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Tödlicher Badeunfall in Düsseldorf
Warum das Schwimmen im Rhein so gefährlich ist

Düsseldorf: Badeunfall im Rhein - Feuerwehr rettet Schwimmer
Düsseldorf: Badeunfall im Rhein - Feuerwehr rettet Schwimmer FOTO: Gerhard Berger
Düsseldorf. Ein 30-Jähriger, den die Feuerwehr am Himmelfahrtstag aus dem Rhein gerettet hat, ist Freitag in der Uni-Klinik gestorben. Die Stadt warnt: Schwimmen im Rhein ist auch für trainierte Sportler lebensgefährlich. Von Stefani Geilhausen

Mehr als eine Stunde lang war der Mann unter Wasser, als Taucher der Feuerwehr ihn am Donnerstagabend zwischen den Buhnen an der Oberkasseler Brücke entdeckten. Reanimationsversuche des Notarztes und später in der Uni-Klinik blieben erfolglos. In der Nacht zu gestern starb der 30-Jährige. Es ist das traurige Ende eines Vatertagsausflugs auf die Rheinwiesen. Dort hatte der Mönchengladbacher mit Freunden gefeiert, die hilflos mit ansehen mussten, wie er im Rhein verschwand.

Feuerwehr, DLRG-Strömungsretter und Wasserschutzpolizei hatten den Rhein bis zur Theodor-Heuss-Brücke abgesucht, auch ein Hubschrauber war im Einsatz. Doch der 30-Jährige war unweit der Stelle, an der er in den Fluss gegangen war, von tückischen Unterströmungen unter Wasser gehalten worden. "Die Strömungsverhältnisse waren so extrem, dass unsere Taucher dort zunächst gar nicht ins Wasser konnten", sagte ein Feuerwehrsprecher. Am Ende riskierten sie es doch, im verzweifelten Bemühen, ein Leben zu retten. Doch das war vergeblich.

Düsseldorf: Zwei Notfälle wegen Schwimmens im Rhein FOTO: Patrick Schüller/ ANC-NEWS

"Das Baden im Rhein ist zu Recht weitgehend verboten", sagt DLRG-Sprecher Roland Scheidemann. "Man macht sich keine Vorstellung davon, wie stark die Strömungen insbesondere im Bereich der Buhnen sind." Die Buhnen dienen dazu, die Fließgeschwindigkeit des Stroms zu erhöhen. An der Oberfläche ist für den Laien nicht erkennbar, dass und vor allem wie stark das Wasser darunter verwirbelt wird. Die Wirbel entwickeln eine Sogwirkung und halten den Schwimmer regelrecht fest. Und sie verändern sich ständig.

Ein solcher Strudel war im vergangenen Jahr auch einem 20-Jährigen zum Verhängnis geworden, der nach einem Kirmesbesuch Abkühlung im Rhein suchte. Dass der junge Mann nicht schwimmen konnte, spielte da kaum noch eine Rolle. "Auch für geübte Schwimmer ist ein fließendes Gewässer immer lebensgefährlich", sagt Scheidemann. Nicht nur wegen der Strömungen: Durch Treibgut ist auch die Gefahr schwerer Verletzungen groß.

Regeln zum Schwimmen im Rhein

Im vergangenen Jahr hatte das städtische Ordnungsamt bei schönem Wetter am Rheinufer gelbe Karten verteilt, auf denen vor Schwimmen im Rhein gewarnt wird. Ausdrücklich verboten ist es 100 Meter ober- und unterhalb von Häfen ebenso wie an Brücken und Schiffslandestellen. Aber auch am Ufer kann es gefährlich werden, wenn etwa der so genannte Rückschwall beim Vorbeifahren großer Schiffe spielende Kinder und sogar Erwachsene in den Strom hineinziehen kann. Oft wird das vor allem bei niedrigem Wasserstand unterschätzt. Denn dann liegt das vermeintlich sichere "Ufer" deutlich näher an der tiefen Fahrrinne.

Verboten ist das Baden auch in den Düsseldorfer Baggerseen. Dort sind es vor allem die extremen Unterschiede der Wassertemperatur, die daraus resultieren, dass sich die Seen aus Grundwasser speisen. Wenige Meter vom Ufer entfernt, kann das Wasser plötzlich eiskalt sein und Schwimmer so in Gefahr bringen. Die Stadt hat den tragischen Unfall des Mönchengladbachers gestern zum Anlass genommen, erneut vor den Gefahren des Badens in öffentlichen Gewässern zu warnen. Die bloßen Verbote nutzen offenbar wenig: "Wir können nur an die Vernunft appellieren."

Quelle: RP