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VW-Abgas-Skandal
So schädlich ist Stickoxid für die Gesundheit

So schädlich ist Stickoxid für die Gesundheit
FOTO: Shutterstock/ssuaphotos
Düsseldorf . Elf Millionen Diesel-Fahrzeuge von VW stoßen mehr Stickoxid aus als zugelassen. Ein Skandal ist das natürlich, weil die Firma den Verbraucher damit absichtlich hinters Licht geführt hat. Aber es gibt noch einen weiteren Grund: Stickoxid ist äußerst gesundheitsgefährdend. Von Susanne Hamann

Allergien, Asthma und Herz-Kreislauferkrankungen können angeboren sein. Sie können jedoch auch erst im Laufe des Lebens entstehen. Besonderer Risikofaktor dafür sind neben dem individuellen Lebenswandel auch die Umwelteinflüsse, denen eine Person ausgesetzt ist.

Außer an nebligen Tagen nicht wirklich sichtbar, und deshalb oft unterschätzt wird etwa die Luft. Wie sauber sie ist – oder mit welchen Partikeln sie durchsetzt ist – ist wesentlich für die menschliche Gesundheit. Ob die Luft in einer Region sauber ist oder nicht, wird durch viele Aspekte beeinflusst, hauptverantwortlich ist laut Statistiken des Bundesumweltamtes aber der Straßenverkehr.

Was passiert, wenn zu viel Stickoxid in der Luft ist?

Am gefährlichsten für den Menschen sind die drei "Luftverschmutzer": Ozon, Feinstaub und Stickoxid. Wobei vor den Stickoxiden inzwischen am meisten gewarnt wird. Stickoxide, kurz NOx genannt, entstehen bei der Verbrennung von Treibstoff im Motor. Im Gegensatz zu Kohlendioxid, das das Klima über Jahre beeinflusst, wirkt sich NOx (und dabei vor allem das Stickstoffdioxid NO2) bei zu hoher Konzentration direkt auf den Menschen aus.

Besonders Diesel-Motoren stoßen eine hohe Menge der Gase aus. Weil die inzwischen allerdings auch rund die Hälfte der neu zugelassenen Autos ausmachen, schlägt das Bundesumweltamt längst Alarm "Stickstoffdioxid, das hauptsächlich aus Kfz-Abgasen stammt, entwickelt sich zum Schadstoff Nummer eins", zitiert die Süddeutsche Zeitung die Behörde Anfang 2015. 

Die großen Skandale der Auto-Industrie

Das Problem: Ist die Konzentration an NO2 in der Luft zu hoch, hat das deutliche gesundheitliche Konsequenzen. Vor allem die Atemwege werden belastet. Asthmatiker in entsprechenden Gebieten klagen über schlimmere Symptome. So mancher Nicht-Asthmatiker, der intensiven Stickoxiden ausgesetzt ist, bekommt die Atemwegserkrankung auch plötzlich über Nacht. Zudem können Allergien aller Art durch die Abgase verschlimmert oder sogar ausgelöst werden.

Besonders anfällig für diese Auswirkungen von NO2 sind Kinder. In Österreich beispielsweise führt die Schadstoffbelastung durch den Kfz-Verkehr laut Weltgesundheitsorganisation pro Jahr zu 21.000 zusätzlichen Fällen von Bronchitis und zu 15.000 zusätzlichen Asthma-Anfällen bei Kindern. Zudem warnt die WHO in diesem Zusammenhang schon lange davor, dass in Abgas-belasteten Gebieten die Sterblichkeitsrate steigt - übrigens auch aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Eine vergleichbare Studie gibt es für Deutschland bislang noch nicht. Laut Bundesumweltamt kommt es hierzulande allerdings zu rund 47.000 verfrühten Todesfällen durch Feinstaub. Durch winzige Partikel also, die ebenfalls durch Abgase entstehen.

Welche Abgaswerte gibt es in Deutschland?

Zehn Fakten: Was Sie über Umweltzonen wissen sollten FOTO: AP, AP

Sowohl die gesundheitlichen Gefahren als auch die Auswirkungen auf die Umwelt (saurer Regen, Smog) sind inzwischen hinlänglich bekannt. Aus diesem Grund hat die Europäische Union im Jahr 2010 eine Obergrenze für Stickoxide zur Luftreinhaltung ausgegeben. Eingehalten hat sie bislang jedoch kaum ein Land - auch Deutschland nicht. Die aktuellsten Werte für die Städte hierzulande stammen aus einer kleinen Anfrage der Grünen-Fraktion an das Bundesumweltamt Anfang 2015. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2013. 

Wie sich hier zeigt, wird der zulässige Jahresdurchschnittswert an Stickoxiden (40 Mikrogramm pro Kubikmeter) in manchen Städten um mehr als 100 Prozent überschritten. Das Stadtzentrum von Düsseldorf liegt dabei im Vergleich mit einem Jahresmittel von 61 Mirkogramm auf Platz 14. Köln belegt mit einem Wert von 61 den 13. Platz. Beide Städte weisen somit einen deutlich erhöhten Stickoxidwert auf. Am stärksten belastet ist Stuttgart (89), gefolgt von München (81) und Reutlingen (72). 

Betrachtet man verschiedene Bereiche innerhalb der Städte zeigen sich starke Schwankungen. Rund um die Corneliusstraße in Düsseldorf ist der Wert mit 61 am höchsten, in Bilk liegt er schon bei 59. In Düsseldorf-Lohausen leben Anwohner mit 33 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter bereits im grünen Bereich. Die geringste Luftverschmutzung ist mit 28 in Düsseldorf-Lörick zu finden. Laut Informationen von Marcel Langer, Leiter des Fachgebiets für Grundsatzfragen der Luftreinhaltung, beweisen Werte wie diese den Zusammenhang zwischen den zu hohen Werten von NO2 in deutschen Städten und dem Verkehr: Nur wo viele Autos fahren entstehen auch entsprechend bedenkliche Luftwerte. 

Was diese Angaben mit dem VW-Skandal zu tun haben

Besser werden kann diese Luftbelastung - und damit auch die gesundheitliche Gefahr - angesichts der Tricks der Autohersteller, wie sie nun am Beispiel von VW bekannt geworden sind, jedoch nicht. Zwar gilt seit dem 1. September 2015 die Euro-6-Norm, laut der Diesel-Motoren bei ihrer Neuzulassung einen Wert von 80 Milligramm NOx je Kilometer nicht mehr überschreiten dürfen. Doch schon Anfang des Jahres zeigte eine anonymisierte Stichprobe der unabhängigen Organisation International Council on Clean Transportation an 15 Dieselwagen: Im Gegensatz zu dem, was in den Magazinen stand, überschritten alle unter Straßenbedingungen getesteten PKW die EU-Abgasnorm um das siebenfache.

Der Diesel-Motor bleibt also zunächst ein Luftverpester. Mit einem wirkungsvollen Abgasreiniger könnte er zwar die geforderten Standards erfüllen, das aber macht ihn auch teurer - und für die Hersteller somit deutlich weniger konkurrenzfähig. 

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