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Düsseldorf
Rainer Galke kehrt für ein Gastspiel zurück

Düsseldorf. Der Meerbuscher arbeitete am Schauspielhaus. Jetzt kommt er mit dem Wiener Volkstheater. Von Regina Goldlücke

Mit großer Freude kehrt Rainer Galke nach Düsseldorf zurück, wenn auch nur für ein Gastspiel mit "Alte Meister" von Thomas Bernhard. Zum Ende der Spielzeit 2015 hatte er das Schauspielhaus nach neun Jahren verlassen. Sein Abschied wurde ihm mit dem Theaterpreis "Gustaf" versüßt. "Das war schön", sagt er, "dass ich auf den allerletzten Drücker eine solche Auszeichnung bekam."

Jetzt spielt der gebürtige Meerbuscher (44) mit großem Vergnügen am Wiener Volkstheater. Seine Intendantin ist erneut Anna Badora, um die sich weitere Kollegen scharen, die schon im Düsseldorfer Ensemble waren: Stefanie Reinsperger, Steffi Krautz, Birgit Stöger und Sarah Hostettler. Als Gäste kommen gelegentlich Michael Abendroth und Elena Schmidt nach Österreich. "Ja, wir sind ein vertrauter Kreis", bestätigt Rainer Galke, "fast wie eine Familie. Die Vorliebe, miteinander zu arbeiten, ist geblieben."

In Wien fühlt er sich wohl. "Eine tolle Stadt", schwärmt er. "Nicht zu fassen, wie viel Kultur es dort gibt." Er selbst kann sich am Volkstheater gut entfalten, hat neben der bissigen Bernhard-Komödie derzeit Rollen in "Romeo und Julia", "Nora3" und "Zu ebener Erde und erster Stock" von Nestroy. "Meine erste Begegnung mit dem österreichischen Volksdichter", erzählt Rainer Galke. "Als Piefke durfte ich natürlich keinen Einheimischen spielen. Hier bin ich ein Franzose."

Die Inszenierung "Alte Meister" mit ihm und Lukas Holzhausen ist in Wien ein großer Erfolg. Wie man weiß, sind die Österreicher ihrem aufmüpfigen Landsmann Thomas Bernhard in inniger Hassliebe verbunden. "Inzwischen hat sich das total gedreht", widerspricht Rainer Galke. "Nach Peymanns Zeit am Burgtheater vermissen die Wiener jemanden, der mit spitzer Zunge und einem scharfen Blick von innen heraus die Menschen analysiert und provoziert." Das Stück, entstanden aus einem Roman, spielt im Kunsthistorischen Museum, und dort wurde es auch in einer früheren Fassung aufgeführt. Regisseur Dusan David Parizek hat es neu bearbeitet und auf zwei Figuren reduziert: den Kunstkritiker Reger (Holzhausen) und den Museumswärter Irrsigler (Galke). "Es braucht die heiligen Hallen nicht", stellt er klar. "Die beißende Kunstdiskussion dient hier nur als Folie. Eigentlich geht es darum, was sich in diesen beiden Menschen abspielt. Deshalb ist die Kulisse universell." Thematisch passe "Alte Meister" perfekt nach Düsseldorf, glaubt der Schauspieler. "Das sollte gut funktionieren. Hier wie dort gibt es eine lebendige Kunstszene, mit Museen und vielen Galerien." Ein typischer Bernhard? "Anfangs ja", sagt er. "Der erste Teil ist so, wie man den Dichter liebt oder hasst, das Ende eher untypisch. Er schrieb das Stück 1985, als sein Lebensmensch Hedwig Stavianicek gerade gestorben war. Der Verlust wird thematisiert, der Zusammenhang hervorgehoben." Dusan David Parizek ist am Düsseldorfer Schauspielhaus kein Unbekannter, er inszenierte unlängst "Der zerbrochne Krug", "Nora3" und "Faust 1-3". Günther Beelitz hätte ihn wohl gern noch einmal engagiert, was aus Termingründen nicht klappte. Mit diesem Gastspiel holt er den Regisseur dennoch ans Haus.

Wo liegt der Unterschied zwischen Düsseldorfern und Wienern? "Die Wiener scheinen etwas hartgesottener zu sein. Vielleicht sind sie seit Peymann einfach geübter in der Auseinandersetzung mit schwierigen Stoffen." Das Volkstheater suche sehr bewusst die Nähe zum Publikum. "Es biedert sich nicht an, sondern reagiert auf aktuelle Themen, die mit dem Alltag der Zuschauer verwoben sind, etwa die Flüchtlingskrise", sagt Galke. Nach ihrem Wechsel von Graz, wo sie höchst erfolgreich operiert hatte, bekam Anna Badora in Wien zunächst Gegenwind. Der hat sich inzwischen verzogen. Der holprige Start "lag in der Natur der Sache", erklärt Rainer Galke. "Ihr Vorgänger hat das Haus lange Jahre geleitet, da hatte sich viel Bequemlichkeit eingeschlichen. Dann muss ein neuer Intendant auch mal mit hartem Besen durchkehren. Das allerdings mag in Düsseldorf leichter gelingen als in Wien, wo Tradition und Klüngel eng verzahnt sind."

Quelle: RP
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