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Flingern
Litfaßsäulen für Schüler-Kunst

Flingern: Litfaßsäulen für Schüler-Kunst
FOTO: Klaus Martin Becker
Flingern. Graffiti sind inzwischen ganz gerne gesehen, die "Tags" (Signaturen) aber eher nicht. Gerade die seien aber wesentlicher Teil der Kinder- und Jugendkultur, sagt der Mitveranstalter des "40 Grad" Streetartfestivals und stellt bald drei "Tag"-Türme auf. Von Semiha Ünlü

Graffiti-Bilder sind ja schön, wenn das Tag-Geschmiere nicht wäre. Diesen Satz hat Klaus Martin Becker, der Leiter des Kinderclubs Kiefernstraße in Flingern und Mitveranstalter des "40 Grad"- Streetartfestivals, schon oft gehört. Doch seinen Namen oder auch seine Sprüche zu verewigen, sei schon immer ein wesentlicher Bestandteil der Kinder- und Jugendkultur gewesen, sagt der Pädagoge. Ob in der Schule auf dem Tisch, auf Toiletten-Türen oder gar auf Wänden: "Tags sind immer eine Ausdrucksform der Kinder und Jugendlichen gewesen. Sie weisen auf die Individualität hin. Die Signaturen sind ein Ausdruck von Selbstwertgefühl und Urheberschaft, wie eine Art Gütezeichen", sagt Becker.

Becker, der in der städtischen Einrichtung Graffiti- und Streetart-Projekte anbietet, macht sich deswegen für "Tag-Tower" stark. Das sind weiße Litfaßsäulen, auf denen die Heranwachsenden die Chance bekommen sollen, auch auf legale Art und Weise ihrem Bedürfnis nach "Tagging" nachzukommen. Als Wiedererkennungsmal sollen auf die Abdeckplatten der drei Säulen Skulpturen von Graffiti-Künstlern montiert werden.

Für die Idee bekommt er Unterstützung vom Jugendamt der Stadt und dem Landschaftsverband Rheinland. "Wir haben 5000 Euro für das Projekt bewilligt bekommen", sagt der Mitveranstalter des Streetart-Festivals "40 Grad Urbanart".

Die Politiker im Stadtbezirk 2, zu dem Flingern gehört, befürworten das Projekt. Sie haben - auf Initiative der Grünen - bereits Vorschläge für das Aufstellen der knapp drei Meter hohen Betonsäulen erarbeitet und der Stadtverwaltung zur Prüfung zugeschickt. Auf der "Wunschliste" stehen unter anderem das Goethe-Gymnasium, der Eingangsbereich des Stadtwerkeparks und die Kreuzung Werdener Straße/ Fichtenstraße.

"Wir suchen für unsere drei Tag-Tower vor allem Orte im Düsseldorfer Stadtgebiet, die von Jugendlichen häufig aufgesucht werden und Plätze, die eher als sozial schwierig gelten", sagt Becker. Die vorgeschlagenen Orte würden gut dazu passen. Aber auch den Oberbilker Markt könne man sich im Kinderclub Kiefernstraße gut als Standort vorstellen - der Platz war von der Stadt für mehr als 2,4 Millionen Euro umgestaltet worden und wird vor allem von Obdachlosen und Junkies genutzt, kaum von Familien.

Auch die Politiker des Stadtbezirks 1 befürworten das Projekt und haben - wie ihre Kollegen aus dem Bezirk 2 - der Stadt Vorschläge für das Aufstellen der Litfaßsäulen gemacht. Die Grünen, die SPD und die Linke schlagen unter anderem Burg-, Spichern- und Worringer Platz vor. "Wir sehen im Projekt Tag-Tower einen interessanten Diskurs im Stadtbezirk", begründen die Politiker ihren Antrag.

Das ist auch das Ziel von Klaus Martin Becker: "Wir wollen das Thema Taggen als Sparte des Graffiti gezielt in den öffentlichen Raum rücken und seine Möglichkeiten und Ästhetik veranschaulichen." Tags seien oft der Grund, dass Graffiti einen schlechten Ruf in der Bevölkerung haben. "Viele setzen dadurch Graffiti mit Kritzeleien, Schmierereien und Vandalismus gleich", so Becker. Die drei Betonsäulen hat er bereits angeschafft. Jetzt müsse nur noch in der Stadtverwaltung entschieden werden, wo genau die drei Türme aufgestellt werden dürfen.

"Wir denken, dass wir Anfang des Jahres damit anfangen können und dann jeder seinen Namen oder sein Statement darauf hinterlassen, sich verewigen kann", sagt Klaus Martin Becker.

Quelle: RP
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