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New York
Telekom-Riese AT&T wird mit Megadeal zum Film-Konzern

New York. Kassenschlager wie "Harry Potter" kommen künftig von AT&T: Das Unternehmen will Time Warner für 78 Milliarden Euro kaufen.*

In den USA bahnt sich eine Megafusion an: Der Telekom-Konzern AT&T will Time Warner für 85 Milliarden Dollar (78 Milliarden Euro) übernehmen. Damit will AT&T die Zeit als Netzkonzern überwinden und zu einem Mischkonzen aufsteigen. Denn mit Time Warner kommen auch wichtige Medienunternehmen an AT&T: der Nachrichtenkanal CNN, das Hollywood-Studie Warner Bros, das etwa die Rechte an Kassenschlagern wie "Batman" und "Harry Potter" hält, und der Pay-TV-Sender HBO, der die Serie "Game of Thrones" und "Sex and the city" produziert.

Mit dem Deal folgt AT&T einem neuen Trend in der amerikanischen Wirtschaft. Bisher gab es auf der einen Seite Konzerne, die Netze für schnelles Internet und Telefonie bauen. Auf der anderen Seite gab es Medienkonzerne, die auf Zeitungen, TV- und Rundfunk-Sender setzen. Nun bringen Online-Firmen wie Netflix und Amazon mit ihrem Medienangebot die zweigeteilte Welt durcheinander: Netzbetreiber fürchten, dass sie zum simplen Halter "dummer Leitungen" werden, die klassischen Medienkonzerne verlieren immer mehr und vor allem junge Kunden an Online-Videotheken und Streaming-Dienste. Durch den Siegeszug der Smartphones, auf denen sich nicht nur kurze Videoclips, sondern ganze Filme sehen lassen, setzt sich dieser Trend fort.

Durch eine Fusion wollen Netz- und Medienkonzerne nun gemeinsam gegen aggressive Aufsteiger wie Netflix vorgehen. Auch der Kabel-anbieter Comcast hat diesen Weg eingeschlagen. Comcast kaufte 2011 NBC-Universal mit dem TV-Sender NBC und dem traditionsreichen Hollywood-Filmstudio Universal. Der Kabelkonzern Verizon übernahm 2015 die AOL-Gruppe, zu der Medien wie die "Huffington Post" gehören, und will nun den angeschlagenen Internet-Pionier Yahoo schlucken.

AT&T ist seit Langem auf der Suche nach Partnern: 2011 hatten die Amerikaner versucht, den deutschen Konkurrenten T-Mobile zu schlucken, waren aber am Widerstand der Kartellbehörden gescheitert. Mit der Übernahme von Time Warner kommt AT&T nun offenbar auch einem Konkurrenten zuvor: Apple soll sich laut Medienberichten bereits vor Monaten für Warner interessiert haben.

In Deutschland ist man noch nicht so weit. Hier wollen sich die Telefonkonzerne zwar auch breiter aufstellen. So schlüpfte Kabel Deutschland bei Vodafone unter, die Deutsche Telekom hat ein eigenes Entertain-Angebot aufgebaut. Doch um die Ausstrahlung exklusiver Nachrichten und Film-Inhalte geht es hierzulande (noch) nicht.

Die Übernahme von Time Warner bedeute das Zusammengehen zweier Unternehmen, die sich perfekt ergänzten, sagte AT&T-Chef Randall Stephenson. "Ein großes Ärgernis für Kunden ist, dass sie für Inhalte zahlen und dann nicht überall und auf jedem Gerät Zugriff darauf haben", so Stephenson. "Unser Ziel ist es, das zu ändern."

Der Deal ist die größte Übernahme im Jahr 2016 - und größer als der Kauf des US-Gentechnikkonzerns Monsanto durch Bayer für 59 Milliarden Euro. AT&T will 107,50 Dollar pro Aktie zahlen und zwar zur Hälfte in bar und zur Hälfte in Aktien, die Schulden steigen stark an. Die Übernahme soll bis Ende 2017 abgeschlossen werden. Die Time-Warner-Aktionäre und die Kartellbehörden müssen noch zustimmen. Time-Warner-Konkurrent Disney rief zu einer gründlichen Prüfung der Wettbewerbshüter auf.

Präsidentschaftskandidat Donald Trump kündigte an, er werde im Fall eines Wahlsiegs versuchen, die Übernahme zu verhindern. Der Deal würde eine zu große Machtfülle in zu wenigen Händen bedeuten. Ohnehin würden die Medien schon heute "von zu wenigen kontrolliert", so Trump.

(anh/dpa)
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