| 21.09 Uhr

50 Verdächtige festgenommen
Essener Soko hebt Autoknacker-Bande aus

Autoknacker-Banden in NRW: Soko Kasimir schlägt zu
In mehreren Bundesländern, darunter NRW, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Hessen, führten Ermittler Razzien durch. FOTO: dpa
Essen/Norderstedt. Rund ein Jahr ermittelte die Essener Sonderkommission "Kasimir", dann griffen rund 870 Beamte in Deutschland und Litauen zu. Ein Dreh- und Angelpunkt war ein Lager im Ruhrgebiet. Es geht um hunderte Taten und Millionenschäden.

Mit großangelegten Razzien und zahlreichen Festnahmen ist die Polizei in gleich zwei Verbrechensserien gegen internationale Diebesbanden vorgegangen. Der Schaden geht in die Millionen. Im Fokus der Ermittler waren Autoknacker und auch Einbrecher in Deutschland und Litauen.

Hochwertige Autos und Fahrzeugteile gestohlen 

Wie die Polizei in Essen mitteilte, konnte in einem Fallkomplex ein Netzwerk von Autodieben zerschlagen werden. Die Verdächtigen sollen vor allem hochwertige Autos und Fahrzeugteile wie Navigationsgeräte und Airbags gestohlen haben - die entdeckte Hehlerware soll 1,1 Millionen Euro wert sein. Zeitgleich präsentierten Polizei und Staatsanwaltschaft in Schleswig-Holstein ihren Erfolg in einem zweiten Komplex: Ihnen gelang nach eigenen Angaben ein Schlag gegen eine Diebesbande, die für rund 600 Einzeltaten in mehreren Bundesländern verantwortlich sein soll. Hier beläuft sich der Schaden auf 1,5 Millionen Euro.

Die beiden Aktionen haben der Kieler Oberstaatsanwältin Birgit Heß zufolge nichts miteinander zu tun. "Die Tatsache, dass beide Banden es auf ähnliche Beute abgesehen hatten, zeigt aber, wie groß der Markt dafür vor allem in Osteuropa sein muss", sagte sie in Norderstedt.

50 Verdächtige in Deutschland und Litauen festgenommen

Bei der Aktion unter Essener Federführung wurden laut Ermittlern 50 Verdächtige in Deutschland und Litauen festgenommen und etwa acht Haftbefehle vollstreckt. "Es ging nicht nur um die kleinen Fische, sondern darum, an die Köpfe zu kommen", sagte der Essener Polizeipräsident Frank Richter.

Rund 700 Beamte waren allein in Nordrhein-Westfalen und noch einmal 80 in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Hessen beteiligt. Parallel seien in Litauen 90 Fahnder im Einsatz gewesen, um unter anderem die Hintermänner dingfest zu machen. Allein in Deutschland wurden rund 100 Wohnungen und Büros durchsucht. "Bis heute können wir den Banden rund 440 Straftaten zuordnen - da kommt aber sicher noch was dazu", erläuterte der Polizeipräsident. Neben den Delikten rund um Autodiebstahl werde unter anderem auch wegen Einbrüchen und Raub ermittelt.

Essen war einer der Dreh- und Angelpunkte

Die Hehlerware im Wert von 1,1 Millionen Euro wurde unter anderem in einem großen Lager in Essen entdeckt - es war einer der Dreh- und Angelpunkte. "Die Regale sehen aus wie bei einem Autozulieferer", sagte Richter. Rund ein Jahr habe die 13-köpfige Essener Sonderkommission "Kasimir" ermittelt, bevor die Beamten zugriffen. Benannt ist die Gruppe nach dem litauischen Nationalheiligen.

Im Fall der zweiten Diebesserie - mit Federführung in Norddeutschland - schlugen die Ermittler ebenfalls in mehreren Bundesländern und in Litauen zu. Acht Menschen seien festgenommen worden, darunter auch der mutmaßliche Drahtzieher aus Litauen, hieß es bei einer Pressekonferenz in Norderstedt. Der 36-Jährige soll nach ersten Erkenntnissen nicht nur die in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg agierenden Diebe gesteuert, sondern auch die Absatz- und Vertriebswege der Beute koordiniert haben.

Die litauische Polizei meldete sogar 17 festgenommene Litauer - allerdings blieb unklar, auf welche Ermittlungskomplexe sich diese Zahl bezieht. Die Festgenommenen würden verdächtigt, hochwertige Autos und Fahrzeugteile gestohlen zu haben. Der verursachte Schaden belaufe sich auf mindestens fünf Millionen Euro, hieß es in einer Mitteilung der Litauer.

(dpa)
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