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Weltcupsieg im Parallel-Slalom
Schweinsteiger geht vor Neureuther in die Knie
Weltcupsieg im Parallel-Slalom: Schweinsteiger geht vor Neureuther in die Knie
Bastian Schweinsteiger ist auf dem Siegerpodest vor Felix Neureuther in die Knie gegangen. FOTO: dpa, Tobias Hase
München. Felix Neureuther fühlt sich nach seinem Weltcup-Sieg in München gewappnet für höhere Aufgaben. An dem Spektakel am Olympiaberg übt er allerdings auch Kritik.

Felix Neureuther deutete eine Triumphpose an und blickte mit einem frechen Grinsen nach unten. Vor dem Siegerpodest ging Bastian Schweinsteiger mit gespielter Ehrfurcht in die Knie – wie ein Untertan vor seinem König. Der Fußball-Nationalspieler war zu Schülerzeiten Konkurrent von Neureuther, seitdem sind die beiden dicke Kumpel. Schweinsteiger also verneigte sich vor dem Sieger des Parallelslaloms in München, dann küsste er ihm noch die Füße. Genau genommen: die Skistiefel.

"Das freut mich schon, dass er da war", sagte Neureuther, zumal Schweinsteiger am Morgen danach ins Trainingslager des FC Bayern nach Doha aufbrechen musste. Noch mehr aber freute ihn zu Beginn des WM-Jahres dieser Sieg am Olympiaberg, es war sein dritter im Weltcup nach Erfolgen bei den Slalom-Klassikern in Kitzbühel und Garmisch 2010. "Ein schöner Start ins neue Jahr", sagte Neureuther. Und obwohl er kein Geheimnis daraus machte, dass ein Parallelslalom kein richtiger Slalom ist, betonte er dennoch den Wert seines Sieges.

Achtmal musste Neureuther fahren, das bedeutet: achtmal höchste Anspannung, höchste Konzentration, achtmal ist kein Fehler erlaubt. Und dann noch die Erwartungen, die von den 17.000 tobenden Menschen am Berg, die an sich selbst. "Das ist ja das Entscheidende, dass man weiß, dass man da ist, wenn es um die Wurst geht", sagte Neureuther nach dem Spektakel auf diesem 60 Meter hohen Hügel im Olympiapark. Dass er gewonnen habe, betonte der Partenkirchner, "zeigt mir, dass ich für die wichtigen Aufgaben gewappnet bin". Schon bald ist WM.

33.000 Euro Preisgeld

Der Erfolg auf der 200 Meter langen Flutlichtpiste ist gut für den Geldbeutel, Neureuther bekam 33.000 Euro Preisgeld. Und er ist gut für die Psyche. Neureuther hatte nicht nur die Nerven im Griff, er besiegte ja auch keine Laufkundschaft, im Finale ging es in zwei Läufen gegen Gesamtweltcupsieger Marcel Hirscher (Österrreich). Das sei ihm "schon sehr wichtig" gewesen, ausgerechnet gegen Hirscher gewonnen zu haben, sagte Neureuther: "Jetzt hat der auch mal einen Dämpfer bekommen, das tut ihm mal ganz gut - und mir auch."

Aussagekraft hat der Sieg nur bedingt, das weiß Neureuther selbstverständlich. Wenn es jetzt im Januar zu den wichtigen Rennen geht, nach Zagreb, Adelboden, Wengen und Kitzbühel, wenn im Februar um die WM-Medaillen gefahren wird, ist dieser Erfolg nichts wert - ebensowenig wie die bislang außergewöhnlichen Leistungen in dieser Saison. "Man darf jetzt nicht zum Durchdrehen anfangen. Es ist ganz gut, wenn ich am Boden der Tatsachen bleibe", sagte Neureuther. Er will sich nicht verrückt machen lassen. Aber er weiß, was er kann.

Bei aller Freude über den emotionalen Sieg, über das "gewaltige Event" im Olympiapark - ernst wurde Neureuther, als er um die Frage ging, ob dieser Parallelslalom die Wertigkeit eines Spezialslaloms genießen sollte. Neben Punkten für den Gesamtweltcup fuhren die je 16 Teilnehmer bei Männern und Frauen auch um Slalom-Weltcuppunkte. "Die Kritik ist berechtigt", behauptet Neureuther. Derzeit sei das alles ein wenig ungerecht, vielleicht reiche es ja, die Hälfte der Punkte zu vergeben.

Ganz ohne Punkte aber wird es nicht gehen, glaubt Neureuther: "Ohne Punkte kommen die Großen nicht." Diesmal waren sie alle da.

Quelle: sid/seeg/csi
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