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Düsseldorf
Krankenstand der Stadt so hoch wie nie

Düsseldorf: Krankenstand der Stadt so hoch wie nie
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Düsseldorf. Fast 7,5 Prozent betrug 2014 die Krankenquote bei den rund 10.000 städtischen Mitarbeitern. Sie ist seit 2005 gestiegen. Der Personalrat führt das auf zehn Prozent unbesetzte Stellen und schlechte Führung in einzelnen Ämtern zurück. Von Denisa Richters

Wenn ein neuer Oberbürgermeister sein Amt antritt, weckt er viele Erwartungen bei seinen Mitarbeitern: Das war in Düsseldorf 1999 beim Start von Joachim Erwin (CDU) so, 2008 bei Dirk Elbers (CDU) und auch bei Thomas Geisel (SPD) im vergangenen Jahr. Geisel bat seine Belegschaft sogar kurz nach Amtsantritt im September 2014 zu einem gegenseitigen Kennelernen-Treffen in die Mitsubishi-Electric-Halle. Fast die Hälfte der rund 10.000 Mitarbeiter folgte der Einladung.

Damit wollte der neue Rathaus-Chef deutlich machen, dass bei der Stadt nun ein anderes, ein besseres Klima herrsche. Wer genau hinhörte, merkte aber auch, dass Geisel keine zu großen Versprechen machte. Denn klar ist: Der Sparkurs von jährlich mehr als 30 Millionen Euro im kostenträchtigen Personalbereich soll beibehalten werden. Nun kommt es darauf an, ob das strategisch und organisatorisch optimaler als in den vergangenen Jahren umgesetzt werden kann. Denn einige Zahlen, die der zuständige Beigeordnete Andreas Meyer-Falcke jüngst im Personalausschuss präsentierte, geben Anlass zur Sorge.

Die Linke hatte nachgefragt, wie hoch der Krankenstand unter den städtischen Mitarbeitern ist - und herauskam: Er ist so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Bei 7,48 Prozent lag die Krankenquote im vergangenen Jahr. Sie ist damit seit 2010, als sie bei 6,83 Prozent lag, kontinuierlich gestiegen. 2005, damals noch unter Oberbürgermeister Erwin, betrug der Krankenstand nur 5,59 Prozent. 1999 lag der Anteil der Krankmeldungen zwar knapp einen Punkt höher, aber mit 6,65 Prozent deutlich unter dem Wert von 2014.

Die von Meyer-Falcke präsentierten Zahlen zeigen auch, dass sich der Krankenstand bei Männern und Frauen immer mehr angleicht. Zwar liegt die Quote bei den weiblichen Mitarbeitern mit 7,76 Prozent noch immer höher als bei den männlichen (7,07 Prozent), die Lücke klafft aber weit weniger auseinander als noch 2010: Damals betrug die Krankenquote bei den Frauen 7,9, bei den Männern 6,26 Prozent. Bemerkenswert ist auch, dass bei Frauen wie Männern die Zahl der Kurzzeiterkrankungen sinkt, während die der Langzeiterkrankungen steigt.

Wolfgang Hose vom Personalrat wundert das nicht: "Jede zehnte Stelle ist nicht besetzt." Dies führe zu einem Teufelskreis, weil die anderen Kollegen die Arbeit der krankgeschriebenen mit übernehmen müssten. Was in Folge der zusätzlichen Belastung zu noch mehr Krankschreibungen führe. Einen ähnlichen Effekt auf den Krankenstand hat laut Hose der Umstand, dass es in bestimmten Behördenbereichen Führungsprobleme gebe.

Dem stimmt auch OB Geisel zu: "Krankenstände sind die Blutwerte einer Organisation." Führung, Motivation, Organisationsstruktur und Kommunikation seien Stellschrauben, um die Werte zu verbessern. "Unter meiner Führung war der Krankestand stets niedriger als zwei Prozent", so Geisel selbstbewusst. Personalrat Hose kritisiert, dass Meyer-Falcke bisher weder dem Fachausschuss noch dem Personalrat mitgeteilt habe, wie sich die Krankschreibungen auf die einzelnen Ämter verteilten. Bekannt ist aber, dass es im Einwohnermeldeamt, im Straßenverkehrsamt, aber auch bei der Bauaufsicht und im Gebäudemanagement immer wieder zu hohen Ausfällen kommt, was die jeweiligen Mitarbeiter in Brandbriefen auch öffentlich gemacht haben. Das Gebäudemanagement hätte laut einem externen Gutachten um 20 Stellen aufgestockt werden müssen, für das Einwohnermelde- und das Straßenverkehrsamt sollte es laut Hose einen Pool an Springer-Kräften geben, die bei saisonalem Bedarf flexibel eingesetzt werden. Zudem sei zu prüfen, ob in Behörden mit Publikumsverkehr die Taktung zu eng sei. Hose setzt große Hoffnung in die neue Hauptamtsleiterin Charlotte Beissel: "Sie ist strukturiert, offen und kann gut mit Menschen umgehen."

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Quelle: RP
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