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Analyse
Warum Maß halten die Botschaft sein muss

Dormagen. Im Netzwerk Facebook werden immer stärker zentrale Themen diskutiert, die eigentlich in politischen Gremien und vor allem im persönlichen Gespräch geklärt werden sollten. Die Folge ist ein teilweise vergiftetes Klima in der Stadt. Von Klaus D. Schumilas

Irgendwann hat es angefangen. Vielleicht war es nur ein kurzer Gedanke, der unausgereift und viel zu schnell aufgeschrieben per Klick in die Öffentlichkeit gelangte. Der in Sekundenschnelle Antworten provozierte und produzierte. Es sind in den vergangenen Wochen und Monaten so viele geworden, dass ein Halt kaum möglich scheint. Flüchtlinge und deren Unterbringung in dieser Stadt, die konsequente Reaktion von Leibniz-Schülern gegen hetzerische Netz-Äußerungen von Bäcker Meuser, der unschöne Streit zwischen Vize-Bürgermeister Andreas Behncke und Kerstin Born, Administratorin eines einflussreichen Facebook-Portals in Sachen Flüchtlinge - aus Vorwürfen, Unterstellungen, Hetzereien, Beleidigungen, falschen Darstellungen im in diesem Fall wenig sozialen Netzwerk Facebook ist ein in Teilen übles Gemisch gebraut worden, das den Zusammenhalt der Bürgerschaft zu sprengen droht. Diese Gefahr formuliert die FDP in einer Pressemitteilung in diesen Tagen, und falsch liegt sie damit nicht.

Es ist zumindest ein Geist in diese Stadt eingezogen, der so gar nicht zum Charme und der rheinischen Gelassenheit ihrer Menschen passen will. Zu denen, die seit vergangenem Jahr mit offenen Armen, viel Engagement und vielleicht auch einigen Sorgenfalten auf der Stirn Hilfsbedürftige aus den Krisengebieten empfangen haben. Zu denen, die sich seit Jahren politisch betätigen, sich in Sitzungen wortreich auseinandersetzen, um am Ende des Tages versöhnlich ein Bier zusammen trinken. Doch persönliche Begegnungen und strittige Diskussionen von Angesicht zu Angesicht sind heute die Ausnahme. Viel bequemer ist es geworden, vom heimischen Sofa aus Botschaften in die virtuelle Welt zu schicken. Das hat auch Bürgermeister Erik Lierenfeld in diesen Tagen aufgeschreckt, der anlässlich der schlimmen Beschimpfungen gegen Leibniz-Schüler "gebetsmühlenartig" wiederholte, dass man "hier bei Facebook nicht diskutieren kann. Das geht nur im persönlichen Miteinander", schrieb er in einer längeren Stellungnahme - auf Facebook. Seine Botschaft lautete: "Kommt runter!"

Eine Forderung, die sich alle Beteiligten zu Eigen machen sollten. Zum Beispiel Andreas Behncke. Der SPD-Stadtverordnete ist seit den Kommunalwahlen stellvertretender Bürgermeister. Aber in diesem Amt ist er (noch) nicht angekommen. Dieses Ehrenamt bedeutet mehr, als Hundertjährigen zum Geburtstag zu gratulieren oder im Schützenzelt ein Grußwort zu sprechen. Es ist eine parteiübergreifende und stadttragende Aufgabe. Ein Amt, in dem Souveränität und Ausgleich gefordert sind. Bei Behnckes Besuch der IG-Versammlung in der vergangenen Woche musste Widersacherin Born erst herbei gerufen werden - die Vorbereitung eines möglichen Friedensgipfels sieht anders aus. So betroffen Behncke durch die Veröffentlichung privater Nachrichten auch sein mag - ein Bürgermeister-Vize muss andere Konfliktlösungen parat haben als einen Strafantrag. So weit hätte es sein Kollege, CDU-Altmeister Hans Sturm, trotz dessen bekannt großer Emotionalität wohl nicht kommen lassen.

Zum Beispiel Kerstin Born. Als Mitbegründerin und Administratorin der über 650 Mitglieder zählenden IG "Flüchtlinge" sowie als Zentrums-Politikerin trägt sie viel Verantwortung. Von ihr ist eine besondere Sensibilität zu erwarten. Doch sie legt mitunter das Gegenteil an den Tag und polarisiert viele Dormagener. Ein Beleg: Die unter ihrer Mitverantwortung entstandene Veröffentlichung eines privaten Nachrichtenaustausches von Behncke auf der IG-Seite war mehr als stillos. Wie bei Behncke, der sich in seinem öffentlichen Handeln nicht als Privatmensch sehen kann, agiert Born nicht im luftleeren Raum. Sie trägt als Sachkundige Bürgerin im Sportausschuss und als Mitglied im Aufsichtsrat der SVGD politische und damit auch sozial-hygienische Verantwortung für die Stadt.

Die Botschaft im Lierenfeld'schen Sinne kann nur für alle heißen: Maß halten, miteinander reden und nicht übereinander!

Quelle: NGZ
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