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Düsseldorf
Zinsbroker im Internet - was Geldanleger beachten sollten

Düsseldorf. Wer derzeit via Internet bessere Zinsen für sein Tagesgeld oder Festgeld sucht, stößt immer öfter auf die Angebote neuer Zinsbroker. Sie versprechen, die Geldanlage unkompliziert an Banken im EU-Ausland zu vermitteln und so deutlich höhere Zinsen zu ermöglichen. Sie werben teils mit bis zu drei Prozent für mehrere Jahre fest, etwa in Tschechien, Polen, Bulgarien oder auf Malta. Das Prinzip der derzeit drei Vermittlungsunternehmen ist dabei sehr ähnlich: Von Andreas Kunze

Deutsches Verrechnungskonto Das wird bei einer deutschen Bank eröffnet. Nur dafür muss der Sparer ein Mal das übliche und meist als lästig empfundene Legitimationsverfahren durchlaufen (Postident). Das Verrechnungskonto dient dann als Drehscheibe - von dort kann der Sparer zu jeder Partnerbank des Zinsbrokers sein Geld überweisen, und zwar ohne neue Legitimation.

EU-Einlagensicherung Die Partnerbanken befinden sich im EU-Raum und unterliegen damit der einheitlichen Einlagensicherung. Mindestens 100.000 Euro sind seit 2011 garantiert, einzelne Staaten sehen höhere Summen vor. Im Fall einer Bank-Insolvenz muss die Auszahlung der Einlagensicherung innerhalb von 20 Arbeitstagen erfolgen.

Wichtig dabei: Die Zinsbroker sind keine Bank und nehmen auch kein Geld entgegen. Ihr Geschäft besteht darin, dass sie von den vermittelten Banken eine Provision erhalten - so wie jedes Vergleichsportal im Internet üblicherweise eine Provision bekommt, wenn ein Nutzer über einen Link weitergeleitet wird.

Ausländische Banken zahlen höhere Zinsen wegen geringerer Kosten und schwächerer Bonität. Es handelt sich vielfach um Banken, die ein höheres Insolvenzrisiko haben und deshalb mehr Zins bieten müssen. Die EU-Einlagensicherung dürfte zwar verlässlich sein, letztlich müsste der jeweilige Staat oder die EU für Verluste aufkommen. Jedoch sollte ein deutscher Sparer sich darauf einstelle, dass es im Insolvenzfall schon wegen Sprachschwierigkeiten dauern kann, bis das Geld gutgeschrieben wird. Worauf man außerdem achten sollte:

Währung Bei einem EU-Land muss die Anlage nicht zwingend in Euro erfolgen. Deshalb besteht ein Währungsrisiko.

Zinsgutschriften Vor allem bei einer längerfristigen Anlage ist darauf zu achten, wann die Zinsen ausgeschüttet werden. Sind sie endfällig, werden also erst zum Beispiel nach 24 Monaten oder später ausgezahlt, entgeht dem Sparer der Zinseszins-Effekt, zudem kann bei großen Summen der Steuer-Freibetrag überschritten werden.

Sparer könnten auch direkt bei einer Bank in einem EU-Land anlegen, aber dann ist jeweils eine Kontoeröffnung nötig, die wegen der Legitimation oft vor Ort gefordert wird.

Quelle: RP
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