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Gerresheim
Glasmacherviertel erhält Lärmschutz

Gerresheim. In der Bezirksvertretung 7 haben die Stadtteilpolitiker nach langer Diskussion einen Gewerbegürtel im Süden für das Neubaugebiet in Gerresheim durchgesetzt. Im Planungsausschuss wurde der Beschluss aber direkt wieder kassiert. Von Marc Ingel

Es war für die Mitglieder der Bezirksvertretung 7 im negativen Sinne ein Paradebeispiel dafür, dass ihren Entscheidungen allzu oft nicht die Bedeutung beigegemessen wird, wie sie sich das vielleicht wünschen würden. Was war geschehen?

Im Rahmen der Verabschiedung des geänderten Flächennutzungsplans für das Glasmacherviertel in Gerresheim hatte die FDP beantragt, das Quartier im Süden durch einen Gewerbegürtel zur Bahnlinie abzugrenzen - ganz so wie es ursprünglich auch einmal im Werkstattverfahren unter Beteiligung der Gerresheimer in dem formulierten Wunsch, neben Wohnen auch die Faktoren Grün und Arbeiten zu berücksichtigen, festgelegt wurde. Dass der Gewerbestreifen auf den neuesten Plänen plötzlich nicht mehr auftauchte, begründete die Verwaltung mit dem Druck, mehr Wohnraum schaffen zu müssen. Stattdessen sei nun eine transparente Glaswand als Lärmschutz vorgesehen. Das wiederum gefiel einer Mehrzahl der Stadtteilpolitiker nicht, mit 10:9-Stimmen wurde der Antrag der Liberalen, das einst geplante Gewerbe wieder in die Entwurfsplanung aufzunehmen, denkbar knapp angenommen.

Im Planungsausschuss vergangene Woche dann wurde der mehrheitlich beschlossenen Änderung durch die Bezirksvertretung 7 keine größere Beachtung geschenkt. Man habe beim Glasmacherviertel schon genug Zeit verloren, so die vorherrschende Meinung. Es wurde nach Vorlage abgestimmt und der Verwaltungsentwurf damit auf den Weg gebracht - mit Lärmschutzwand.

"Offenbar ohne Kenntnis der sozialen Struktur und Bedürfnisse vor Ort hat sich der Ausschuss darüber hinweggesetzt, dass es in Gerresheim-Süd mit seiner industriellen Vergangenheit viele Menschen gibt, die auf ortsnahe Arbeitsplätze angewiesen sind. Das mit den Bürgern im Werkstattverfahren ausgearbeitete städtebauliche Konzept von Leben, Wohnen und Arbeiten im Glasmacherviertel ist damit Makulatur", ärgert sich Sönke Willms-Heyng, Sprecher der FDP-Fraktion in der Bezirksvertretung 7.

Die geplante Lärmschutzwand bezeichnet er als hässlich und die Lebensqualität beeinträchtigend. Da aber nun mal an dem Entschluss nicht mehr zu rütteln sei, will er für die kommende Sitzung der BV7 am nächsten Dienstag Näheres darüber erfahren: "Wie hoch wird die geplante Lärmschutzwand an der Bahntrasse, wie soll sie gestaltet werden, wie teuer wird das und wer trägt die Investitionen?", lautet seine Anfrage. Und: "Eine transparente Lärmschutzwand muss regelmäßig gesäubert und repariert werden. Wer trägt die Kosten und wie hoch sind sie voraussichtlich?"

Darüber hinaus will Willms-Heyng auch auf das Werkstattverfahren eingehen, dessen Ergebnisse nun verfälscht würden: "Wie teuer war das Werkstattverfahren, das zu einem Siegerentwurf und einem städtebaulichen Konzept für das Glasmacherviertel geführt hat?" Und: "Wie hoch war in etwa der personelle und zeitliche Arbeitsaufwand der Verwaltung bei Planung und Durchführung?", sind weitere Fragen, auf die der FDP-Politiker gerne Antworten hätte.

Beim Investor Patrizia ist man froh, dass es überhaupt weitergeht und voraussichtlich noch in diesem Sommer die Voraussetzungen für einen städtebaulichen Vertrag geschaffen werden. Aus dem mit der Stadt erarbeiteten Zeitplan resultiere jedenfalls, dass im Frühjahr 2018 Baugenehmigungen erteilt werden könnten. Im Anschluss daran kann die Bebauung des Glasmacherviertels endlich in Angriff genommen werden.

Quelle: RP
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