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Garath
Auf der Suche nach dem Glück

Garath. Manfred Lütz las in der Freizeitstätte aus seinem Buch "Wie Sie unvermeidlich glücklich werden". Von Beate Gostincar-Walther

Er hält gar nichts von Glücksratgebern, nimmt kabarettreif die Egotrips von Gesundheitsaposteln und Schönheitsverführern aufs Korn, lästert - typisch Kölsch - gegen die Düsseldorfer: Manfred Lütz fesselt im Saal der Freizeitstätte Garath von der ersten bis zur letzten Minute. Loriot-reife Pointen und heitere Anekdoten gehören ebenso zu seinem Repertoire wie eindringliche Aussagen. "Wie Sie unvermeidlich glücklich werden" heißt sein aktuelles Buch, aus dem es er Kostproben gibt: selbstredend freisprechend am Stehpult. Eingeladen hatte die Buchhandlung Dietsch gemeinsam mit der Freizeitstätte.

"Die Ratgeber zum Glücklich-Sein suggerieren, dass man für sich selbst nicht kompetent ist", wettert Lütz, aber das Leben sei keine Waschmaschine. "Entspann dich einmal, mach mal ne' Pause" hieße es oft. "Da wäre ich selbst gar nicht drauf gekommen", frotzelt der 61-Jährige weiter. Die Glücksindustrie produziere sich nur selbst und verbreite zu 95 Prozent Banalitäten.

Denn: Glück sei für nicht für jeden gleich, sondern individuell. Jeder müsse es für sich selbst definieren. "Glück, das ist auch kein Erfolgstrip; wer meint, Glücksgefühle kann man maximieren, der ist auf dem Irrweg", erklärt Lütz. Mal ironisch, mal selbstironisch, aber auch zutiefst ernst - bleibt kein neumodischer Glückstrend vor ihm verschont. Er widmet sich dem Sport, der Schönheit, der Gesundheit und gegenwärtigen Erscheinungen wie dem Burn-out. "Es gibt Menschen, die nur noch vorbeugen, dann sind sie auf einmal tot", meint Lütz. In einer Talkshow auf seine sportlichen Ambitionen angesprochen, habe er einmal geantwortet: "Ich fahre mit dem Auto zum Bäcker." Mit Heidi Klum legte sich der streitbare Mediziner Theologe zu magersüchtigen "Schönheitsidealen" an. "Das ist eine mörderische Show", erklärte er früher schon öffentlich. "Sehen Sie mich an, ich bin eine Problemzone", meint er spöttisch und hat die Lacher auf seiner Seite. Das ständige Vergleichen mit anderen sei eine Anleitung zum Unglücklichsein, jeder habe andere Fähigkeiten. Das Glück sei innerlich. "Leid, Kampf und Auseinandersetzung und Tod sind unvermeidlich", erklärt Lütz.

Doch selbst in diesen Situationen ließe sich Glück empfinden, wenn man den tiefen Sinn darin erkenne. "Das ist das Lächeln eines Kindes, die Erfahrung von Liebe und Zuneigung, Güte, der Anblick eines Kunstwerkes, Ergriffenheit ist Glück, das sind Gotteserfahrungen", veranschaulicht er seine Überzeugung. "Wenn wir Momente erleben, in denen wir glücklich sind, dann denken wir nicht über das Glück nach. Wer zutiefst glücklich ist, für den ist das kein Thema", erklärt Lütz seinem Publikum.

"Dass man sich nicht selber glücklich machen kann, dass das Glück sich in Momenten zeigt und man ihm nicht hinterherrennen kann", das sind Aussagen, von denen sich Besucher wie Birgit Beutler und Ingrid Albiez besonders angesprochen fühlen. Michael Henrichs hingegen hat für sich die Erkenntnis gewonnen, dass man nichts erzwingen kann. "Glück kommt aus eigenen Stücken, da helfen keine Binsenweisheiten oder Philosophien, nur die Gelassenheit."

Quelle: RP
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