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Düsseldorf
Lange verschollenes Sonett über Heines Liebe aufgetaucht

Düsseldorf. Die meisten Manuskripte des jungen Heinrich Heine wurden bei einem Brand im Hause seiner Mutter in Hamburg vernichtet. Einige sind verschollen. Daher ist es eine kleine Sensation, dass der "Sonettenkranz für Friederike Robert" wieder aufgetaucht ist. Dass es dem Heinrich-Heine-Institut nun gelungen ist, den Autographen zu ersteigern, ist ein besonderer Coup. Die 32.000 Euro, die vom Auktionshaus verlangt wurden, brachte das Institut mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder und der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien auf. Damit gehört die Arbeit nun dem Instituts, das bereits mehr als 70 Prozent aller Handschriften Heines versammelt. Mit einem Festakt wurde nun der Neuerwerb des in verschnörkelter Schönschrift niedergeschriebenen Sonettenkranzes gefeiert. Von Thomas Hag

Um was für ein Werk handelt es sich nun, das seit 1955 nicht mehr öffentlich aufgetaucht war? Auktionshäuser lassen sich über frühere Besitzer nur ungern aus. Nun weiß man aber immerhin - und hat es schriftlich vorliegen -, dass Heinrich Heine den Zyklus 1824 schrieb, also noch vor seinem Durchbruch mit den "Reisebildern" und dem "Buch der Lieder". Zunächst kursierte der Sonettenkranz nur in privatem Kreis, denn er war ja einer bestimmten Person gewidmet. Aus Zuneigung für Friederike Robert geschrieben, eine der bekanntesten Salongastgeberinnen ihrer Zeit und für ihre Schönheit berühmt. Das Leben der in Böblingen 1795 als eines von 18 Geschwistern geborenen Frau wäre schon einen Roman wert. Mit 17 wurde sie mit einem Schmuckhändler verheiratet, der zuerst mit ihr über die Jahrmärkte zog und sie später sogar zur Prostitution zwang. Erst als sie den Journalisten Ludwig Robert kennenlernte, fand sie ihr Glück. Nach einer kostspieligen Scheidung wurde sie seine Frau und schließlich zu einer der bekanntesten Gastgeberinnen, für die auch der Philosoph Hegel schwärmte, der ihr Pralinen schicken ließ. Und eben auch Heinrich Heine, der ihr den Sonettenkranz widmete, in dem viel vom Ganges und von Elefanten die Rede ist, wie es damals Mode war, eine Schwärmerei, die sich damals an alle Konventionen im Umgang mit einer verheiraten Frau hielt. Die von Heine mit "Madame! Sie sind die schönste aller Frauen" Angesprochene verstarb 1832 an den Folgen der Cholera.

Die Sonette wurden erst 1844 von Heine veröffentlicht, in einer überarbeiteten Fassung. Das Original ist bis Mitte September im Heine-Institut zu sehen, dann wird es restauriert, bevor es wieder zugänglich ist.

Quelle: RP
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