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Teil der Beute ist verschwunden
Henkel-Betrug: Anklage erhoben

Teil der Beute ist verschwunden: Henkel-Betrug: Anklage erhoben
Kai von Bargen, ein Mann mit vielen Gesichtern. Unser FOTO: RPO, Birgit Kranzusch
Düsseldorf. Der frühere Henkel-Mitarbeiter Kai von Bargen ist seit Mittwoch wegen Betrugs und Urkundenfälschung angeklagt. Der Prozess beginnt bald. Das Strafmaß liegt zwischen einem und zehn Jahren Haft. Von 45 Millionen Euro Beute sind 15 Millionen verschwunden. Von Hans Onkelbach

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat am Mittwoch Anklage gegen Kai von Bargen erhoben. Das bestätigte Staatsanwalt Nils Bußee. Der Vorwurf: Betrug und Urkundenfälschung in 15 Fällen, die Fahnder sprechen von gewerbs- und bandenmäßig betriebenen Delikten. Mit Kai von Bargen wird ein zweiter Mann auf der Anklagebank Platz nehmen müssen, der seit geraumer Zeit in Untersuchungshaft sitzt. Gegen den Hauptäter Willi Luchs wird es kein Verfahren geben, weil er nicht verhandlungsfähig ist (siehe Text unten).

Forderungen verkauft

Die Ereignisse, die nun zur Anklage führten, verursachten viele Schlagzeilen. Derzeit geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass von Bargen, Willi Luchs und der dritte Mann mit fingierten Forderungen an den Henkel-Konzern Geld machten. Das Trio hat offenbar einen Schriftverkehr konstruiert, aus dem für Banken hervorging, dass Firmen an den Konzern Geldforderungen hatten. Solche Forderungen an Banken zu verkaufen, ist üblich. Die Banken zahlen dafür einen geringeren Preis als den Nennwert und treiben die Forderungen dann selbst ein. Ihr Verdienst ist die Differenz zwischen dem, was sie gezahlt haben, und dem, was sie später kassieren.

Im konkreten Fall jedoch gab es diese Ansprüche nicht. Um keinen Verdacht aufkommen zu lassen, beglichen die Angeklagten immer wieder solche Ansprüche, so dass die Banken keinen Verdacht schöpften. Mit Hilfe von echten Henkel-Briefköpfen wurde außerdem der Eindruck erweckt, der Konzern bestätige die Vorgänge.

Aufgefallen sind die drei durch eine Selbstanzeige von Kai von Bargen. Er arbeitete als Sponsor-Fachmann in der Kommunikationsabteilung – und dort stielte er einen Deal ein, dessen Sinn sich bis heute nicht erschließt. Er und Willi Luchs erweckten nämlich beim Ross-Brawn-Formel-1-Rennstall den Eindruck, Henkel wolle mit 90 Millionen in den Rennsport einzusteigen. Im Rennstall nahm man das freudig zur Kenntnis und teilte das auch DaimlerBenz mit, als die Stuttgarter den Rennstall kauften. Bis dahin wusste bei Henkel niemand von diesem "Geschäft". Aber als Daimler den Rennstall übernahm und klar wurde, dass man bei Henkel das angeblich geplante Sponsoring anfragen würde, zog von Bargen die Notbremse: Auf Anraten seines Anwalts offenbarte er sich sowohl bei der Staatsanwaltschaft als auch beim Arbeitgeber. Der kündigte sofort den Vertrag.

Durch die Geschäfte mit Henkel-Forderungen hatte man 45 Millionen Euro eingenommen. Einen Teil des Geldes zahlte man zurück, um die Glaubwürdigkeit zu erhalten – aber 15 Millionen fehlen bis heute. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die drei mutmaßlichen Betrüger einen erheblichen Teil dieser Summe "für ihren Lebensunterhalt" verbrauchten. Kenner der nun angeklagten Männer wissen, was das bedeutet: teure Autos, aufwändiger Lebensstil. Das fiel zwar besonders bei von Bargen auf, aber er erklärte den beeindruckenden Fuhrpark mit guten Beziehungen zu Autofirmen, die ihm die Fahrzeuge zur Verfügung stellten.

Mit Prozessbeginn ist bald zu rechnen, das Strafmaß für die genannten Delikte liegt zwischen einem und zehn Jahren.

Quelle: RP
 
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