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Hinweise zum Anschlag in Köln
Verfassungsschutz droht neuer NSU-Skandal

NSU: NRW-Verfassungsschutz droht Spitzel-Skandal
Der NSU-Skandal brachte die deutschen Verfassungsschützer schon mehrfach in Erklärungsnot. FOTO: dpa, Martin Schutt
Düsseldorf. In den Ermittlungen zur Mordserie des NSU sind neue, brisante Hinweise aufgetaucht. Einem Medienbericht zufolge könnte ein Informant des Geheimdienstes in NRW am Anschlag in der Kölner Probsteigasse beteiligt gewesen sein.

Wie die "Welt am Sonntag" berichtet, sei in der Verfassungsschutz-Behörde in NRW bereits im Jahr 2012 aufgefallen, dass ein Spitzel aus dem Neonazi-Milieu Ähnlichkeit mit einem Mann aufwies, den die Polizei nach dem Anschlag mit Hilfe eines Phantombilds suchte. So habe die damalige Leiterin das Bundesamt für Verfassungsschutz in einer "geheimen Verschlusssache" über die Auffälligkeit informiert. Die Dokumente lägen der Zeitung vor.

Der Vorfall weckt Erinnerung an den Mordfall aus Kassel im Jahr 2006, der ebenfalls dem NSU zugeschrieben wird. Dort soll ein Neonazi, der dem Verfassungsschutz zuarbeitete, am Tatort gesehen worden sein. Nun fällt auf Köln ein ganz ähnlicher Verdacht, der den Verfassungsschutz in NRW in Erklärungsnot bringen könnte.

Es geht dabei um den Anschlag am 19. Januar 2001 in der Kölner Probsteigasse, bei dem ein Unbekannter in einem iranischen Lebensmittelgeschäft eine Geschenkdose abstellte, in der sich ein Sprengkörper befand. Die damals 19-jährige Tochter des Inhabers wurde schwer verletzt. Dreieinhalb Jahre später folgte der Nagelbombenanschlag in der Keupstraße mit 22 Schwerverletzten.

Der Mann der die potenziell tödliche Geschenkdose in der Probsteigasse ablieferte war nicht vermummt, so dass die Ladenbetreiber ein Phantombild von ihm anfertigen konnten. Die Untersuchungen blieben - auch wegen Versäumnissen in den Ermittlungen - ohne Erfolg.

Bis 2011. Nachdem der NSU-Skandal ins Rollen gekommen war, nahm das Bundeskriminalamt die Ermittlungen wieder auf und bat im Hinblick auf das Phantombild auch den Verfassungsschutz im Mithilfe. Wie nun die Welt am Sonntag berichtet, meldete daraufhin die Präsidentin der Behörde in NRW an die Bundesanwaltschaft, dass das Bild Ähnlichkeiten mit Johannes H. aufweise, einem Neonazi aus Köln. Über dessen Kontakte lassen sich laut Bericht Verbindungen zum NSU nachweisen.

In einem zweiten Vermerk, eingeordnet in der strengsten Sicherheitskategorie, habe die Behörde dann notiert: "Johannes H. ist seit 1989 als Geheimer Mitarbeiter für den Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen tätig."

In München findet seit Mai 2013 der Prozess der Prozess gegen Beate Zschäpe statt. Sie wird wie Uwe Bönhardt und Uwe Mundlos, die sich umgebracht haben, dem Kern des NSU zugerechnet. Der 40-Jährigen wird Mittäterschaft bei zehn Morden, gefährliche Brandstiftung und Gründung einer terroristischen Vereinigung - des NSU - zur Last gelegt.

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