| 19.10 Uhr

Düsseldorf zahlt 7,8 Millionen für Tour
OB Geisel nennt Geld "gut investiert"

Fans und Fahrer trotzen dem Regen beim Grand Départ
Fans und Fahrer trotzen dem Regen beim Grand Départ FOTO: afp
Düsseldorf. Die Stadt Düsseldorf zahlt für den Start der Tour de France 7,8 Millionen Euro. Am Mittwoch stellte Oberbürgermeister Thomas Geisel die vorläufige Abrechnung vor. Wir ziehen Bilanz. Von Arne Lieb

Oberbürgermeister Thomas Geisel hat am Mittwoch die vorläufige Abrechnung der Tour de France vorgelegt. Erst informierte er die Kommission des Rats, dann die Medien. Für das Event werden demnach 7,8 Millionen Euro aus der Stadtkasse fällig. "Das ist nach meiner Überzeugung gut investiertes Geld", sagte Geisel. Mit einem Zuschuss von weniger als sieben Euro für jeden der 1,2 Millionen Zuschauer habe man ein "unvergessliches Erlebnis" geboten. Zudem sei die Stadt weltweit präsent gewesen. Die Abrechnung:

  • Ausgaben

Als sich Düsseldorf 2015 um die Tour bewarb, sollten die Kosten bei elf Millionen Euro liegen. Es wurden am Ende 4,8 Millionen Euro zusätzlich fällig. Der größte Zusatzposten war die Sicherheit. Die Stadt musste mehr Gitter, Schilder und Lkw-Blockaden aufstellen, dazu kamen LED-Bildschirme. Die Mehrkosten allein für die Sicherheit liegen bei 2,3 Millionen Euro. Ein Minus erlebte die Stadt derweil mit den VIP-Bereichen, Geisel spricht von mehr als einer Million Euro. Dabei sollten die hochpreisigen Tickets der Finanzierung dienen. Geisel räumt eine "massive Fehlkalkulation" ein. Man habe unterschätzt, dass Firmen eigene Feiern ausgerichtet hätten und die Compliance-Regeln das Angebot unattraktiv gemacht hätten.

  • Einnahmen

Acht Millionen Euro verbucht die Stadt auf der Haben-Seite, ursprünglich waren drei Millionen eingeplant. Die Stadttöchter haben 2,8 Millionen Euro gezahlt. Allerdings stünden dagegen Aufträge in Höhe von 2,6 Millionen Euro an diese Firmen, etwa an die Messe. Geisel weist den Vorwurf zurück, die Tour-Bilanz durch Geld der stadteigenen Betriebe geschönt zu haben.

  • Entwicklung

Bei der Tour-Bewerbung war die Rede von Kosten in Höhe von 8,1 Millionen Euro gewesen – abzüglich damals noch eingerechneter Steuereffekte. Damit sind die Kosten nun ungefähr so hoch wie anfangs kalkuliert. Kurz vor dem Tour-Start standen aber erheblich niedrigere Summen im Raum.

  • Gewerbesteuer

Die Wirtschaftsprüfer von Deloitte stellten ihre nun abgeschlossene Studie zu den Effekten des Grand Départs vor – und kommen zu einem geringeren Steuereffekt als im Vorfeld angenommen. Sie gehen davon aus, dass die Tour einen ökonomischen Nutzen in Höhe von 63,8 Millionen Euro hatte. Das führe zu einem Plus an Gewerbesteuer in Höhe von 1,4 Millionen Euro.

Die Prognose bei der Bewerbung hatte noch bei 1,9 Millionen Euro gelegen. Später hatte die Stadt sogar von 2,28 Millionen Euro gesprochen. Dies sei eine Aktualisierung des Projektbüros in Absprache mit Deloitte gewesen, so Stadtsprecherin Kerstin Jäckel. Den Rückgang erklärt Deloitte unter anderem damit, dass der angedachte verkaufsoffene Sonntag weggefallen sei.

Die Berechnung ist umstritten. Der Wirtschaftsprofessor Jürgen Schwark hatte die Methodik als "wissenschaftlich nicht haltbar" kritisiert. Thomas Geisel sagte, man habe das Gutachten aus Gründen der Transparenz in Auftrag gegeben. "Das ist naturgemäß keine exakte Wissenschaft." Der Stadtrat hatte durchgesetzt, dass die Schätzung nicht in die Abrechnung fließt.

  • Bewertung

Während der OB die Tour als Erfolg sieht, fühlen sich die Gegner in ihrer Ablehnung bestätigt. Rüdiger Gutt (CDU) spricht von einem "dürftigen Papier", das keinen Gesamtüberblick biete. Er kritisiert, dass die Arbeit von städtischen Mitarbeitern nicht eingerechnet sei – nicht mal die von Projektleiterin Theresa Winkels. Inklusive dieser Leistungen lägen die Kosten bei mehr als 20 Millionen Euro, schätzt er. Monika Lehmhaus (FDP) sieht alle Befürchtungen bestätigt: "Diese Tour war viel zu teuer und nicht nachhaltig", sagt sie. Helga Leibauer (SPD) lobt zwar die Tour, sieht aber offene Fragen. Es fehle eine genaue Liste der Sponsorengelder.

Die Tour wird weiter Thema im Stadtrat: CDU und FDP wollen wissen, warum Geisel kurz vor der Tour 1,4 Millionen Euro über einen Dringlichkeitsbeschluss freigeben ließ – dabei hätte eine Sitzung des Stadtrats angestanden, der üblicherweise die Gelder genehmigt.

Quelle: RP
 
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