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Raoul Schoregge
Clown holt China ins Apollo

Raoul Schoregge: Clown holt China ins Apollo
Raoul Schoregge ist seit 15 Jahren Produzent und künstlerischer Leiter des chinesischen Nationalcircus - und noch dazu ausgebildeter Clown. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Raoul Schoregge ist überall auf der Welt unterwegs. Denn der gebürtige Münsterländer ist seit 15 Jahren der Tourneeleiter, Produzent und künstlerische Leiter des chinesischen Nationalcircus. Aus Dänemark ist er nach Düsseldorf gereist, um hier das Konzept der aktuellen Show "Shanghai Nights" vorzustellen. Zu sehen sein wird das Programm ab 6. August in Roncalli's Apollo Varieté.

"Es ist das erste Mal, dass der Nationalcircus bei uns zu Gast ist und das erste Mal, dass wir nicht eine eigene Schau zusammenstellen, sondern schon ein rundum fertiges Programm übernehmen", sagt Brigitte Staiger, Sprecherin des Varietés.

Dass die Darbietungen gut in die Landeshauptstadt passen, davon ist Schoregge überzeugt. "Die Schau eignet sich gut für das Apollo, denn der chinesische Zirkus wird nicht für Zelte, sondern für Bühnen entwickelt. Zudem ist er genauso in Bewegung wie viele Dinge in Düsseldorf", sagt Schoregge. Er reist immer wieder nach China, um dort Artisten zu engagieren. "In China gehört der Zirkus zur Hochkultur, genießt eine sehr hohe Anerkennung. Dort gibt es rund 1000 staatliche Zirkustruppen und zahlreiche Zirkusschulen." Schoregge schaut genau hin, wie dort gearbeitet wird, denn überzogenen Drill will er nicht unterstützen. "Nur wer Freude empfindet, kann auch selber Freude verkaufen", sagt Schoregge. Er muss es wissen, denn er ist ein ausgebildeter Clown, den es immer wieder noch selber auf die Bühne zieht. 16 Artisten treten bei "Shanghai Nights" auf. Das scheint bei erster Betrachtung wenig zu sein, aber die chinesischen Künstler spezialisieren sich erst am Ende ihrer Ausbildung, werden zuvor in vielen Bereichen unterrichtet. Sie führen deshalb auch nicht nur eine Hauptnummer auf, sondern verstärken unterschiedliche andere Darbietungen. "Es wird sowieso nicht eine Nummer an die andere gereiht. Wir erzählen über zwei Stunden eine Geschichte." Und diese spielt im Shanghai der 1930er und 40er Jahre in einer Mischung aus Teehaus, Opiumhöhle und Varieté.

Die Metropole, damals auch Paris des Orients genannt, stand für den Wandel Chinas zur Neuzeit. Die Stadt war ein Schmelztiegel der Kulturen, in Teehäusern und Bars entwickelten sich die traditionellen Kunstformen weiter und es entstanden neue Musikrichtungen wie der Shanghai-Jazz.

Die traditionell chinesischen Darbietungen seien aber nicht für das europäische Publikum geeignet, weshalb sich Schoregge als Vermittler versteht. "Bei unseren Hörgewohnheiten kommt die chinesische Musik beispielsweise dem Tatbestand einer Körperverletzung nahe. Und die Geschichten sind viel zu kompliziert aufgebaut, da kommt kein europäischer Zuschauer mit." Dabei legt Schoregge Wert darauf, nicht zu verfälschen, sondern die besondere Kultur zu zeigen und deren Kernaussage, die Einheit von Körper, Seele und Geist, zu vermitteln "Der chinesische Akrobat macht keinen Handstand, er ist der Handstand." Julia Brabeck

Quelle: RP
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