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Düsseldorfer Wirtschaftstage
Elbers pflegt Kontakte in Moskau
Düsseldorfer Wirtschaftstage: Elbers pflegt Kontakte in Moskau
Oberbürgermeister Dirk Elbers stattete dem ältesten Kloster Moskaus, St. Danilov, einen Besuch ab. FOTO: Stadt Düsseldorf
Düsseldorf. In der russischen Hauptstadt haben die Düsseldorfer Wirtschaftstage begonnen. Die Delegation traf mit Vertretern der Kirche und deutschen Unternehmern zusammen, die in Moskau tätig sind. Freitag steht ein mit Spannung erwartetes Spitzentreffen auf dem Programm. Von Christian Herrendorf

Wenige Meter dauern in Moskau leicht viele Minuten. Auf den großen Zufahrten der Metropole herrscht Dauerstau, Einbahnstraßen und eine bisweilen abenteuerliche Verkehrsführung an Kreuzungen tun ihr Übriges, dass kurze Strecke lange genossen werden können. Um dieses Erlebnis sind auch die Düsseldorfer Repräsentanten und Unternehmer reicher, die am Donnerstag vom Flughafen ins Zentrum eine gefühlte Ewigkeit benötigten und gerade noch rechtzeitig zum Auftakt der Düsseldorfer Wirtschaftstage in Moskau eintrafen.

Obwohl Stadt, Messe sowie Industrie- und Handelskammer (IHK) das Treffen bereits zum elften Mal organisierten, erscheint vieles neu in der Partnerstadt. Erstmals traf Oberbürgermeister Dirk Elbers Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche. Im ältesten Kloster Moskaus, St. Danilov aus dem 13. Jahrhundert, sprach der Verwaltungschef mit Außenbeziehungs-Experten der Kirche, die überraschend detailreich über die Lage der Gläubigen in Düsseldorf Bescheid wissen.

Für die 3500 Russisch-Orthodoxen der Landeshauptstadt gibt es nur eine kleine Kapelle in Oberbilk, so dass die Gläubigen bei den Gottesdiensten zum Teil auf dem Flur und im Treppenhaus stehen. Alle bisherigen Versuche, einen neuen Ort für die Gemeinde zu finden, sind gescheitert. "Wir hoffen auf eine pragmatische Lösung: in einem anderen Gebäude oder vielleicht in einer der Düsseldorfer Kirchen, die nicht mehr gebraucht wird", sagte Elbers nach dem Gespräch. Die Eindrücke von den ersten neuen Kontakten tauschten die Landeshauptstädter gestern beim festlichen "Düsseldorf Abend" aus. Neben dem Oberbürgermeister waren unter anderem Messe-Chef Werner M. Dornscheidt, IHK-Präsident Ulrich Lehner, Sparkassen-Vorstandsmitglied Karin-Brigitte Göbel und der Beigeordnete Burkhard Hintzsche dabei.

Heute Vormittag lernt die Düsseldorfer Delegation die neue Moskauer Stadtspitze kennen. Die Landeshauptstädter erwarten die Konferenz mit großer Spannung, weil Oberbürgermeister Sergej Sobjanin die Nachfolger von Juri Luschkow angetreten hat, der ein erklärter Freund des Düsseldorfer Rathauses war. Luschkow galt als Macher, der bei den Konferenzen mit Verwaltungsspitze und Unternehmern eine klare Sprache pflegte und viele gute Geschäfte einfädelte. Zuletzt hatten Elbers und Luschkow im Juni 2010 einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Danach geriet Luschkow allerdings ins Visier der russischen Staatsspitze, der jetzige Amtsinhaber Sobjanin ist dagegen nicht für Probleme mit Präsident Dmitrij Medwedew oder Ministerpräsident Wladimir Putin bekannt. Die Düsseldorfer hoffen, ihre guten Beziehungen fortzusetzen, denn in Moskau gibt es leicht erkennbar große Umsätze zu machen. Die Stadt plant, sich auszudehnen und einen neuen Teil am Rande seiner jetzigen Fläche zu bauen.

Geld und Arbeitskräfte sind vorhanden, gesucht wird aber das passende Fachwissen. Deshalb gastieren Ingenieure und Architekten aus aller Welt in Moskau, auch die Düsseldorfer präsentieren ihr Wissen zu Bauten und städtischer Infrastruktur. Experten rechnen damit, dass die russische Bauwirtschaft in dieser Jahreshälfte oder spätestens 2012 wieder anzieht. Für 2011 gehen sie von einem Plus beim Wohnungsbau von acht Prozent aus.

Dabei muss der Energieverbrauch von Gebäude und Anlagen ebenso wie von Transportmitteln dringend gesenkt werden. Die russische Regierung hat das Ziel ausgegeben, den Verbrauch bis 2020 im Vergleich zu 2007 um 40 Prozent zu reduzieren. Auch dabei kann Wissen aus Düsseldorf eine Rolle spielen. Neben diesen beiden Branchen boomen weitere, wie sich auf den Straßen in Moskau zeigt. Die Plakate werben vor allem für Computer, die meisten Passanten sind mit ihrem Handy beschäftigt. Mittlerweile kommen statistisch auf 100 Einwohner rund 150 Mobiltelefone – das entspricht dem europäischen Standard. Die Computerverkäufe an Privatkunden sind 2010 um rund 60 Prozent gestiegen, jeder zweite Haushalt hat einen PC, jeder dritte einen Internetanschluss. Die russische Wirtschaft ist spürbar stark gewachsen. Die Preise im Nobelkaufhaus Gum in der Moskauer Innenstadt liegen so hoch, dass die Reisen vieler Russen zur Düsseldorfer Königsallee schon als Schnäppchentour durchgehen.

Quelle: RP/jco
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