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Düsseldorf
Zinsen runter - Bankgebühren rauf

Düsseldorf. Die Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank hat Folgen. Die höheren Kosten geben viele Banken und Sparkassen an ihre Kunden weiter - über die EC-Karte, die Kontoführung oder Gebühren für beleghafte Überweisungen. Von Georg Winters

Für den Commerzbank-Kunden war am Tag nach Ostern der Hinweis auf seinem Kontoauszug alles andere als eine frohe Botschaft: "Ab 1. Juni 2016 werden wir beleghafte Überweisungen mit 1,50 Euro je Vorgang bepreisen. Beleglose Überweisungen" (das sind Online-Transaktionen und Zahlungen am SB-Terminal) "und alle anderen Leistungen ihres Null-Euro-Kontos können Sie weiter kostenlos nutzen." Drei Tage zuvor hatte eine Sprecherin noch betont, man schaue sich regelmäßig die Gebühren an, werde aber "keine unüberlegte Veränderung" vornehmen. Da war die Gebührenerhöhung vermutlich längst beschlossen.

Nun ist die Commerzbank nicht das einzige Institut, das sich solche Dienstleistungen vom Kunden vergüten lässt. Und 1,50 Euro pro beleghaftem Zahlungsvorgang sind auch nicht der Spitzenwert. Aber die Bank gehört mit der Erhöhung zu jenen, deren veränderte Preispolitik als Reaktion auf die höheren Negativzinsen gilt, die die Europäische Zentralbank den Banken für deren Einlagen bei der Notenbank abverlangt. Dem Strafzins könnten die Banken natürlich entgehen, wenn es an den Kapitalmärkten attraktive Angebote für die Anlage der Kundengelder gäbe. Aber wo bitte schön findet man solche Gelegenheiten?

Der Fall Commerzbank zeigt, wohin der Zug fährt: Jene, die Online-Banking betreiben oder ihre Überweisungen zumindest am SB-Terminal selbst auf den Weg bringen, werden nicht stärker zur Kasse gebeten als bisher. Draufzahlen müssen häufig jene, die Formulare von Hand ausfüllen und dann wie in guten alten Zeiten in die Box in der Filiale werfen oder am Schalter abgeben. Das sind in der Regel ältere Menschen, die den Umgang mit der Technik nicht gelernt haben und sich schwer tun mit Online-Banking. "Der Wettbewerb findet auf Kosten derer statt, die auf eine Filiale vor Ort angewiesen sind", sagt Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband, "das sind die Kunden, die von den Banken etwa mit teuren Entgelten für beleghafte Überweisungen abgezogen werden, weil sie das Internet nicht nutzen können oder wollen."

Aber sie sind nicht die Einzigen, die einen Aufpreis zahlen. Bei der Stadtsparkasse Düsseldorf wird neuerdings bei jeder Bareinzahlung durch Gewerbetreibende eine Gebühr fällig. Die Stadtsparkasse begründet dies mit der neuen EU-Bargeldüberprüfungsverordnung. Anderswo muss der Kunde schon länger zusätzlich zahlen. Bei der Sparkasse Köln/Bonn beispielsweise sind beleghafte Überweisungen und Bareinzahlungen kostenfrei - wenn man Kontomodelle wählt, die 7,95 Euro oder 12,25 Euro pro Monat kosten. Wer das nicht will, zahlt bis zu 2,50 Euro pro beleghafter Überweisung und genauso viel für eine Bareinzahlung.

Ein besonders auffälliges Beispiel hat die "Süddeutsche Zeitung" gefunden. Bei der Braunschweigischen Landessparkasse müsse man künftig fünf oder zehn Cent für jeden Zahlungsvorgang beim Konto bezahlen. Das heißt: auch wenn man per Karte oder Dauerauftrag zahlt. Die Gebühr kann man sparen - wenn man 7,50 Euro monatlich pauschal zahlt.

Für Kontobewegungen per EC-Karte zahlen zu müssen, war lange undenkbar. Aber es häufen sich die Fälle. Bei der Sparda-Bank West beispielsweise werden seit Monatsanfang pauschal zehn Euro pro Jahr fällig, die eine Sprecherin mit den Veränderungen beim Händlerentgelt begründet. Umgerechnet sind das zwar nur gut 83 Cent im Monat, aber damit ist das Girokonto nicht mehr kostenlos. Das Gleiche gilt für Überweisungen auf Papier. 2015 verlangte die Postbank für beleghafte Überweisungen 99 Cent je Vorgang, viele andere zogen nach. Aktuell gibt es laut Postbank-Sprecher "keine konkreten Entscheidungen in Bezug auf die künftige Preisgestaltung. Es ist aber auch klar, dass die Postbank ihre Dienstleistungen und Produkte dauerhaft nicht grundsätzlich kostenlos anbieten kann". Wink mit dem Zaunpfahl?

Quelle: RP
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