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Hamburg/Berlin
Shell und Co.: Erdgas-Zapfsäulen vorerst stilllegen

Hamburg/Berlin. Nach der Explosion des Gastanks eines Tourans warnt Volkswagen erneut vor dem Betrieb der rückgerufenen Autos.

Was vergangenen Freitag die Explosion des Gastanks ausgelöst hat, bei der ein Mann im niedersächsischen Duderstadt schwer verletzt wurde, ist noch unklar. Medienberichten zufolge ermittelt die Staatsanwaltschaft Göttingen zu den Umständen der Explosion, die auch die Rückruf-aktion des betroffenen VW Touran in ein neues Licht rückt. Die größten Tankstellenbetreiber Deutschlands wollen auf der sicheren Seite bleiben und haben ihre Pächter aufgefordert, die Zapfsäulen für Erdgas zunächst abzuschalten. Die werden meist von regionalen Anbietern betrieben, so dass Aral, Esso, Shell, Jet und Total nur "Empfehlungen" aussprechen können.

"Mögliche Gründe für die Explosion gibt es viele", sagt Gabriele Radke, Sprecherin des Esso-Konzerns Exxon Mobil. So könne die Ursache beim Fahrzeug, beim Kraftstoff und der Zapfanlage liegen. Letzteres bestreitet der Geschäftsführer der betroffenen Aral-Tankstelle jedoch. Auch eine Verkettung unglücklicher Umstände hält Radke für möglich: "Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass Erdgasfahrzeuge sicher sind und das Betanken auch." Es seien derzeit 100.000 Erdgasfahrzeuge in Deutschland auf den Straßen, ein vergleichbarer Unfall sei noch nie aufgetreten. Wie die anderen Tankstellenbetreiber betont auch Esso, dass die gestern ausgesprochene Empfehlung nur "vorübergehend" gelte und "kurzfristig" sei. Bei Total ist eine Betankung sogar weiterhin möglich - allerdings nicht für Besitzer der Erdgasmodelle des VW Caddy, Passat und Touran, die allesamt vergangene Woche wegen unsicherer Gastanks zurückgerufen wurden. Autos neuerer Bauart und die erdgasbetriebenen Modelle Golf und Up sind vom Rückruf unberührt.

"Es ist unwahrscheinlich, dass die Zapfsäule verantwortlich war", sagt ein VW-Sprecher. Man gehe davon aus, dass die Explosionsursache beim Gastank des Touran liegt, der mit Baujahr 2006 zu den vom Rückruf betroffenen Jahrgängen (2006 bis 2010) zählt. Der Fahrer hatte dem Sprecher zufolge vor dem Unfall sogar schon eine Werkstatt zur Umrüstung kontaktiert: "Nach unseren Erkenntnissen war das Fahrzeug aber noch nicht umgerüstet." VW betont, die Rückrufaktion schon lange vorher kommuniziert zu haben - auch der Touran-Fahrer in Duderstadt soll einen Brief bekommen haben. Zudem stehe man mit den Mineralölkonzernen im Gespräch, um an den Tankstellen durch Aushänge und andere Maßnahmen klarzumachen, dass die rückgerufenen Modelle nicht mehr im Erdgasbetrieb, sondern ausschließlich über den kleinen Benzintank gefahren werden sollten. Allein 900 der betroffenen Tourans führen immer noch mit den alten Gastanks, die durch Salz, Wasser und Steinschlag korrodieren und somit zur Gefahr werden könnten. "Das kann nach einem Jahrzehnt passieren", sagt der Volkswagen-Sprecher.

(bur/dpa)
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