| 17.22 Uhr

Tennis-Rüpel verliert gegen Zverev
Kyrgios droht nach bizarrem Null-Bock-Auftritt Strafe

Porträt: Nick Kyrgios: Tennis-Hoffnung und Tennis-Rüpel
Porträt: Nick Kyrgios: Tennis-Hoffnung und Tennis-Rüpel FOTO: dpa, ko ss
Shanghai. Mit seinem Verhalten beim ATP-Turnier in Shanghai hat Nick Kyrgios seinen Ruf als Tennis-Rüpel wieder einmal unterstrichen. Der Australier schenkte das Match gegen Mischa Zverev regelrecht ab, wurde dafür ausgebuht und legte sich dann noch mit einem Zuschauer an. Von Antje Rehse

Mit 3:6, 1:6 zog der favorisierte Kyrgios gegen den Hamburger den Kürzeren. Mischa Zverev, der ältere Bruder der deutschen Tennis-Hoffnung Alexander Zverev, ließ sich durch den Auftritt seines Gegners nicht beirren und schaffte durch den Sieg den Sprung zurück in die Top 100. Die Schlagzeilen produzierte aber wieder mal "Bad Boy" Kyrgios.

Schon im ersten Satz verblüffte Kyrgios die Zuschauer, als er beim Stand von 1:3 aus seiner Sicht und Vorteil Zverev einen extrem langsamen Aufschlag servierte und dann schon Richtung Bank abdrehte, bevor Zverev überhaupt den Return schlagen konnte. Zverev blieb cool und spielte den Ball ins Feld.

Im zweiten Satz hetzte Kyrgios von Punkt zu Punkt, setzte sich in den Seitenwechseln gar nicht oder nur kurz hin und leistete sich einen völlig unmotivierten Fehler nach dem anderen. In der Schlussphase des Matches wurde er vom Publikum ausgebuht. Beim letzten Seitenwechsel sagte er zum Stuhlschiedsrichter, nachdem er sich nur für wenige Sekunden hingesetzt hatte: "Kannst du 'Time" sagen, damit ich das Match beenden und nach Hause fahren kann?" Die vorgeschriebene Zeit für seinen Seitenwechsel ist 90 Sekunden.

Als ein Fan rief "Du musst das Spiel respektieren!", antwortete Kyrgios trotzig: "Willst du runterkommen und selbst spielen? Halt die Klappe und schau zu." Der Stuhlschiedsrichter musste Kyrgios von weiteren verbalen Ausbrüchen abhalten. Auf die Reaktion der Zuschauer angesprochen sagte Kyrgios bei der anschließenden Pressekonferenz: "Ich bin ihnen nichts schuldig. Ich habe sie nicht darum gebeten, zu kommen." 

Kyrgios entschuldigte sich später für den Lustlos-Auftritt. "Das war heute von mir auf vielen Ebenen nicht gut genug. Ich bin besser als das. Ich könnte jetzt nach Entschuldigungen suchen, aber es gibt keine. Sorry", twitterte der 21-Jährige. Dennoch droht dem Australier eine Strafe durch die ATP-Tour, denn das offensichtliche Abschenken von Matches gilt als Regelverletzung. Um eine Geldstrafe wird Kyrgios kaum herumkommen. Da er Wiederholungstäter ist, gibt es Stimmen, die sogar eine Turnier-Sperre fordern.

 

Denn es ist nicht der erste bizarre Auftritt dieser Art von Kyrgios. Auch in Toronto, als er gegen den erst 17-Jährigen Kanadier Denis Shapovalov verlor, gab sich Kyrgios betont uninspiriert. Zuvor hatte er über Twitter gescherzt, er verbringe mehr Zeit mit Pokémon Go als mit Tennis. Und eigentlich würde er sowieso viel lieber Basketball spielen, hat Kyrgios schon mehrfach in Interviews gesagt. "Ehrlicherweise mag ich Tennis nicht besonders." 

Sein Image als Tennis-Rüpel hat er schon seit dem vergangenen Jahr, als er in Montreal zu seinem Gegner Stan Wawrinka sagte: "Kokkinakis hat deine Freundin gevögelt." Kyrgios' Landsmann Thanasi Kokkinakis gehört wie Kyrgios selbst zu der jungen Garde der ATP-Tour, muss allerdings derzeit verletzt pausieren.

Kyrgios gilt als eines der größten Talente, das das Tennis derzeit zu bieten hat. Das stellte er unter anderem in der vergangenen Woche unter Beweis, als er das ATP-Turnier in Tokio gewann. Doch immer wieder steht er sich selbst im Weg. Einige Experten meinen, dass Kyrgios dem Druck, die neue australische Tennis-Hoffnung zu sein, nicht gewachsen sei. 

Möglicherweise könnte ein Mental-Trainer Kyrgios helfen. Oder einfach nur ein erfahrener Trainer, denn derzeit reist Kyrgios ohne Coach um die Welt. Kyrgios selbst aber meinte nach dem Triumph in Tokio: "Ich werde so schnell keinen Trainer engagieren. Ich habe gerade erst ein 500er-Turnier (die dritthöchste Kategorie nach Grand-Slam-Turnieren und den Masters-Turnieren, Anm. der Redaktion) gewonnen. Ich komme gut alleine zurecht." Nach dem Auftritt beim Masters in Shanghai sind die Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser Aussage wieder größer geworden.

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