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Reaktionen aus Düsseldorf
Zoch ausgefallen, Rosenmontag nicht

Rosenmontag ohne Zoch in Düsseldorf
Rosenmontag ohne Zoch in Düsseldorf FOTO: Endermann, Andreas (end)
Düsseldorf. Die Jecken haben den Umzug gestrichen, aber dennoch gefeiert. Reaktionen - und die Suche nach dem Sturm. Von Christian Herrendorf, Verena Patel und Denisa Richters

Der Leiter des Düsseldorfer Rosenmontagszugs beherrscht die feine Kunst, die Dinge sehr knapp auf den Punkt zu bringen. "Ich habe ein dummes Gefühl", sagte Hermann Schmitz schon am Vormittag. "Wenn der Sturm jetzt nicht kommt, dann sind wir blamiert." Wie Schmitz richtig ahnte, blieb das Wetter das bestimmende Gesprächsthema des Tages, nachdem das Comitee Düsseldorfer Carneval (CC) am Morgen den Rosenmontagszug wegen einer Sturmwarnung abgesagt hatte. Zunächst dominierte der Satz "Sicherheit geht vor" die Aussagen, im Laufe des nur sehr punktuell stürmischen Tages wurden die Fragen lauter.

Oberbürgermeister Thomas Geisel reagierte mit einer Mischung aus Humor und Verwunderung. "Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst", betonte das Stadtoberhaupt, das augenzwinkernd bis zum Nachholtermin "eine Koexistenz" von sich und dem Prinzenpaar als Stadt-Regierung verkündete. Dass der Sturm schließlich doch weitgehend ausblieb, verblüffte den Rathaus-Chef allerdings: "Normalerweise sind Wettervorhersagen heutzutage besonders präzise." Es seien noch am Morgen des Rosenmontags für den Mittag und den Nachmittag ganz klar starke Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 96 Kilometern pro Stunde vorausgesagt worden.

Als nicht nur der Sturm ausblieb, sondern um kurz nach halb zwei, also zum eigentlichen Höhepunkt des Zugs, auch noch die Sonne von einem strahlend blauen Himmel schien, gab es die ersten hämischen Sprüche: "Der Oberbürgermeister sollte mal die Liegestühle aufstellen und Sonnencreme bereitlegen", sagte CDU-Ratsherr Olaf Lehne. "Eigentlich das ideale Rosenmontagswetter", sagte Grünen-Fraktionschef Norbert Czerwinski. Aber das Risiko könne eben keiner übernehmen. "Die Verantwortlichen haben es sich schwer gemacht. Aber ich denke, bei der Prognose und den Umständen konnten sie es nur ausfallen lassen", sagte Schützenchefin Britta Damm.

Reaktionen nach der Zugabsage in Düsseldorf FOTO: Andreas Bretz

Trotz der Absage und des Kopfschüttelns reagierten alle Beteiligten im besten Sinne rheinisch und karnevalistisch: Der Zoch fiel aus, nicht aber der Rosenmontag. Die Jecken improvisierten eine Präsentation der politischen Mottowagen vor dem Rathaus und eine entsprechende Party. Die beeindruckte unter anderem den Direktor der Tour de France, der das erste Mal in Düsseldorf feierte. "Es herrscht eine sehr gute, warme Atmosphäre", sagte Christian Prudhomme, der insbesondere die Tilly-Wagen lobte. Tagesschau-Sprecher Jan Hofer feierte gleich zweimal: "Erst hier im Rathaus, später mit der Prinzengarde", sagte er.

Viele Besucher der Wagenausstellung auf dem Marktplatz versuchten, das Beste aus der Situation zu machen. "Ich finde die Wagen von Jacques Tilly toll, viel bissiger als die in Köln", sagte Christian Rieder. Der Österreicher lebt erst seit ein paar Monaten in Düsseldorf und hätte gern den Zug gesehen, gab sich aber auch mit dem Feiern auf dem Markt zufrieden. "Das ist ein bisschen wie auf der Messe hier, man kann herumgehen, sich die Wagen anschauen - und auch noch Bier dabei trinken." Auch Alexandra Fey bedauerte die Absage, fand aber, dass die Alternativveranstaltung sogar ganz praktisch sei. Sie konnte ihre Töchter Ella (anderthalb) und Marie (3) mit dem Kinderwagen zum Feiern mitnehmen.

Rosenmontag: Wagenbauer Jacques Tilly zur Zugabsage

"Ich frage mich langsam, ob die Vorhersage von einem Kölner Wetterinstitut gemacht wurde. Die Kölner lachen sich doch ins Fäustchen", meinte Thomas Kreuseler. Traurig machte ihn, dass sein Freund Tim, ein Karnevalsfan, in diesem Jahr am Rosenmontag Geburtstag hatte, in dem Wissen ein Zelt an der Königsallee gemietet und selbstgeschriebene Karnevalslieder einstudiert hatte. Die Party fiel aus. Eine große Enttäuschung.

Quelle: RP
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