| 19.08 Uhr

VW und Zulieferer
Gestoppte Autoproduktion und kein Ende im Machtkampf

Machtkampf zwischen Volkswagen und Zulieferern geht weiter
In Wolfsburg wird für mindestens eine Woche kein Golf gebaut FOTO: dpa, scg fdt
Wolfsburg/Braunschweig. Volkswagen hat im Streit mit zwei Zulieferern die Justiz auf seiner Seite. Das Landgericht Braunschweig hat die Lieferanten per einstweiliger Verfügung verdonnert, ihre Teile zur Verfügung zu stellen. Am Ende könnte sogar der Gerichtsvollzieher ausrücken.

Die beispiellose Machtprobe zwischen Europas größtem Autobauer Volkswagen und zwei kleinen Zulieferern geht weiter. Der Streit droht große Teile der Produktion lahm zu legen. Das Landgericht Braunschweig betonte am Freitag, dass VW bereits alle nötigen Voraussetzungen für die Herausgabe fehlender Teile erwirkt habe. Der Konzern kündigte an, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um ein Ende des Lieferstopps bei externen Partnern durchzudrücken. Fehlende Sitzbezüge und Getriebeteile zwingen Volkswagen zu einem teilweisen Fertigungsstopp und Kurzarbeit.

Die Zulieferer wiesen eine Verantwortung für die Misere zurück, VW trage selbst die Schuld an der Eskalation. "Für die Krise bei VW und die dadurch entstandene Kurzarbeit sind wir nicht verantwortlich", sagte der Geschäftsführer der ES Automobilguss, Alexander Gerstung, einer Mitteilung zufolge. ES und der Sitzspezialist Car Trim - eine ES-Schwester - verweigern trotz der einstweiligen Verfügungen dem Autobauer die Lieferung der Teile, für die VW zumindest kurzfristig keinen Ersatz bei anderen Zulieferern bekommen kann.

Erst Überstunden abbauen, dann Kurzarbeit

Am Samstag wird daher die Fertigung des wichtigsten Modells Golf im Stammwerk Wolfsburg für mindestens eine Woche vorläufig ausgesetzt. Von Montag (22. August) bis einschließlich kommenden Samstag (27. August) soll dann die Arbeit auf den Montagelinien und in anderen Teilen der Produktion ruhen, wie die Deutsche Presse-Agentur von VW-Mitarbeitern erfuhr. Entsprechende Schichten entfallen.

Der Konzern wolle "bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen" Kurzarbeitergeld für die betroffenen Mitarbeiter beantragen. Zuerst müssten aber teilweise Überstunden abgebaut werden. In Emden hatte VW bereits vor einer Woche für 7500 Menschen Kurzarbeit angemeldet. Das Unternehmen prüft dies auch für die Standorte Braunschweig, Zwickau, Kassel und eben Wolfsburg. Die Bänder der ebenfalls am Stammsitz hergestellten Modelle Tiguan und Touran müssen nicht ruhen.

Beide Seiten wollen Einigung erzielen

Die genauen Hintergründe des Streits liegen weiter im Dunkeln. Aus Sicht von ES und Car Trim ist die schwierige Lage Folge einer frist- und grundlosen Kündigung von Aufträgen seitens VW. Volkswagen habe keinen Ausgleich dafür gewährt. Deswegen "sahen sich Car Trim und ES Automobilguss letztlich zum Lieferstopp gezwungen", heißt es in der Mitteilung. Dennoch sei man an einer Einigung interessiert: "Wir streben nach wie vor eine einvernehmliche Lösung mit VW an und sind offen für entsprechende Vorschläge." Auch ein VW-Sprecher sagte, man versuche, weiterhin eine gütliche Einigung herbeizuführen.

Der Volkswagenzulieferer Car Trim weist eine Verantwortung zurück FOTO: dpa, bod fdt

Harschere Töne kamen vom zweitgrößten VW-Aktionär, dem Land Niedersachsen. Der bereits beträchtliche Schaden würde sich mit jedem Tag vergrößern, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in Hannover. Sollte die Verhandlungslösung scheitern, müsse Druck ausgeübt werden. "Dann wird man auch Zwangsmaßnahmen aufnehmen müssen", meinte Weil.

VW will alle Möglichkeiten nutzen, um an die fehlenden Teile zu kommen. Am Ende könnte also der Gerichtsvollzieher zur Not mit der Polizei im Schlepptau die dringend benötigten Teile vom Lieferanten holen. Der Autobauer sei gezwungen, "die zwangsweise Durchsetzung der Belieferung vorzubereiten, und zwar mit den uns zur Verfügung stehenden gesetzlich vorgesehenen Mitteln. Dazu gehören Ordnungsgeld, Ordnungshaft, Beschlagnahme, die über das Gericht beantragt werden", sagte ein VW-Sprecher.

(crwo/dpa)
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