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Börse
Dax setzt Erholungsrally fort und knackt 9800-Punkte-Marke

Lexikon: Glossar - Aktienmarkt von A bis Z
Lexikon: Glossar - Aktienmarkt von A bis Z FOTO: dpa, Fredrik Von Erichsen
Frankfurt/Main. Am deutschen Aktienmarkt haben sich am Freitag die Sorgen über den Brexit weiter verflüchtigt. Der Dax legte den vierten Tag in Folge zu und übersprang zeitweise wieder die Marke von 9800 Punkten.

Mit einem Plus von 0,99 Prozent auf 9776 Punkten ging er in das Wochenende und machte inzwischen wieder die Hälfte seines rund zehnprozentigen Kursrutsches nach dem Brexit-Schock wett.

Auf Wochensicht gewann der deutsche Leitindex 2,3 Prozent, hatte den Monat Juni am Donnerstag aber mit einem Verlust von fast sechs Prozent beendet. Die Halbjahresbilanz fiel mit einem Minus von knapp zehn Prozent noch düsterer aus.

Für den MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen ging es am Freitag um 1,32 Prozent auf 20.105 Punkte hoch, während der Technologiewerte-Index TecDax um 1,22 Prozent auf 1620,51 Punkte stieg.

Experten skeptisch

Die kräftige Erholung nach dem Brexit-Schock am deutschen und internationalen Aktienmarkt stimmt Experten für die neue Woche skeptisch. Sie raten Anlegern zur Vorsicht, auch wenn insgesamt nur wenige wichtige Daten und Nachrichten anstehen und die US-Börsen am Montag zum Unabhängigkeitstag geschlossen bleiben.

Am 23. Juni hatten die Briten mit knapper Mehrheit für einen Ausstieg aus der Europäischen Union gestimmt und die Märkte damit auf dem vollkommen falschen Fuß erwischt. Der Dax war zwei Tage auf Talfahrt gegangen und hatte dabei insgesamt rund 10 Prozent eingebüßt. Seit Dienstag standen die Zeichen dann allerdings spürbar auf Erholung.

"Insgesamt ist die Gefahr eines Ausverkaufs an den Aktienmärkten aber noch nicht gebannt", warnte Markus Reinwand von der Helaba. Dass die Verunsicherung so rasch abgenommen haben soll, kann er kaum glauben.

"Zwar lautet eine alte Börsenweisheit "Kaufen, wenn die Kanonen donnern". Dennoch wäre es ungewöhnlich, wenn die Marktteilnehmer nahezu emotionslos wieder zum Tagesgeschäft übergingen."

Seine Kollegin Claudia Windt bezeichnete die aktuelle Situation als "Burgfrieden". Bis das Thema EU-Austritt tatsächlich anstehe, dürfte es dauern. "Und so lange läuft es eben in gewohnter Manier weiter."

Der spannendste Tag der neuen Woche dürfte der Freitag werden. Dann wird der monatliche US-Arbeitsmarktbericht veröffentlicht. Wegen der gestiegenen Risiken infolge der Brexit-Entscheidung wird an den Märkten aber kaum noch mit einer zeitnahen Zinsanhebung durch die US-Notenbank Fed gerechnet - egal wie erfreulich Stellenaufbau und Lohnentwicklung im Juni ausgefallen sein mögen.

Weitere wichtige Konjunkturdaten stehen ansonsten nur für Deutschland an. Am Mittwoch wird der Auftragseingang der Industrie im Mai bekannt gegeben, am Donnerstag die Industrieproduktion. In beiden Fällen gehen die Postbank-Experten von einer leichten Steigerung aus.

Neben Fakten zu den heimischen Pkw-Neuzulassungen im Juni wird das Landgericht Hannover am Montag über eine millionenschwere Entschädigungsklage des Energiekonzerns Eon entscheiden. Infolge der Nuklearkatastrophe von Fukushima vor fünf Jahren war Eon damals gezwungen worden, mehrere Atomkraftwerke für drei Monate abzuschalten. Nun fordert der Konzern dafür Entschädigung.

Die Aktien der Deutschen Börse dürften am Montag wegen der in London anstehenden Abstimmung der LSE-Aktionäre über die Fusion der beiden Marktbetreiber im Fokus stehen. Die London Stock Exchange (LSE) und die Deutsche Börse halten trotz des von den Briten beschlossenen Brexit an ihrem Fusionsplan mit Sitz der Holding in London fest. Letzteres könnte sich allerdings womöglich nun doch noch ändern.

(felt/dpa)
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