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Wettbewerbsfähig bleiben für Firmen
Telekom plant bis zu 4000 Entlassungen

Wettbewerbsfähig bleiben für Firmen: Telekom plant bis zu 4000 Entlassungen
Spitzelaffäre bei der Telekom: "Da haben einige ganz schön große Augen gemacht." FOTO: ddp, ddp
Bonn (RP). Die Telekom will ihre Geschäftskundensparte wettbewerbsfähiger machen. Viele Mitarbeiter müssen gehen – notfalls durch betriebsbedingte Kündigungen. Von Silke Fredrich

Die Firmenkundensparte T-Systems ist seit Jahren der Verlustbringer der Deutschen Telekom. Das soll sich nun ändern. Dazu will der Konzern erstmals in der Firmengeschichte Personal auch mit betriebsbedingten Kündigungen abbauen. "Sollten unsere sozialverträglichen Maßnahmen nicht ausreichen, kann ich in letzter Konsequenz betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen", sagte Personalvorstand Thomas Sattelberger im Gespräch mit unserer Zeitung.

Wie viele Stellen genau wegfallen werden, hängt laut Telekom von der Geschäftsentwicklung in diesem Jahr und möglichen Zu- sowie Verkäufen bis zum Jahr 2010 ab. Nach Informationen aus Konzernkreisen stehen weltweit bei T-Systems bis zu 4000 Stellen auf der Kippe.

Um T-Systems rasch zurück in die Erfolgsspur zu bringen, stellt Personalvorstand Sattelberger den Beschäftigten heute ein neues Abfindungsprogramm vor. Von September 2008 bis Februar 2009 sollen sich Mitarbeiter entscheiden, ob sie mit einer Abfindung freiwillig aus dem Unternehmen ausscheiden. Die Telekom hat Personal bisher stets ohne betriebsbedingte Kündigungen abgebaut. Seit der Privatisierung 1995 hat die Telekom jedes Jahr rund 10 000 Stellen über umfangreiche Sozialprogramme reduziert.

T-Systems hat in Deutschland fast 40.000 Beschäftigte. In NRW hat das Unternehmen unter anderem Standorte in Köln, Siegen und Bielefeld. Umsätze und Gewinne der Firmenkundensparte schrumpften im vergangenen Jahr merklich, rettende Großaufträge blieben aus. Nach monatelanger Suche fand das Unternehmen mit dem US-Dienstleister Cognizant schließlich einen Partner, um effizienter zu arbeiten. T-Systems-Chef Reinhard Clemens hatte bereits vor einigen Monaten angekündigt, den Gewinn bis 2010 um eine Milliarde Euro und den Umsatz um drei Milliarden Euro steigern zu wollen.

Doch die Telekom verändert sich in ihrer Personalstruktur im Ganzen. Während die neuen Servicegesellschaften T-Service wachsen, drohen Standortverlagerungen bei kleinen Callcentern in der Fläche. "Stützpunkte mit wenigen Dutzend Mitarbeitern können auf Dauer nicht wirtschaftlich genug arbeiten. Daher werden wir uns hier auf wettbewerbsfähige Standortgrößen konzentrieren", sagte Sattelberger. Andererseits sollen effektive Standorte ausgebaut werden und auf "beste Standards modernisiert werden". Wie viele Standorte betroffen sind, wollte der Personalvorstand gestern nicht sagen.

Sattelberger hofft, dass möglichst viele Beschäftigte sich für das neue Abfindungsprogramm entscheiden. Eine Auseinandersetzung mit der Gewerkschaft Verdi will er möglichst vermeiden. Neben der Abfindung könnten Mitarbeiter eine so genannte Outplacement-Beratung in Anspruch nehmen. Diese vermittele Entlassene in neue Jobs.

Trotz der harten Einschnitte stellte Sattelberger gestern gegenüber unserer Zeitung klar: Ein Komplettverkauf von T-Systems ist ausgeschlossen. Über diesen war auf dem Höhepunkt der Krise immer wieder spekuliert worden.

Quelle: RP
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