Alle Wirtschaft-Artikel vom 2. September 2014
Gesundheit

AOK: Arbeitnehmer seltener krank

Düsseldorf (RP) Der Krankenstand der mehr als eine Million AOK-versicherten Beschäftigten im Rheinland ist im ersten Halbjahr 2014 mit 5,4 Prozent merklich gesunken. Ein Grund dürfte sein, dass die Grippewelle in diesem Jahr ausgeblieben ist. Die Zahl der Atemwegserkrankungen (39 Prozent weniger Ausfalltage) und Infektionen (minus 18 Prozent) fiel deutlich niedriger aus als im ersten Halbjahr 2013. Große Unterschiede gibt es weiterhin zwischen den Branchen: Am höchsten ist der Krankenstand bei Gießereien, Altenflegern und in Callcentern. mehr

Witten

Studie: Kliniken operieren oft ohne Routine

Viele Krankenhäuser operieren nach einer Studie ohne die nötige Routine bei komplizierten Eingriffen. Kliniken müssen etwa pro Jahr mindestens zehn aufwendige Speiseröhren-Operationen machen, um eine entsprechende Spezialisierung vorweisen zu können. Diese Schwelle wurde aber nur von knapp der Hälfte der Kliniken erreicht. Die Universität Witten/Herdecke hat für die Erhebung Berichte von fast 2000 Kliniken aus vier Jahren ausgewertet. Es wurde überprüft, wie häufig bestimmte komplexe Eingriffe sind, für die Mindestzahlen wie etwa bei der Speiseröhren-OP gelten. mehr

Mobilfunk

Telekom hofft auf mehr Geld für US-Ausstieg

Paris (dpa) Der französische Internet- und Mobilfunkanbieter Iliad hält an seinem Gebot für die Telekom-Mobilfunktochter T-Mobile US fest. Auch ein höheres Angebot für zusätzliche Anteile gemeinsam mit einem Investitionspartner bezeichnete Iliad-Finanzchef Thomas Reynaud als möglich. Die Franzosen hatten Ende Juli 15 Milliarden Dollar für 56,6 Prozent der Telekom-Tochter oder 33 Dollar je Aktie geboten. Die Telekom bezeichnet das Angebot als viel zu niedrig. mehr

Athen

Griechenland erholt sich etwas

Die seit Jahren tief in der Rezession steckende griechische Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal besser geschlagen als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank nur noch um 0,3 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie das Statistikamt Elstat mitteilte. Experten hatten mit einem Minus von 0,5 Prozent gerechnet. Griechenland profitiert derzeit von einem Tourismusboom. Das Finanzministerium in Athen rechnet für 2014 erstmals wieder mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung von 0,6 Prozent. mehr

Essen

Butterpreise sinken nach Importverbot

Supermärkte und Discounter geben sinkende Erzeugerpreise für Butter an die Verbraucher weiter. Den Anstoß gab gestern der Discounter Aldi, der den Preis für das 250-Gramm-Paket Markenbutter von 0,99 Euro auf 0,85 Euro senkte. Kurz darauf folgten Edeka, Rewe, Lidl, Penny, Netto und Norma. Hintergrund ist der Preisverfall auf dem Erzeugermarkt. Laut Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft sanken die Erzeugerpreise für Milch und Butter spürbar. Dabei spielt auch das Importverbot eine Rolle, das Russland als Reaktion auf westliche Sanktionen erlassen hat: Weil deutsche Bauern nicht mehr nach Russland liefern dürfen, drängt ihr Angebot hier auf den Markt. mehr

Geschenke

Neue Steuerregelung für Betriebsfeste

Berlin (dpa) Zuwendungen von Unternehmen an Arbeitnehmer auf Betriebsveranstaltungen werden künftig steuerlich geregelt. Mit dem geplanten Gesetzentwurf soll die bisherige Freigrenze von 110 auf 150 Euro angehoben, zugleich aber die Bemessungsgrenze erweitert werden. Wie gestern aus Verhandlungskreisen weiter verlautete, sollen bei der Prüfung der Freigrenze sämtliche Kosten einbezogen werden. Auch sei geplant, anteilige Kosten der Begleitperson wieder Arbeitnehmern zuzurechnen. Die Entlastung soll sich laut dem Gesetzentwurf auf 70 Millionen Euro im Jahr belaufen. mehr

Kommentar

Armutszeugnis für die Experten

Die Physikerin Angela Merkel gilt als Verfechterin klarer, wissenschaftlicher Einordnungen. Deshalb darf bei ihren großen Geburtstagen regelmäßig ein Vertreter der Wissenschaft die Festrede halten - in diesem Jahr war es ein Hirnforscher. Dass auf absehbare Zeit ein Ökonom den Job übernimmt, ist fraglich. Merkel misstraut seit den mangelhaften Prognosen während der Wirtschaftskrise dem Urteil der Zunft. Da dürfte es wenig hilfreich sein, dass derzeit wieder reihenweise führende Institute ihre Wirtschaftsprognosen kassieren müssen. Trunken vor Euphorie haben sie im schwachen Aufschwung einen Boom sondergleichen gesehen. Natürlich sind Entwicklungen wie die in der Ukraine nicht vorhersehbar. Doch deren Anteil an der Konjunktureintrübung ist begrenzt. Viel schwerer wiegt, dass die ungelösten Probleme der europäischen Schuldenländer offenbar zu wenig berücksichtigt wurden. Deutlich mehr kaufmännische Vorsicht bei den Prognosen wäre angebracht. Maximilian Plück mehr