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Düsseldorf
Rekordbeschäftigung beflügelt den Handel

Düsseldorf. Mit der niedrigsten Arbeitslosenquote seit 24 Jahren fällt die Frühjahrsbelebung in diesem Jahr überraschend stark aus. Wegen der zugleich hohen Lohnabschlüsse freut sich der Handel über extrem gute Umsatzzahlen. Von Maximilian Plück

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg entwickelt sich mehr und mehr zum Verlautbarungsorgan für gute Nachrichten: Gestern präsentierte BA-Chef Frank-Jürgen Weise mit den aktuellen Arbeitsmarkt-Daten erneut Rekordwerte. Seit 24 Jahren war die Arbeitslosigkeit im März nicht mehr so niedrig wie in diesem Jahr: Die Zahl der Jobsucher sank im Vergleich zum Februar um 85 000 und liegt nun bei 2,93 Millionen. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Punkte auf 6,8 Prozent zurück. Binnen Jahresfrist verringerte sich die Zahl der Erwerbslosen um 123 000.

"Wir haben in den vergangenen Monaten Rekordbeschäftigung nach Rekordbeschäftigung erlebt - und es ist derzeit nicht abzusehen, dass dieser Trend aufhört", sagt Holger Sandte, Chefvolkswirt beim schwedischen Finanzdienstleister Nordea. Sein Kollege, IKB-Chefvolkswirt Klaus-Dieter Bauknecht, führt die positive Entwicklung vor allem auf den Dienstleistungsbereich zurück - und damit oftmals auch auf Billigjobs. "Im Industriesektor befinden wir uns auf einem hohen, aber relativ stabilen Beschäftigungsniveau. Unterm Strich wird der deutsche Arbeitsmarkt aber auch in diesem Jahr weiter zulegen", sagt Bauknecht. Doch der Fachkräftemangel werde zunehmend zum Problem, was das gesamte Beschäftigungsniveau in den kommenden Jahren belasten könnte. "Dann wird es zu einer noch stärkeren Nachfrage vor allem auch nach ausländischen Fachkräften kommen", so Bauknecht.

Zusätzlich zur guten Entwicklung am Arbeitsmarkt kommt noch ein weiterer positiver Effekt für die Konjunktur hinzu. Nordea-Chefvolkswirt Sandte verweist auf die - bei einer niedrigen Inflation von zuletzt 0,3 Prozent - recht ordentlichen Tarifabschlüsse der vergangenen Wochen, etwa in der Chemie mit 2,8 Prozent, bei Metall und Elektro mit 3,4 Prozent und im öffentlichen Dienst mit 2,1 Prozent. "Wir können davon ausgehen, dass die realen Einkommen im Jahresschnitt um 1,5 bis zwei Prozent steigen."

Da die Anreize zum festverzinslichen Sparen angesichts der freigiebigen Geldpolitik der EZB gering seien, zeigten sich die Konsumenten in Kauflaune. "Optimismus öffnet die Portemonnaies", sagt Sandte. Schon im vierten Quartal 2014 lag der private Verbrauch 2,1 Prozent über dem Vorjahr. "Für 2015 rechne ich mit einem ähnlich starken Anstieg - also von rund zwei Prozent. Der Handel kann sich über gute Geschäfte freuen." Und tatsächlich verzeichnete das Statistische Bundesamt für Januar einen preisbereinigten Anstieg der Einzelhandelsumsätze um fünf Prozent, im Februar immerhin noch 3,6 Prozent. Für das laufende Jahr peilt der Branchenverband HDE ein Plus von 1,5 Prozent an.

"Der private Verbrauch bleibt mit 56 Prozent des Bruttoinlandsprodukts die wichtigste Stütze des Wachstums", erklärt Sandte. Daran werde auch die etwas anziehende Inflation nichts ändern. "Zum Jahresende gehe ich von Preissteigerungen von 1,25 bis 1,5 Prozent aus, weil sich der Rückgang bei den Ölpreisen nicht weiter wiederholen wird. Das ist aber immer noch ein äußerst niedriger Wert."

IKB-Ökonom Bauknecht geht davon aus, dass der Konsum in diesem Jahr voraussichtlich einen Prozentpunkt zum Wachstum beisteuern wird. "Handel und Dienstleistungen profitieren deutlich. Doch auch die Voraussetzungen für die Industrie sind gut: Euro-Abwertung und niedriger Ölpreis bieten ein positives Umfeld." Die gute Konjunktur ist auch an den Börsen spürbar: Seit Jahresanfang verzeichnete der Leitindex Dax ein sattes Plus von 23 Prozent - die beste Quartalsbilanz seit dem Frühjahr 2003.

Bei aller Euphorie warnt IKB-Chefvolkswirt Bauknecht allerdings vor Restrisiken für den Arbeitsmarkt: "Sollte der Euro mittelfristig aufwerten, wird der Druck auf die exportierende Industrie wieder steigen. Auch die durch hohe Tarifabschlüsse getriebenen Lohnkosten könnten den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, Stellen zu streichen, wenn die Produktivitätssteigerungen nicht ausreichen."

Quelle: RP
 
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