| 18.07 Uhr

Börsen im Minus
Dax fällt zeitweise unter 9500 Punkte

Das 1x1 der Börsensprache
Das 1x1 der Börsensprache FOTO: AP
Frankfurt/Main . Die Talfahrt des Dax geht weiter. Der Absturz der Ölpreise unter die 30-Dollar-Marke zwinge die Aktienmärkte weltweit in die Knie, schrieb Analyst Jasper Lawler vom Broker CMC Markets am Freitag.

Zudem nährte eine Reihe unerwartet schlecht ausgefallener Daten aus der US-Wirtschaft die Sorge über die weltweite Konjunkturentwicklung. Der deutsche Leitindex schloss zum Wochenschluss mit einem Kursrutsch von 2,54 Prozent bei 9545 Punkten und damit so tief wie zuletzt Anfang Oktober.

Auf Wochensicht büßte der Dax gut drei Prozent ein, seit Jahresbeginn beläuft sich der Verlust schon auf mehr als elf Prozent. Von den letztjährigen Tiefs im Sommer und Herbst ist das Börsenbarometer nicht mehr weit entfernt. Dazu drückten die schwachen chinesischen Börsen und der Anstieg des Euro, der Produkte europäischer Unternehmen außerhalb der Eurozone verteuert, auf die Stimmung.

Der MDax der mittelgroßen Aktienwerte büßte am Freitag 2,63 Prozent auf 18.790 Punkte ein. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 3,49 Prozent auf 1614,25 Punkte abwärts.

Beim Leitindex der Eurozone, dem EuroStoxx 50, zeigten die Kurstafeln am Ende ein Minus von 2,37 Prozent auf 2952,48 Punkte an. Die Leitindizes in Paris und London gaben ähnlich stark nach. In New York verlor der US-Leitindex Dow Jones Industrial zum europäischen Börsenschluss über zwei Prozent.

Das Gesprächsthema des Tages lieferte Dialog Semiconductor. Der Chiphersteller und Apple-Zulieferer strich im Bieterstreit um den US-Rivalen Atmel die Segel, was ihm in der Spitze Kursgewinne von mehr als neun Prozent brachte. Das Minus von 0,17 Prozent auf 26,995 Euro zum Handelsende reichte noch für den Spitzenplatz im TecDax.

Im Dax gehörten die 2015 arg gebeutelten Versorger zu den größten Verlierern. So fielen die Papiere von RWE und Eon um jeweils mehr als vier Prozent. Beiden Unternehmen macht die Energiewende in Deutschland zu schaffen, insbesondere die Sorgen um die Atom-Altlasten.

Die Papiere des Salz- und Düngemittelkonzerns K+S büßten ihre kompletten Vortagesgewinne ein und sackten um 3,69 Prozent ab. Auch alle anderen Dax-Werte lagen im Minus.

Die Papiere von Salzgitter fielen am MDax-Ende um 6,73 Prozent. Deutschlands zweitgrößter Stahlkonzern rechnet nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs mit Belastungen in Millionenhöhe. Grund sind Änderungen der steuerlichen Behandlung von Dividendenerträgen bei Wertpapierleihen. Die Anteilsscheine des Chemikalienhändlers Brenntag wurden ebenfalls gemieden und sackten um 5,90 Prozent ab.

Am deutschen Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere bei 0,37 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,03 Prozent auf 140,35 Punkte. Der Bund-Future rückte um 0,34 Prozent auf 160,30 Punkte vor. Der Euro stieg auf 1,0969 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank den Referenzkurs auf 1,0914 (Donnerstag: 1,0893) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9163 (0,9180) Euro.

Experten: Dax könnte weiter fallen

Nach einem historisch schlechten Jahresauftakt bleiben die Aussichten für Dax & Co in der neuen Woche höchst ungewiss. Es könnte noch weiter bergab gehen, vor allem wegen Sorgen über die Auswirkungen des schwachen chinesischen Wirtschaftswachstums auf die weltweite Konjunktur. Auf längere Sicht sind die Experten allerdings etwas zuversichtlicher.

Zunächst könnte die bestehende Unsicherheit in eine weitere Verkaufswelle münden, warnt Analyst Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Allerdings sei der Pessimismus noch nicht so ausgeprägt wie während der zurückliegenden Korrekturen. Eine zuverlässige Prognose sei schwierig. "Die Bewertungen sind im Sturzflug, weil sich Investoren der Risiken aus Fernost bewusst sind", meint Marktexperte Daniel Saurenz vom Analysedienst Feingold Research. "Doch für einen Abgesang auf Aktien ist es zu früh."

Da die Wall Street am Montag wegen eines Feiertags geschlossen bleibt, ist am deutschen Aktienmarkt mit einem ruhigen Wochenauftakt zu rechnen. Um so ereignisreicher könnte der Dienstag werden, an dem eine Reihe chinesischer Wirtschaftsdaten auf der Agenda steht. Auch der ZEW-Index für die deutschen Konjunkturerwartungen sollte einen Blick wert sein. Ab der Wochenmitte folgen etliche Daten von der US-Wirtschaft.

Zudem nimmt die Berichtssaison der Unternehmen etwas Fahrt auf. Aus Deutschland sind erst wenige Nachrichten zu erwarten: Zum Auftakt gewährt der Online-Modehändler Zalando Einblick in seine jüngste Geschäftsentwicklung, am Freitag legt der Softwarekonzern SAP endgültige Jahreszahlen vor.

In den USA stehen deutlich mehr Geschäftsberichte an, die sich auch auf die Aktienkurse deutscher Wettbewerber auswirken könnten. Aus der Bankenbranche legen die US-Banken Bank of America und Morgan Stanley (beide Dienstag) sowie Goldman Sachs (Mittwoch) Rechenschaft ab. Im Luftfahrtsektor berichten Delta Air Lines (Dienstag) sowie Southwest Airlines und United Continental (beide Donnerstag).

Außerdem berichten der mit Henkel und Beiersdorf konkurrierende Konsumgüterhersteller Unilever am Dienstag, der Telekom-Rivale Verizon Communications (Donnerstag) und der mit Siemens konkurrierende Elektrokonzern General Electric (GE) (Freitag).

(felt/AFP)
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