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Düsseldorf
Regierung: Staatshilfe für Deutsche Bank kein Thema

Düsseldorf. Das Unternehmen kommt um eine Kapitalerhöhung wohl nicht herum. Die Aktie stürzt auf ein Rekordtief. Von Georg Winters

Die Spekulationen um die Notwendigkeit einer Kapitalspritze für die Deutsche Bank reißen nicht ab. Mittlerweile gibt es viele Stimmen in Finanzkreisen, die glauben, das Geldhaus komme nach neuerlichen Milliardenforderungen aus den USA nicht um eine Kapitalerhöhung herum. Gestern hat die Aktie siebeneinhalb Prozent auf das Rekordtief von 10,55 Euro verloren, nachdem aus Berlin zu hören gewesen war, dass es vor der Bundestagswahl 2017 keine Staatshilfe für den Konzern geben solle. Die Bank ist an der Börse nur noch 15,8 Milliarden Euro wert.

Ob überhaupt jemand nach Staatshilfe gefragt haben könnte,spielte für die Reaktion an den Märkten keine Rolle mehr. Für die Bundesregierung ist das Ganze derzeit kein Thema. "Es gibt keinen Anlass für solche Spekulationen, wie sie da angestellt werden, und die Bundesregierung beteiligt sich auch an solchen Spekulationen nicht", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Er geht davon aus, dass die Deutsche Bank in den USA so fair behandelt wird wie andere.

Rund 12,5 Milliarden Euro hat das US-amerikanische Justizministerium wegen der Verstrickungen der Deutschen Bank in die Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten gefordert. So hoch dürfte die Zahlung vermutlich nicht ausfallen. Aber sie wird schmerzhaft genug sein, um die Bank noch weiter von ihren Kapitalzielen zu entfernen, als das ohnehin schon der Fall ist. Ende Juni kam die Deutsche Bank auf ein hartes Kernkapital von knapp 44 Milliarden Euro, was einer Quote von 10,8 Prozent entsprach. Wollte die Bank die Quote von 12,5 Prozent erreichen, die Vorstandschef John Cryan ihr für 2018 verordnet hat, müsste sie etwa sieben Milliarden Euro an hartem Kernkapital zulegen. Oder eben sogenannte risikogewichtete Aktiva abbauen, was aber die Bedeutung auf den globalen Märkten weiter verringern würde. Bessere Zahlen braucht die Bank jedenfalls dringend, damit sie von den Rating-Agenturen nicht noch weiter abgestraft wird. Moody's hat die Bonität gesenkt, auf ein Niveau, das noch zwei Stufen über Ramschniveau liegt. Begründung: Zu viel Regulatorik und zu niedrige Zinsen verhinderten, dass die Bank schnell genug die Wende schaffen könne.

Fazit: Das Unternehmen kommt um eine Kapitalerhöhung vermutlich nicht herum, auch wenn ein Sprecher betont hat, die Bank erfülle alle regulatorischen Auflagen, und darum stelle sich die Frage derzeit nicht. Derzeit. Zwar kann man darauf spekulieren, dass sich beim Rechtsstreit in den USA nicht die Maximalforderung der Behörden durchsetzt. Aber es könnten auch deutlich mehr sein als die drei bis vier Milliarden Euro, mit denen die Deutsche Bank leben könnte. Mitten im Präsidentschaftswahlkampf wird sich die Obama-Administration kaum den Vorwurf gefallen lassen wollen, zu milde gegen die Bank vorgegangen zu sein.

Für Deutschlands Branchenführer geht es in den Vereinigten Staaten nicht nur um die Aufarbeitung der Subprime-Krise, sondern auch um mögliche Verstöße gegen die Iran-Sanktionen der Amerikaner und um weitere Ermittlungen wegen eines Kartellverdachts bei der Manipulation von Zinssätzen. Da könnte es gut sein, dass 5,5 Milliarden Euro, die die Bank für Rechtsstreitigkeiten zurückgestellt hat, schneller verbraucht sind als gedacht.

Quelle: RP
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