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Düsseldorf
IS droht mit Anschlag auf Flughafen Köln

Düsseldorf. Deutschsprachige Dschihadisten des Islamischen Staates (IS) haben Fotomontagen ins Internet gestellt, mit denen sie zu Terroranschlägen in Deutschland aufrufen. Bundeskriminalamt und Innenministerium nehmen die Drohungen ernst. Von Christian Schwerdtfeger

Es sind alarmierende Bilder, die Dschihadisten gestern im Internet veröffentlicht haben. Auf vier professionellen Fotomontagen rufen die Islamisten von Syrien aus zu Anschlägen in Deutschland auf. Ein Bild zeigt einen Terroristen in Kampfmontur vor dem in Flammen stehenden Köln/Bonner Airport. "Was deine Brüder in Belgien schaffen, schaffst du auch", ist darauf zu lesen. Auf einer weiteren Fotomontage mit der Überschrift "Deutschland ist ein Schlachtfeld" wird das Kanzleramt in Berlin gezeigt, wie es in Schutt und Asche liegt.

Verbreitet wurden die Propagandabilder über einen offiziellen Twitter-Account des Islamischen Staates (IS). Die Sicherheitsbehörden nehmen die Drohungen sehr ernst. Die Bundespolizei in Köln sagte unserer Redaktion: "Seit den Anschlägen in Brüssel haben wir unsere Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Das wird jetzt erst einmal so bleiben", sagte ein Sprecher. Beim Bundeskriminalamt (BKA) fand gestern eine Lagebeurteilung statt. "Es ist noch viel zu früh, das zu kommentieren. Eine Fachabteilung wertet die Bilder noch aus", erklärte eine BKA-Sprecherin.

"Gewaltverherrlichende Videos und Bilder haben eine immense Bedeutung für die Radikalisierung junger Menschen", sagte ein Sprecher von Innenminister Ralf Jäger (SPD). Sein Ministerium teilte mit, dass man sehr wachsam sei, sich die Sicherheitsmaßnahmen seit Langem auf einem hohen Niveau befänden, es aber keine konkreten Hinweise auf Anschläge gebe.

Es ist nicht das erste Mal, dass Dschihadisten mittels solch verstörender Bildcollagen mit Anschlägen drohen. Doch diesmal habe das so unmittelbar nach den Anschlägen in Brüssel, bei denen mindesten 35 Menschen ums Leben kamen, eine andere Qualität. "Die islamistische Szene ist in Aufruhr. Es gibt einige Hitzköpfe, die so einen Aufruf im schlimmsten Fall zum Anlass nehmen könnten, einen Anschlag zu verüben", heißt es aus Sicherheitskreisen.

Nach Angaben des NRW-Verfassungsschutzes lassen sich in Nordrhein-Westfalen immer mehr junge Menschen von den Propaganda-Videos der Extremisten beeinflussen. Der IS verfüge über einen hochprofessionellen Medien-Apparat, der die radikalen und menschenverachtenden Ansichten über das Internet bis in die Kinderzimmer in NRW verbreite, heißt es aus Sicherheitskreisen. Im Netz wird in regelmäßigen Abständen ein Hochglanzmagazin "Dabiq" in mehreren Sprachen veröffentlicht - unter anderem in Deutsch. Es enthält martialische Bilder von Schlachtfeldern und kommt daher wie eine Werbung für einen Actionfilm. Zu sehen sind meistens Collagen von verwundeten amerikanischen Soldaten, die in Flammen aufgehen, von siegreichen islamistischen Truppen, die triumphierend durch irakische und syrische Straßen ziehen, und von Hinrichtungen. Hinter dem Magazin steckt der "Islamische Staat". Verfassungschef Burkard Freier betonte bereits mehrfach, dass der IS über einen hochmodernen Medienapparat verfüge.

Bund und Länder wollen den Islamisten das Internet nicht länger für ihre menschenverachtenden Zwecke alleine überlassen. Mit einem eigenen Internetvideo wollen die deutschen Sicherheitsbehörden Jugendliche davon abhalten, in den extremistischen Salafismus abzurutschen. Innenminister Ralf Jäger forderte zudem eine staatliche Aufklärungskampagne in den sozialen Netzwerken.

Die Zahl der gewaltbereiten Salafisten in NRW hat sich innerhalb nur eines Jahres von etwa 320 auf rund 500 erhöht - Tendenz steigend. Eine nicht bekannte Anzahl aus diesem Personenkreis steht unter besonderer Beobachtung der Sicherheitsbehörden. "Seit den Anschlägen in Brüssel haben sich die Überwachungsmaßnahmen gegen diese potenziellen Gefährder noch einmal verschärft", heißt es aus Polizeikreisen. Was das genau bedeutet, hält man aus ermittlungstaktischen Gründen geheim. NRW gilt als Hochburg des Salafismus. Seit 2012 sind von hier mindestens 175 Islamisten in die Krisengebiete nach Syrien und in den Irak gereist. Die Dunkelziffer liegt deutlich höher.

Quelle: RP
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