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Benrath
Ein bisschen wie in Versailles

Benrath: Ein bisschen wie in Versailles
Mal zart, mal melancholisch, mal temperamentvoll zieht das Gitarrenduo "Biarte" die Gäste im eleganten Kuppelsaal in seinen Bann. FOTO: Oliver Staschik
Benrath. Damen in Barockkleidern und ein tolles Programm locken Gäste aus der ganzen Welt in das Schloss und in die Museen. Von Beate Gostincar-Walther

Die Filzpuschen waren schnell vergriffen, die 3-D-Brillen für das Fledermaus-Erlebnis wurden ebenfalls rasch Mangelware, ganz zu schweigen von freien Sitzplätzen. Am Samstag öffnete auch die Stiftung Schloss und Park Benrath zwischen 19.30 und 2 Uhr ihre Pforten zur stadtweiten Nacht der Museen.

Ambiente, Führungen, Ausstellungen und ein interessantes Begleitprogramm locken zahlreiche Gäste aller Altersgruppen ins Schloss, ins Museum für europäische Gartenkunst und ins Naturkunde-Museum. Unter dem Titel "unplugged" begrüßt das Gitarrenduo "Biarte" im eleganten Kuppelsaal die Schloss-Gäste - mal zart, mal melancholisch, mal temperamentvoll. Später bietet das Vokalensemble "Voix Mixte" aus Hilden hier A-cappella-Gesang, der Bogen reicht von der deutschen Chormusik bis hin zum Jazz.

Mit Einbruch der Dunkelheit wirkt das beleuchtete Schloss auf seine Besucher noch einmal ganz anders. FOTO: Staschik, Olaf (ola)

In den Gängen brummt und summt es schon vorher: lebhafte Gespräche, schlitternde Kinder, galante Damen in Barockkleidern bestimmten die Atmosphäre. Leni, Antonia und Lotte aus Pempelfort erleben zum ersten Mal einen Besuch im Schloss und sind prompt "hin und weg". "Die Möbel, die Geheimgänge, der Boden, die Spiegel, die Kleider und so viel Marmor und die tollen Klos" - Antonia purzeln hellauf begeistert die Worte aus dem Mund. Dann verschwindet sie nach einer Kurzführung zu den Fledermäusen.

Michelle Welsing steht direkt nebenan im flaschengrünen, reif-berockten Kleid unentwegt Modell für Fotografen, stets andere Menschen an ihrer Seite. "Der Reifrock ist nicht so steif wie beim Original und die Taille ist nicht geschnürt", gesteht sie und muss lachen. Es sei ihr schon passiert, dass jemand neugierig ihren Rock lupft, um nachzusehen, warum der denn so absteht, berichtet sie. Eine japanische Touristengruppe findet an diesem Abend ebenso den Weg ins Schloss wie Düsseldorfer aus allen Teilen der Stadt und Gäste aus der Umgebung, wie die beiden Duisburger Sonja Yar und Junior Goncales. "Ich war noch nie hier, das ist ein bisschen wie in Versailles", vergleicht Sonja mutig das Benrather Schlösschen mit dem großen französischen Prunkpalast ein paar hundert Kilometer weiter westlich.

Im Naturkundemuseum präsentieren Tiermalerin Monica Schwarz und Fotograf Dirk Driesen ihre Werke. Als Höhepunkt verbuchen die Gäste Rolf Niggemeyer mit seinen 3-D-Vorträgen. Fasziniert und bebrillt lauschen sie seinen Erzählungen über die Kobolde der Nacht. "Das war supertoll", freut sich Helge Kapparth aus Benrath. "Der 3-D-Effekt ist sehr eindrucksvoll." Verstärkt wird dieses Erlebnis noch mit der Suche nach den originalen Nachtschwärmern im Park. Doch Helge Kapparth zieht es zur Lesung in das Museum für Europäische Gartenkunst.

Dort liest "Wanderkönig" Manuel Andrack. "Statt eines Frühstücks gibt es Koffein-Tabletten, der Griff der Zahnbürste ist abgesägt, die Beine sind rasiert...", schildert der Autor vor einem vollen Saal und lachenden Hörern amüsiert seine Version vom "ultraleichten Wanderer" aus seinem Buch "Gesammelte Wanderabenteuer".

"Wir waren im Medienhafen im Haus der Architektur und nachher wollen wir uns in Bilk noch etwas ansehen, die Shuttle Busse sind einfach toll", sagen Maike und Christian, die auch um 22.30 Uhr nach ihrer Schlossführung noch Ziele ins Auge fassen. Derweil erzählt Museumsführerin Hanna Gorszczynoska, dass ihr Bruder Pawell seit vielen Jahren extra aus Leipzig anreist, um im prächtigen Kostüm in Benrath zu helfen. Eine Reise, die sich lohnt, so sein Resümee.

Quelle: RP
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