweise anderthalb Stunden zu Fuß zur Schule. Das wollen wir erleichtern", berichtete Zemke.

In den Mandela-Day hatten sie ungeheure Energie investiert. Zemke erzählte, wie Ryder am Samstagmorgen vor der Mannschaft eine bewegende und inspirierende Rede zum Anlass gehalten hatte. Die Etappe bestritt MTN-Qhubeka dann nicht nur äußerst angriffsfreudig, sondern verbreitete die Botschaft von "Madibas Zauber" auch optisch mit orangefarbenen Helmen und schwarz-gelben Armkettchen. "Dieser Tag hat uns ganz besonders motiviert", sagte Zemke.

Es war auch nicht das erste Mal, dass die Qhubeka die Schlagzeilen gehörten: Der Eritraer Daniel Teklehaimanot hatte sich zwischenzeitlich das Bergtrikot gesichert und war damit zu einem Volkshelden in seiner Heimat geworden.

Zu Hunderten hatten sich seine Landsleute in Straßenlokalen oder Kinos versammelt und Teklehaimanot hemmungslos gefeiert, eine kleine, aber lautstarke Fankolonie begleitet ihn und den anderen Eritraer Mehwedi Kudus in Frankreich sogar. Zemke findet: "Es ist eine außergewöhnliche Geschichte, aber es ist auch der Lohn für harte Arbeit."

(sid)
 
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