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Fragen und Antworten
Was Sie zur Schlichtung bei der Lufthansa wissen müssen

Lufthansa AG: Flugbegleiter verzichten bis Juni auf Streiks
Bei der Lufthansa hat es eine Einigung gegeben. FOTO: AP, AP
Frankfurt/Main. Die Lufthansa einigt sich mit ihren Flugbegleitern beim Streitthema Renten. Die Schlichtung bei der Fluglinie macht Fortschritte.

"Schlichten und Schweigen" - mit diesem Motto hat Matthias Platzeck bei der Lufthansa einen ersten großen Erfolg erzielt. In einem dreitägigen Marathon erreichten die Kontrahenten Lufthansa und die Flugbegleitergewerkschaft Ufo zwar noch keine endgültige Einigung, aber Meilensteine in zentralen Tariffragen für rund 19.000 Flugbegleiter. Bis zum Sommer hat der frühere Ministerpräsident von Brandenburg nun Zeit, noch die letzten Probleme aus der Welt zu schaffen.

Wie lange sind Streiks nun ausgeschlossen? Die Flugbegleiter dürfen wegen der vereinbarten Friedenspflicht zur Schlichtung bis zum 30. Juni nicht streiken. Das Bodenpersonal besitzt bis Ende 2017 einen Verdi-Tarifvertrag. Anders ist die Situation bei der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), die 13 Streiks seit April 2014 organisiert hat und dies jederzeit wieder tun könnte. Nach Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Hessen haben die Piloten aber für unzulässige Ziele gestreikt. Die VC will eine juristische Klärung und hat mit Lufthansa wieder Verhandlungen aufgenommen.

Was ist für die Flugbegleiter genau vereinbart worden? Sicher ist bislang nur der Gehaltstarifvertrag mit 3000 Euro Einmalzahlung für 2015 und 2,2 Prozent Steigerung in diesem Jahr. Der Vertrag läuft aber zum 30. September aus, so ist im Herbst mit neuen Verhandlungen zu rechnen. Wichtiger ist die generelle Übereinkunft zu den Übergangs- und Betriebsrenten, bei der aber noch viele Details offen stehen. Über sie soll zunächst bis zum 15. Februar verhandelt werden. Im Zweifelsfall gehen die Probleme in die Platzeck-Schlichtung.

Kann das Ganze noch scheitern? Ja. Bei Ufo herrscht immer noch großes Misstrauen, dass Lufthansa sich "Hintertürchen" offenhalten könnte. Werden die noch offenen Renten-Details nicht im beiderseitigen Einverständnis geklärt, kippt der erreichte Kompromiss. Außerdem steht die ganze Vereinbarung unter dem Vorbehalt, dass die Ufo-Mitglieder ihr in einer erneuten Urabstimmung zustimmen müssten.

Werden die Flugbegleiter mit dem neuen System besser oder schlechter als bislang gestellt? Das kann man noch nicht genau sagen, weil beide Seiten zu Details schweigen. Klar ist, dass Lufthansa künftig nicht mehr die Betriebsrenten in ihrer Höhe garantiert, sondern nur noch fest definierte Beiträge zahlt. Wie hoch die sind und welche Zinsentwicklung bei den Beispielrechnungen zugrunde liegt, ist bislang nicht bekannt. Das für langfristige Geldanlagen sehr wichtige Zinsrisiko tragen aber künftig die einzelnen Flugbegleiter. Positiv ist für sie, dass nicht abgerufene Leistungen aus der Übergangsversorgung nun auf die Betriebsrente angerechnet werden können. Wer also länger als bis 55 fliegt, bekommt später eine höhere Betriebsrente.

Und um was wird es noch in der Schlichtung gehen? Es gibt eine Liste von Problemen zur Arbeitsorganisation der Flugbegleiter, die sogenannte Agenda Kabine. Auch soll über die nächste Gehaltsrunde ab Oktober und die nicht gelösten Details zu den Rentenfragen geredet werden. Neben der Schlichtung gibt es zudem Gespräche über die Arbeitsbedingungen bei der teils im Ausland angesiedelten Billig-Tochter Eurowings und über Wechselmöglichkeiten innerhalb der Lufthansa-Gesellschaften. Ufo will etwa Eurowings-Kräften den späteren Wechsel zur Lufthansa-Mutter offen halten.

Welche Rolle spielt Schlichter Matthias Platzeck? Eine heilsame. Die aktuelle Vereinbarung ist unter seinem Vorsitz im dreitägigen Verhandlungs-Marathon erreicht worden, der offiziell als Vorgespräch zur Schlichtung galt. Dabei war klar, dass Ufo keine lange Friedenspflicht akzeptieren würde, wenn nicht die Rentenfrage zumindest in Grundzügen geklärt ist. Platzeck soll in den Gesprächen sehr besonnen gewirkt haben.

(dpa)
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