| 13.31 Uhr

Papier deutlich überzeichnet
Ansturm auf neue griechische Staatsanleihen

Euro-Länder in der Schuldenfalle
Euro-Länder in der Schuldenfalle FOTO: AP
Athen (RPO). Nach den überwiegend positiven Reaktionen auf sein verschärftes Sparprogramm hat Griechenland eine neue zehnjährige Staatsanleihe auf den Finanzmarkt gebracht. Das Papier stieß sofort nach der Ausgabe am Donnerstag auf reges Interesse und war schon nach einer Stunde deutlich überzeichnet.

Für das vorgesehene Volumen von maximal fünf Milliarden Euro gingen Angebote im Umfang von sieben Milliarden Euro ein, wie die Behörde für die Bewältigung der Schuldenkrise mitteilte.

Die Regierung in Athen beauftragte fünf Banken mit der Ausgabe der Anleihe. Neben der Nationalen Bank Griechenlands und der Piräus-Bank sind dies die internationalen Banken Barclays Capital, HSBC und Nomura. Griechenland muss bis Mai rund 20 Milliarden Euro Schulden umfinanzieren. 13 Milliarden Euro sind bislang aufgebracht worden, unter anderem über staatliche Schatzanleihen. Jegliche Schritte in diese Richtung werden von den Finanzmärkten genauestens verfolgt.

Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, zeigte sich überzeugt vom Erfolg des verschärften griechischen Sparprogramms: "Die Griechen machen einen großen Schritt, der deutlich über das Gefragte hinausgeht", sagte Stark der Tageszeitung "Die Welt".

Das Direktoriumsmitglied der EZB war am Montag gemeinsam mit EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn nach Griechenland gereist, um mit der Regierung über das Sparprogramm des Mittelmeerstaates zu beraten. Vor Ort habe er neue Entschlossenheit erlebt, die harten Spaßmaßnahmen umzusetzen, sagte Stark.

Aufruf zum Verkauf unbewohnter Inseln

Dutzende Gewerkschaftsmitglieder protestierten am frühen Donnerstagmorgen vor dem Finanzministerium in Athen erneut gegen die Sparpläne, mit denen die Regierung die Schuldenkrise in den Griff bekommen will. Sie hängten an der Gebäudefassade ein riesiges Spruchband auf mit dem Slogan "Steht auf - geht auf die Straße gegen diese unpopulären Maßnahmen". Angestellte der nationalen Fluggesellschaft Olympic Airways besetzten das zentrale Verwaltungsgebäude. Im Laufe des Tages war eine Großdemonstration in Athen geplant.

Angesichts des bevorstehenden Berlin-Besuchs des griechischen Ministerpräsident Georgios Papandreou am (morgigen) Freitag versicherte der stellvertretende Außenminister Dimitris Droutsas, dass Athen keine deutsche Finanzhilfe erwarte. Sein Land setze zwar auf Vertrauen und Solidarität der EU-Partner und insbesondere Deutschlands, nicht aber auf finanzielle Unterstützung, sagte Droutsas im ARD-Morgenmagazin.

Politiker von CDU und FDP forderten die griechische Regierung angesichts der Schuldenkrise zum Verkauf von Staatseigentum auf. Unter anderem regten sie im Interview der "Bild"-Zeitung die Veräußerung unbewohnter Inseln an. "Ein Bankrotteur muss alles, was er hat, zu Geld machen - um seine Gläubiger zu bedienen. Griechenland besitzt Gebäude, Firmen und unbewohnte Inseln, die für die Schuldentilgung eingesetzt werden können", wurde der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung MIT, Josef Schlarmann, zitiert.

(AP/csr)
 
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