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Brüssel
Gefährliche Produkte stammen oft aus China

Brüssel. EU beanstandet meist Spielzeug und Schmuck. Deutschland steht wegen Auto-Rückrufen am Pranger. Von Markus Grabitz

Den Kostüm-Artikel für Kinder führte ein skandinavisches Möbelhaus. Es ist ein schwarzer Umhang, mit dem sich die Kleinen in eine Fledermaus verwandeln können. Doch aus dem Spiel kann schnell eine gefährliche Situation entstehen: Der Verschluss im Nacken hakt, lässt sich nur schwer lösen. Dadurch entsteht die Gefahr, dass Kinder sich strangulieren. Das Spielzeug entspricht auch nicht den Vorgaben der EU-Spielzeugrichtlinie. Auf die Gefahren durch das Batman-Kostüm hat das EU-Schnell-Warn-System (Rapex) am Freitag das erste Mal hingewiesen. Inzwischen hat der Hersteller reagiert und einen Rückruf gestartet.

Jede Woche Freitag geht eine neue Liste mit für Verbraucher gefährlichen Produkten online - darunter das Sauna-Düfte-Set "Rento", dessen Chemie-Cocktail Haut und Augen reizt. Der Lieferant hat das Produkt inzwischen zurückgezogen. Weitere Beispiele: Arbeitshandschuhe mit dem Logo von "Würth" und der Bezeichnung Welderking. Grund der Beanstandung: zu viele Schwermetalle.

Verbraucherkommissarin Vera Jourova hat nun die Bilanz des Schnell-Warn-Systems für 2015 vorgestellt. "Auch 2015 sind Spielzeuge wieder am häufigsten auf unserer Liste." Insgesamt gab es 2123 Beanstandungen, davon 1752, bei denen ein gravierendes Risiko für die Gesundheit der Verbraucher bestand. Das ist ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr. 2015 waren 27 Prozent der beanstandeten Produkte Spielzeuge, 17 Prozent waren Kleidungsstücke, Textilien und Modeartikel. Aber auch Elektroartikel (neun Prozent), ja sogar Autos (rund zehn Prozent) finden sich in der Liste wieder. Bei jedem vierten bemängelten Produkt war die chemische Belastung zu hoch. Betroffen waren vor allem Spielzeuge und Modeschmuck. Bei etwas mehr als jedem fünften gerügten Produkt drohte Verbrauchern eine Verletzung. Weitere Gefahren sind Strangulieren oder Brandgefahr.

Spitzenreiter als Lieferant von gefährlichen Produkten ist unangefochten China mit 1262 Rügen. Jourova will aber China nicht als Sündenbock hinstellen. "Diese hohe Zahl ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass China gerade bei Spielzeugen und Textilien ein großer Lieferant ist."

Nach China ist übrigens Deutschland weltweit das Land mit den meisten Beanstandungen. Bei Produkten aus deutscher Herkunft trifft es immer wieder Autos. So in der Vorwoche, als etwa ein BMW der Siebener Reihe wegen möglicher Probleme beim Airbag beanstandet wurde. Autohersteller kooperieren in der Regel sofort und rufen die betroffenen Fahrzeuge in die Werkstätten zurück.

Internet Die EU veröffentlicht jede Woche neue Alarmmeldungen: http://ec.europa.eu/consumers/rapid-alert-system

Quelle: RP
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